Flüchtlingshilfe wirft die Brocken in Oerlinghausen hin

Marianne Schwarzer

Eingezäunt: Die Flüchtlingsunterkunft in Oerlinghausen. Eine Beraterin kritisierte im Interview, dass die Einrichtung zunehmend Gefängnischarakter bekomme. - © Vera Gerstendorf-Welle
Eingezäunt: Die Flüchtlingsunterkunft in Oerlinghausen. Eine Beraterin kritisierte im Interview, dass die Einrichtung zunehmend Gefängnischarakter bekomme. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Oerlinghausen. Die Konflikte sind eskaliert: Die Flüchtlingshilfe Lippe wird in der zentralen Unterkunft des Landes in Oerlinghausen keine unabhängige Beratung mehr anbieten. Das teilten Pfarrer Dieter Bökemeier und Irmingard Heine vom Vereinsvorstand gestern in einem Pressegespräch mit. „Unsere Beratung wird wohl als zu engagiert und unbequem wahrgenommen, und wir haben auf bestehende Missstände hingewiesen", sagt Bökemeier zu den Gründen.

Der Hintergrund: Die Flüchtlingshilfe Lippe hat im Auftrag des Landes die unabhängige Beratung der Flüchtlinge in der Unterkunft mit insgesamt vier Mitarbeitern sichergestellt. Zu den Aufgaben gehört auch das Beschwerdemanagement, für das Andreas Zuckmayer verantwortlich ist. Er berichtet von vielen Beschwerden über diverse Mängel, denen aber nur schleppend nachgegangen werde.

Finanziert werden Beratung und Beschwerdemanagement zu 99 Prozent vom Land. „Man hat uns in Düsseldorf gesagt, dann dürfe man wenigstens Loyalität gegenüber dem Land erwarten", berichtet Irmingard Heine. Diese Loyalität zweifle das Land aber bei zwei Mitarbeiterinnen an. Die eine hat vor kurzem dem WDR ein Interview gegeben und sinngemäß gesagt, mit Zäunen und Flutlicht bekomme die Oerlinghauser Flüchtlingsunterkunft zunehmend Gefängnischarakter.

Zudem seien bei einer Dienstbesprechung missverständliche Äußerungen gefallen, geklärt habe man das aber nicht. Nun verweigere das Land den beiden bei der Flüchtlingshilfe Lippe angestellten Mitarbeiterinnen ausdrücklich, nach Februar noch weiter in der landesgeförderten Asylberatung zu arbeiten. Das Angebot, einen anderen erfahrenen Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe in Oerlinghausen einzusetzen, sei ohne Begründung abgelehnt worden.

Irmingard Heine ist sauer: „Ich verstehe nicht, warum diese sehr qualifizierten und engagierten jungen Leute einfach so beurteilt werden, ohne sie jemals zu hören. Das ist verletzend." Der Vereinsvorstand mutmaßt, dass das Ministerium so massiv in Personalentscheidungen eines unabhängigen Trägers eingreife, weil ihm die Ausrichtung nicht passe. Man versuche, „einen unbequemen Fürsprecher für die Geflüchteten hinauszudrängen." Trotz aller Sorgen der Anwohner hätten die Flüchtlinge ein Recht auf eine faire Behandlung.

Hinter allem stehe die neue Ausrichtung bei der Asylpolitik von Land und Bund: „Dies ist mehr ein Abschiebungsland geworden", sagt Zuckmayer. Doch die Flüchtlingshilfe wolle die Menschen ergebnisoffen beraten und sie nicht zur freiwilligen Ausreise drängen, wie es das Land wohl erwarte. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", betont Bökemeier. Nun werde das Land die Beratung neu ausschreiben müssen – ob ein neuer Träger glücklicher damit werde, sei fraglich.

 

Information

Das sagt die Bezirksregierung


Die Bezirksregierung antwortete gestern auf die Anfrage der LZ sehr sparsam: „Mit Verwunderung hat die Bezirksregierung Detmold die aktuellen Äußerungen der Flüchtlingshilfe Lippe zur Verfahrensberatung in der ZUE Oerlinghausen zur Kenntnis genommen." Die Flüchtlingshilfe Lippe habe anscheinend auch mit sofortiger Wirkung ihre Hilfe für Asylsuchende in der ZUE Oerlinghausen eingestellt. „Hiervon hat die Bezirksregierung durch einen Aushang am Büro der Flüchtlingshilfe in der ZUE Oerlinghausen erfahren." Ohne „rechtsverbindliche Aufkündigung der Zusammenarbeit" werde man nicht dazu Stellung nehmen.


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