Minden soll zur Drehscheibe für den Güterverkehr werden

Henning Wandel

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Ein historischer Moment: Die Eröffnung der ausgebauten und modernisierten Schachtschleuse in Minden. - © Alex Lehn
Ein historischer Moment: Die Eröffnung der ausgebauten und modernisierten Schachtschleuse in Minden. (© Alex Lehn)

Minden. Historischer Moment für die Stadt Minden: Um 12.48 Uhr öffnete sich am Freitag zum ersten Mal offiziell die neue Weserschleuse und entließ die „Glückauf" aus Haldensleben in Richtung Bremen. Dem 100 Meter langen Großmotorschiff sollen weitere dieser Größenordnung folgen – bisher war die Schachtschleuse dafür zu klein.

Vor geladenen Gästen hatte zuvor der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, Enak Ferlemann, die große Bedeutung Mindens als Drehscheibe für die Binnenschifffahrt betont.

Ferlemann bezeichnete die Weserschleuse als Jahrhundertbauwerk und Wunderwerk der Technik. Sie ist auch ein wichtiger Baustein für den gesamten Ausbau der Wasserstraßen zwischen Rhein und Oder. Bis 2021 soll diese Verbindung durchgängig für Großmotorgüterschiffer befahrbar sein – inklusive aller Zuflüsse wie etwa der Weser.

Gleichzeitig kündigte Ferlemann an, dass auch die noch bestehenden Engpässe in der Mittelweser beseitigt werden sollen. Noch gibt es hier allerdings neun Stellen, die nur von einem Schiff passiert werden können. An sechs dieser Engpässe seien bereits die Aufträge für eine Beseitigung vergeben worden, so Ferlemann.

Auch der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Hans-Heinrich Witte, sprach von einer entscheidenden Schleuse. Ab jetzt gebe es freie Fahrt von Bremen bis Basel, sagte er in seiner Begrüßung. Um die erwarteten Zuwächse im Güterverkehr bewältigen zu können, müsse mehr von der Straße und der Schiene auf die Wasserwege verlagert werden, so Witte. Dafür werde jetzt die Infrastruktur geschaffen. Diesen Punkt griff auch Ferlemann auf. Mit der Schleuse und dem Regioport komme Minden dabei eine Schlüsselrolle zu.

Die Binnenschifffahrt rechnet mit der Freigabe der neuen Schleuse mit einem Boom auf der Mittelweser. Schon jetzt sei der Fluss mit Großmotorgüterschiffen befahrbar, sagte Roberto Spranzi, Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt. Dennoch müssten die letzten Engstellen möglichst schnell beseitigt werden.

Spranzi geht davon aus, dass die neuen Möglichkeiten schnell genutzt werden, allerdings müsse auch an allen Stellen Werbung dafür gemacht werden. „Wir haben die Kapazitäten, Straße und Schiene zu entlasten", sagt Spranzi.

Auch die Landesregierungen aus Bremen, Düsseldorf und Hannover waren prominent vertreten. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) verwies auf den starken Mittelstand in Westfalen: „Wir müssen die Logistikkette am Laufen halten".

Niedersachsens Staatssekretär Frank Nägele aus Hannover bezeichnete den Mittellandkanal als „Wertschöpfungsmotor" für sein Land. Auch Bremens Bürgermeister Carsten Sieling betonte die Bedeutung der Anbindung nach Süden. Alle Prognosen zeigten, dass Deutschland dringend stärkere Wasserstraßen benötige.

Für Mindens Bürgermeister Michael Jäcke waren das „wohltuende Worte". Die Freigabe der Weserschleuse sei ein wichtiger Teil einer Erfolgsgeschichte, die mit dem Regioport weitergehen soll. Auch Jäcke sprach sich daher für einen zügigen Ausbau der Mittelweser aus.

Revision gegen OVG-Urteil

Der Planungsverband Regioport Weser hat gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts (OVG) Münster Revision eingelegt, sagte Verbandsvorsteher Lars Bursian. Damit wird die Sache nun vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt. Der 2. Senat des OVG Münster hatte den Bebauungsplan „Regioport Weser I" Ende Juni für unwirksam erklärt. Geklagt hatten im Normenkontrollverfahren eine Bürgerin aus Bückeburg und die Stadt Porta Westfalica gegen den Planungsverband.

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