Schlangen. Wenn Schnee fällt und Straßen weiß werden, muss der Winterdienst der Gemeinde Schlangen ran – auch lange bevor die meisten Menschen aufstehen. Trotzdem gebe es gerade in sozialen Medien immer wieder Diskussionen. User meinen ihre Straße werden zu spät oder gar nicht geräumt, die Reihenfolge sei willkürlich oder der Winterdienst schaufele den Schnee auf genau die falsche Seite. Annahmen, die häufig auf falschen Annahmen beruhen, schreibt die Gemeinde in einer Pressemitteilung. Ein Blick hinter die Kulissen zeige: „Winterdienst ist anspruchsvoll, verantwortungsvoll und oft eine Arbeit unter hohem Zeitdruck.“
Sobald die Wetterlage es erfordere, würden die Mitarbeiter des Bauhofs ihren Dienst bereits ab 4 Uhr morgens beginnen. Ziel sei es, die Verkehrssicherheit im gesamten Gemeindegebiet so gut wie möglich zu gewährleisten.
Keine Willkür, alles dokumentiert
Dabei werde nicht „wahllos“ geräumt, sondern „strikt nach einer festgelegten Prioritätenliste“ gearbeitet. „Zuerst werden Hauptstraßen und Ortsdurchfahrten geräumt, anschließend die Strecken des Öffentlichen Personennahverkehrs, Zufahrten zu sensiblen Einrichtungen wie Feuerwehr, Schulen und Kitas sowie besonders steile Straßen, etwa im Ortsteil Kohlstädt. Erst danach folgen weitere Nebenstraßen“, schreibt die Verwaltung.
Jeder Einsatz werde dabei genau dokumentiert: „Ob eine Straße gestreut oder geschoben wurde, wird inklusive Uhrzeit festgehalten. Diese Dokumentation dient nicht nur der Transparenz, sondern auch der rechtlichen Absicherung.“
Enge Straßen, parkende Autos, Zeitdruck
Was auf den ersten Blick einfach erscheine, sei in der Praxis hochkomplex. Enge Straßen, beidseitig parkende Fahrzeuge, Mülltonnen am Fahrbahnrand oder rücksichtslose Fahrweise einzelner Verkehrsteilnehmender erschwerten die Arbeit erheblich.
„Unsere Mitarbeitenden müssen in Sekunden entscheiden, in welche Richtung der Schnee geschoben wird“, erklärt Bauhofsleiter Pascal Hatzig. „Der Schneepflug wird während der Fahrt per Joystick gesteuert – immer mit dem Ziel, Schäden zu vermeiden und die Sicherheit aller zu gewährleisten.“
Grundsätzlich werde versucht, den Schwenkwinkel des Pflugs so einzustellen, dass Einfahrten möglichst nicht zugeschoben werden. In engen Straßen mit beidseitiger Bebauung ist das jedoch physikalisch nicht immer möglich. Auch Fußgänger, falsch parkende Fahrzeuge oder plötzlich auftretende Situationen könnten dazu führen, dass Schnee gezielt in eine bestimmte Richtung geschoben werden muss.
Wenn Schnee zurück auf den Gehweg kommt
Gerade in schmalen Straßen lässt es sich nicht vermeiden, dass Schnee gelegentlich von der Fahrbahn auf einen bereits von Anwohnenden geräumten Gehweg geschoben wird. Das ist ärgerlich – aber leider manchmal unvermeidbar.
Hier ist gegenseitige Rücksichtnahme gefragt. „Wir haben in Schlangen nur wenige Schneetage im Jahr“, sagt Bürgermeister Marcus Püster. „Wenn wir diese Tage mit Verständnis und Kooperation angehen, funktioniert das Zusammenleben auch im Winter sehr gut.“
Hilfreich sei es beispielsweise, wenn Anwohnende den geräumten Schnee nicht auf die Straße zurückschieben, sondern – wo möglich – auf Grünflächen oder in den eigenen Garten lagern. So wird verhindert, dass der Schnee erneut auf Fahrbahn oder Gehweg gelangt.
Nicht jede Straße wird immer geschoben
Ein weiterer häufiger Kritikpunkt betreffe Straßen, die bei bestimmten Wetterlagen nicht geschoben werden. Auch hierfür gibt es fachliche Gründe: Bei bestimmten Temperaturen und Schneehöhen sei eine festgefahrene Schneedecke oft besser befahrbar als eine vereiste oder matschige Oberfläche.
„Deshalb analysieren die Mitarbeitenden laufend Wettervorhersagen, Niederschlagsradar sowie die gemeindeeigenen Messstationen in allen drei Ortsteilen, um situationsabhängig zu entscheiden, ob Räumen, Streuen oder bewusstes Nicht-Schieben die sicherste Lösung ist.“
Zum Winterdienst gehören in Schlangen nicht nur die beiden Unimogs für Straßen. „Zusätzlich sind mehrere spezielle Traktoren im Einsatz, um Geh- und Radwege, Parkplätze und Bushaltestellen zu räumen. Bei Bedarf kann sogar Schnee aus dem Ortskern abtransportiert werden – ein logistischer Aufwand, der gut vorbereitet sein muss.“
Schneepflugfahrer Christoph Kerkemeier: „Wir versuchen, für alle das Beste rauszuholen. Aber es gibt Situationen, da kann man es nicht jedem recht machen. Wichtig ist, dass niemand zu Schaden kommt.“
Gemeinsam durch den Winter
Der Winterdienst in Schlangen sei Teamarbeit – „nicht nur im Bauhof, sondern im gesamten Ort“, schreibt die Gemeinde. „Mit Verständnis für die Herausforderungen, Rücksichtnahme im Straßenraum und einem fairen Umgang miteinander lassen sich auch schwierige Wetterlagen meistern.“