Wird das Wasser knapp? Sorge um Trinkwasserreservoir in Augustdorf

Matthias Bungeroth

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Wertvolles Feuchtgebiet: Der Haustenbach in der Senne führt zeitweise sehr wenig Wasser. Das Totholz zahlreicher Bäume liegt an den Ufern des Flusslaufs herum.  - © Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge
Wertvolles Feuchtgebiet: Der Haustenbach in der Senne führt zeitweise sehr wenig Wasser. Das Totholz zahlreicher Bäume liegt an den Ufern des Flusslaufs herum.  (© Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge)

Augustdorf. „Die Senne stellt neben dem Wesertal das wichtigste Trinkwasserreservoir in Ostwestfalen-Lippe dar." Das sagt Manfred Dümmer, Diplom-Geologe mit dem Spezialgebiet Hydrogeologie. Doch wird dieser Wasserspeicher, der die beiden größten Städte der Region, Bielefeld und Paderborn, sowie umliegende Gemeinden mit Wasser versorgt, auch langfristig diese Funktion erfüllen können?

Diese Fragen greifen Dümmer, der auch Mitglied des Fördervereins ist, angesichts der aktuellen Debatte um eine Trinkwasserdebatte auf. Dümmer kommt zu dem Schluss: Die Grundwasservorkommen der Senne besonders zu schützen, „muss oberstes Ziel von Politik und Verwaltung sein".

Information

25000 Hektar


  • Südwestlich des Teutoburger Waldes liegt die Senne. Diese Landschaft ist etwa 25.000 Hektar groß. Sie ist vor etwa 200.000 Jahren, in der vorletzten Eiszeit, der sogenannten Saale-Eiszeit, entstanden.
  • Die Böden und Grundwasserleiter dort sind geprägt von Sand oder einem Wechsel von sandigen Sedimenten und Geschiebelehmen, wie Geologe Manfred Dümmer erläutert.

Aus diesem Grund sei die „geplante intensive Nutzung des Truppenübungsplatzes nicht mit diesem Ziel vereinbar". Es sei vielmehr zu befürchten, „dass nicht für nur Pflanzen und Tiere irreparable Schäden eintreten, sondern auch die Gewinnung von unbelastetem Trinkwasser erheblich gefährdet wird".

Die Vorsitzenden des Fördervereins, Erdmute von Voithenberg und Thomas Steinlein, fordern deshalb, eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Experten der Wasserwirtschaft/des Gewässerschutzes sowie des Naturschutzes ein. „In der Feuchtsenne sind die Veränderungen und die zunehmende Trockenheit schon seit Jahren festzustellen", warnen die beiden Vorsitzenden in einem Positionspapier, das dieser Zeitung vorliegt.

Die Experten des Fördervereins zitieren in dem Papier einen Vortrag von Reinhard Wittig von der Gewässerkunde Senne der Bezirksregierung Detmold, den dieser vor Vereinsmitgliedern gehalten habe. Darin heißt es, dass es seit rund 20 Jahren in der Senne einen Trend zu niedrigeren Niederschlägen gebe, weshalb der Grundwasserstand im Laufe der Winterhalbjahre nicht vollständig aufgefüllt werden könne. Die Folge: Derzeit liege der Grundwasserstand in der Senne rund einen bis 1,20 Meter niedriger als am Anfang der Messungen.

„Im Mittel fiel in den Jahren 2011 bis 2019 rund 11 Prozent weniger Regen als im langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990", heißt es in dem Papier. „Auch die Oberflächengewässer der Senne fallen teilweise länger trocken, wie das Beispiel der Rahmke zeigt, die 2018 ganze sieben Monate trockengefallen ist", wie es in dem Papier heißt.

Dieser Fluss entspringt in Augustdorf. Er sei zuvor noch nie so lange trocken gewesen. Zwar bestehe laut Wittig kein Anlass zur Sorge, was die Trinkwasserversorgung angehe.

Doch Fritz Trillmich, Wissenschaftlicher Beirat des Fördervereins, warnt: „Die genehmigten Fördermengen an Grundwasser sind sowohl in Bielefeld als auch in Paderborn zu über 80 Prozent ausgeschöpft." Dabei zeige der Verbrauch eine steigende Tendenz, weil die Bevölkerung in beiden Städten zunehme. „Trinkwasserschutzgebiete sind nur außerhalb des Truppenübungsplatzes ausgewiesen", so Trillmich. Auch für die Trinkwasserbrunnen von Paderborn sei ein Wasserschutzgebiet noch nicht verordnet. „Es besteht also Handlungsbedarf zur Sicherung der Gewässer durch einen umfassenden Schutz, wie ihn ein Nationalpark in einem Großteil der Senne leisten könnte", unterstreicht Trillmich.

Die verstärkte militärische Nutzung der Senne, künftig auch durch NATO-Truppen, bringe zudem „die Gefahr vermehrten Eintrags von Schadstoffen" sowie einer Verdichtung des Bodens. Deshalb sei der Schutz der Grundwasservorkommen „mit einer möglichen intensiveren Nutzung des Truppenübungsplatzes unseres Erachtens nicht in Einklang zu bringen".

Die Sicherung der Senne durch Aufnahme der Flächen in das Nationale Naturerbe sowie die Ausweisung eines Nationalparks gehen nach Ansicht der Naturschutz-Experten mit der lebenswichtigen Trinkwassersicherung „Hand in Hand".

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