Augustdorf. Kurz vor der Bürgermeister-Stichwahl in Augustdorf hat sich SPD-Kandidat Mats Uffe Schubert noch einmal den Fragen von LZ-Redakteurin Cordula Gröne gestellt. Sein Mitbewerber, der unabhängige Kandidat Dr. Andreas Wulf, konnte aus terminlichen Gründen an der LZ-“Lokalrunde“, die eigentlich als Streitgespräch gedacht war, nicht teilnehmen. Auch eine Befragung per Telefon war ihm nicht möglich. Grundschulen Beide Augustdorfer Grundschulen, die Grundschule „Auf der Insel“ und die Grundschule „In der Senne“, sind sanierungsbedürftig. LZ-Redakteurin Cordula Gröne wollte von Schubert wissen, bei welcher er im Falle seines Wahlsiegs zuerst ansetzen würde. Der sieht unterschiedliche Herausforderungen an den jeweiligen Standorten. Bei der Grundschule „In der Senne“ seien Modernisierungsarbeiten dringend nötig, an der Grundschule „Auf der Insel“ brauche es vor allem mehr Platz. Dort habe mit Containern immerhin eine Übergangslösung gefunden werden können. „Bei der Grundschule In der Senne’ müssen wir dringend und schnell handeln“, sagte Schubert, was die Modernisierung des Gebäudes und der Ausstattung betrifft. Nun beide Grundschulen gleichzeitig sanieren zu müssen, sieht er als Herausforderung. Ursache dafür seien Versäumnisse in der Vergangenheit. „Wir haben uns 2017 dafür entschieden, lieber die Realschule auf Vordermann zu bringen und das fällt uns jetzt auf die Füße.“ Diese Altlasten gelte es nun, Schritt für Schritt zu beseitigen. Für Schubert ein echtes Herzensprojekt, wie er sagt. Und etwas, was er im Falle eines Wahlsieges umgehend angehen wolle. Freibadgelände Das Areal des ehemaligen Freibads liegt brach. Ideen dafür gibt es durchaus. „Was wir bedenken müssen, ist: Das Gelände hinter dem Freibad haben wir auch noch. Das ist Gemeindebedarfsfläche“, sagte Schubert auf die Frage, was er mit dem Gelände anstellen wollen würde. Die Fläche sei ursprünglich für die Erweiterung der Realschule vorgesehen gewesen. Es müsse ein vernünftiger Dreiklang aus ebendiesen Reserveflächen, aus Wohnbebauung und auch aus Freizeitmöglichkeiten geschaffen werden. Ein neues Freibad an gleicher Stelle sieht Schubert nicht. Führungsstil Die LZ-Redakteurin wollte von Schubert wissen, auf was sich die Mitarbeiter der Verwaltung einstellen müssen, sollte der SPD-Bürgermeisterkandidat im Rathaus-Chefsessel landen. „Ich möchte meine eigene Führungskultur ins Rathaus bringen“, entgegnete er. Er wolle jemand sein, der anders denkt, andere Wege geht und im Zuge dessen auch andere Ideen zulässt. „Von daher glaube ich, sind die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erst einmal offen und positiv auf das gestimmt, was die Zukunft bringt.“ Sollte Schubert Bürgermeister werden, wolle er seinen Mitarbeitern den Freiraum und die Unterstützung geben, die jeder und jede Einzelne braucht. Zusammenhalt im Dorf „Wir müssen Begegnungen schaffen zwischen den Menschen in Augustdorf. Diese Begegnungen bauen Vorurteile ab und sorgen dafür, dass wir einander besser kennenlernen“, antwortete Schubert auf die Frage der Redakteurin, wie er die Dorfgemeinschaft stärken möchte. Zwar sehe er durchaus einen gewissen Zusammenhalt im Dorf, Schubert gab aber zu: „Ich bin viel von Tür zu Tür gegangen und habe Gespräche geführt. Viele Augustdorfer gaben offen zu, dass sie ihre Nachbarn zum Teil gar nicht mehr kennen. Das finde ich bei einer Gemeinde mit 10.000 Einwohnern dann doch etwas traurig - das möchte ich verändern. Feste wie die 250-Jahr-Feier hätten bereits viel Positives bewirkt, ebenso sieht Schubert den Vereinssport im Dorf als wichtiges Bindeglied, das es zu stärken gelte. Siedlung Am Dören Ob eine Wohnungsbaugenossenschaft für die Siedlung Am Dören die richtige Lösung ist, werde sich zeigen, sagte Schubert. „Fakt ist, wir müssen da eingreifen. Wir müssen unsere Instrumente, die wir als Kommune zur Verfügung haben - entweder aus dem Wohnraumstärkungsgesetz oder eben auch aus dem Baugesetzbuch - nutzen, um der Lage städtebaulich Herr zu werden.“ Nun gelte es, zu schauen, wie das Insolvenzverfahren des aktuellen Eigentümers verläuft. „Aber wir sehen ja zum Beispiel in Detmold oder Horn-Bad Meinberg, dass eine Wohnungsbaugenossenschaft helfen kann. Die Mieter können Anteilseigner werden und, so wie ich das sehe, können wir damit auch Kapital einsammeln, das wir benötigen, um die ganzen nötigen Maßnahmen zu bezahlen.“ Dennoch wird die Gemeinde laut Schubert auch Fördergelder brauchen, um das Gebiet sanieren zu können. Die Siedlung müsse von Grund auf neu gedacht werden, damit sie irgendwann auch für den breiten Mittelstand attraktiv werde. Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Lippische Landes-Zeitung (@lz.de) Ratsarbeit Um eine fruchtbare Zusammenarbeit im Gemeinderat macht sich Schubert - unabhängig von der Bürgermeisterwahl - keine Sorgen. Sein Ziel, gerade auch als SPD-Fraktionsvorsitzender, sei, dass SPD und CDU eine solide Basis schaffen, um gemeinsam die wichtigen Entscheidungen für Augustdorf tragen zu können. „Ich habe die letzten Jahre immer sehr vertrauensvoll mit allen Fraktionen im Rat zusammengearbeitet, deswegen bin ich da sehr optimistisch.“ Mangelnde Erfahrung? Schubert ist mit 28 Jahren ein junger Kandidat für das Bürgermeisteramt. Vorteil oder Nachteil? Definitiv kein Nachteil, meint er: Schließlich bringe er ein breites Spektrum an Kompetenz mit, sagte Schubert über sich selbst. „Ich habe durch mein betriebswirtschaftliches Studium einen entsprechenden wirtschaftlichen Background. Ich habe durch mein Masterstudium (Wirtschafts- und Arbeitsrecht, Anm. d. Red.), das ich jetzt beendet habe, juristische Werkzeuge an der Hand. Ich glaube, entscheidend ist auch als Bürgermeister, dass man einfach offen auf die Menschen zugehen kann, nach Lösungen sucht und da auch mal pragmatisch denkt und das ist etwas, was ich tue und sehr gerne mache.“ Da er nicht aus dem Verwaltungsbereich komme, könne er ein anderes Denken mit in die Verwaltung bringen.