Bad Salzuflen-Schötmar. „Zum Teil haben die Kinder zu Hause bessere Technik als in der Schule", hat Hans-Ulrich Tebbe, Vorsitzender des Fördervereins des Rudolph-Brandes-Gymnasiums, festgestellt. Jetzt ermöglichen Smart-TV-Geräte in der Salzufler Schule einen etwas anderen Unterricht. „Wir wollten weg von den Overhead-Projektoren", erzählt Tebbe.
Also hat der Förderverein gemeinsam mit dem Kollegium überlegt, was die überholte Präsentationstechnik ersetzen könnte. Die Entscheidung fiel auf Smart-Fernseher, die mit Dokumentenkameras, Computern oder Smartphones verbunden werden können. Zwölf Geräte konnte der Förderverein aus seinen Mitteln spendieren, fünf weitere steuert der Schulträger bei. Im Unterricht werden die großen Bildschirme vielseitig genutzt.
Finanzielle Herausforderung
Rund 2700 Euro hat die Ausstattung für jeden einzelnen der zwölf Räume gekostet, mit Instalationsarbeiten hat der Förderverein 32.000 Euro in die neue Technik investiert. Geld, das direkt dem Unterricht nutzt, betont Clemens Boppré: „Das ist das Kerngeschäft der Schule."Die Fernseher sind seit Beginn des neuen Schuljahres in allen Räumen der Oberstufe im Einsatz. Schüler und Lehrer haben gute Erfahrungen damit gemacht. Schulleiter Eckhard Brand gefällt die Möglichkeit, analoges Arbeiten mit moderner Informationstechnik zu kombinieren.
So können Schüler handschriftlich ausgefüllte Aufgabenblätter unter die Kamera auf den Tisch legen, um ihre Lösungen auf dem Bildschirm zu zeigen. „Das geht sehr schnell, weil wir die Aufgaben einfach unterlegen können", sagt eine Schülerin. „So können wir auch ganz spontan unsere Ergebnisse präsentieren", ergänzt ihre Mitschülerin Gillian Orth – umständliches Übertragen der Notizen auf die Tafel oder Folien entfällt. Sogar den Taschenrechner können sie direkt unter die Kamera halten und zeigen, wie sie die Aufgaben damit lösen.
Aber die Geräte können noch mehr. Mit einem Kabel oder auch drahtlos können sie mit Laptops, Tablets oder Smartphones verbunden werden. Schüler können so Ergebnisse ihrer Internet-Recherche zeigen, und Lehrer vorbereitete Grafiken. Dazu haben die Bildschirme direkten Zugriff auf die digitalen Medien der Schule. Jederzeit können die Lehrer kurze Filme damit zeigen. Für ein fünfminütiges Video hätten sie früher erst eine Medieneinheit mit Fernseher in den Raum rollen müssen. Gleichzeitig seien die Bildschirme nicht so teuer im Unterhalt wie etwa Beamer, da keine Birnen ersetzt werden müssten, sagt Brand.
„Wir können jetzt ganz modernen, zukunftsorientierten Unterricht machen", sagt Clemens Boppré, stellvertretender Schulleiter und Fachlehrer für Englisch und Geschichte. Denn die neue Medienlandschaft, in der sich Schüler heute bewegen, wirke sich direkt auf die Inhalte aus. „Die Zielrichtung ist eher problemlösender Unterricht", beschreibt Brand seine Erfahrungen aus seinen Fächern Mathematik und Physik. „Es kommt darauf an, dass Schüler lernen, sich etwas anzueignen."
Boppré ergänzt: „Im Englischunterricht ist Filmanalyse heute verpflichtender Bestandteil." Mediale Stilmittel würden den Schülern dabei bewusst gemacht. Auch dafür sei die neue Ausstattung ideal.
"Unterricht muss anders werden"
Kommentar von Marlen Grote
Gut, wenn Schulen mit der Zeit gehen. Eine moderne technische Ausrüstung ist wichtig. Aber der Medienwandel muss auch in den Inhalten des Unterrichts ankommen.
In einer Zeit, in der jeder überall mit wenigen Klicks auf das Wissen der ganzen Welt zugreifen kann, sind Faktenkenntnisse nicht mehr ausschlaggebend. Wichtiger ist, in der unbegrenzten Masse der Informationen den Durchblick zu behalten.
Nicht wer und was sind die zentralen Fragen, sondern wie und warum. Wo die richtigen Informationen zu finden sind, welche Quelle vertrauenswürdig ist und welche Informationen sie gar nicht brauchen, das müssen Schüler heute lernen. Und mit dem, was sie herausfinden, zu arbeiten: Welchen Nutzen hat diese Information? Wie hilft mir das weiter?
Ein Wörterbuch oder ein Taschenrechner ist während einer Klausur als Hilfsmittel erlaubt, bald muss es auch das Smartphone oder Tablet sein.
Denn erlerntes Wissen zu reproduzieren, entspricht nicht mehr den Anforderungen des realen Lebens. Komplexe Recherche-Aufgaben spiegeln eher den Alltag wider: Zeige, dass du eine passende Quelle findest und aus den Fakten die richtigen Schlüsse ziehst. Der Unterricht verändert sich schon, allerdings erweisen sich Lehrpläne oft als schwerfällig. Ohne einen Wandel des Unterrichtstoffes sind interaktive Boards, Smart-TVs und Tablets in der Schule nur praktische Spielerei.