Leopoldshöhe. Der Alltag eines Schulleiters hat es in sich: Es muss organisiert, koordiniert, unterrichtet und entschieden werden. Thomas Friebertshäuser, Leiter der Felix-Fechenbach-Gesamtschule (FFG) in Leopoldshöhe, weiß das aus eigener Erfahrung. Sein Tag beginnt meist zwischen 6.30 und 7.30 Uhr und startet mit E-Mails, Terminen und Elterngesprächen. Doch auch eigene Unterrichtseinheiten gehören zum festen Bestandteil seiner Woche – etwa eine Doppelstunde Physik. Dazu kommen Konferenzen, Vertretungsplanung und vieles mehr. Seit dem 1. August 2024 ist Friebertshäuser offiziell im Amt. Der Übergang in seine neue Position sei reibungslos verlaufen, erzählt der 48-Jährige. Sein Vorgänger Manfred Kurtz habe ihn intensiv auf die Aufgabe vorbereitet, was den Einstieg deutlich erleichtert habe. „Wir stehen auch heute noch regelmäßig in Kontakt“, berichtet Friebertshäuser. Bei Fragen oder wichtigen Anliegen könne er sich jederzeit an den ehemaligen Schulleiter wenden – und mache das auch. „Ich profitiere sehr von seinem Erfahrungsschatz und nutze diesen aktiv“, sagt Friebertshäuser, der für seinen Beruf nicht den klassischen Weg über das Lehramtsstudium eingeschlagen hat. Ursprünglich hatte er ein Ingenieurstudium abgeschlossen, doch über sein Engagement in einer Tanzschule fand er den Zugang zur Jugendarbeit und entdeckte seine Freude an der Arbeit mit jungen Menschen. Er absolvierte ein Praktikum im Bildungsbereich. Anfang der 2000er-Jahre wurden in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern gezielt Ingenieure für den Schuldienst angeworben, erzählt Friebertshäuser. Neben dem Referendariat belegte er Zusatzseminare in Pädagogik und Didaktik, mit denen er als Seiteneinsteiger ins Lehramt wechselte. Er unterrichtet die Fächer Mathematik, Technik, aber heute hauptsächlich Physik. „Weil in diesem Fach einfach die Lehrkräfte fehlen“, sagt der 48-Jährige. Der bundesweite Lehrkräftemangel ist auch an der FFG spürbar. Obwohl sich die Lage laut NRW-Schulministerin Dorothee Feller im vergangenen Jahr etwas entspannt habe – so konnten im Vergleich zu 2022 wieder mehr Lehrkräfte eingestellt werden. Trotzdem bleiben die Herausforderungen weiter bestehen, unter anderem durch steigende Schülerzahlen, den weiteren Ausbau des Ganztags sowie die Umsetzung der Inklusion. An der FFG werden mehrere pensionierte Lehrkräfte die Schule bald verlassen. „Das heißt nicht, dass diese Stellen direkt wieder nachbesetzt werden“, erklärt Friebertshäuser. Ähnlich problematisch sieht es bei den Anmeldezahlen aus. „Wir müssen jedes Jahr Schülerinnen und Schüler ablehnen“, berichtet der Schulleiter. Das sei einerseits ein positives Zeichen, denn eine Gesamtschule lebe von der Leistungsheterogenität ihrer Schülerschaft. Für das kommende Schuljahr wurden an der FFG 125 Kinder in den neuen fünften Jahrgang aufgenommen, rund 60 Absagen mussten erteilt werden. „Diese Absagen in Elterngesprächen mitzuteilen, ist für mich die schwierigste Aufgabe als Schulleiter“, sagt Friebertshäuser. Doch das sei auch die Qualität der FFG. „Wir halten an dem Grundprinzip der Drittelung der Leistungsstärken einer Gesamtschule fest“, betont er. Gesamtschule heiße, aus allen drei Leistungsbereichen gleichmäßig viele Schüler aufzunehmen. Der Ausbau der Digitalisierung sowie der verantwortungsvolle und nachhaltige Umgang mit digitalen Endgeräten sind zentrale Zukunftsaufgaben der FFG, erklärt Friebertshäuser. Smartphones und Tablets seien nicht nur Spielgeräte, sondern auch adäquate Werkzeuge, um im Unterricht das Lernen zu unterstützen. „Wir wollen die Schüler so vorbereiten, dass sie, wenn sie uns nach der Sekundarstufe 1 oder mit dem Abitur verlassen, im Bereich des digitalen Lernens möglichst optimal aufgestellt sind“, sagt der Schulleiter. Er selbst nutze das Handy gerne im Physikunterricht, etwa für Experimente, um Videosequenzen aufzunehmen oder ein Foto vom Versuchsaufbau zu machen. Wichtig seien jedoch klare Regelungen, die den missbräuchlichen Umgang mit den digitalen Geräten verhindern. Zwischen all den organisatorischen Aufgaben, dem Personalmanagement, Eltern-, Lehrer- und Schülergesprächen sowie eigenen Unterrichtseinheiten ist Friebertshäuser längst klar: Ohne ein effektives Zeitmanagement funktioniert die Arbeit nicht. Zudem nutzt er ein Angebot des Ministeriums, das speziell für neue Schulleiterinnen und Schulleiter in NRW bereitgestellt wird. Ein Coach unterstützt ihn dabei regelmäßig alle zwei bis vier Wochen im alltäglichen Handeln. Gebürtig stammt Friebertshäuser aus dem Rhein-Main-Gebiet, heute lebt er im lippischen Lemgo. Vor seiner jetzigen Funktion war er als Abteilungsleiter an der Regenbogen-Gesamtschule in Spenge tätig. Darüber hinaus sammelte er weitere Unterrichtserfahrungen an Schulen in Lemgo und Blomberg.