Detmold/ Bad Salzuflen. Kein Ermittler hatte die Drogen je gesehen, doch durch die entschlüsselten Chats (und Fotos) eines damals in Bad Salzuflen lebenden Dealers ließ sich eine große Menge rekonstruieren. Laut Anklage ging es im Jahr 2020 daher um den Verkauf von etwa 126 Kilo Cannabis und 1,6 Kilo Kokain. Weil der heute 29-jährige Angeklagte die meisten Vorwürfe am zweiten Prozesstag vollumfänglich einräumte, verurteilte ihn die Große Strafkammer wegen Cannabishandels in nicht geringer Menge (13 Fälle) und unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Angeklagter soll mehr als 300.000 Euro zurückzahlen Dazu sollen 303.100 Euro Wertersatz eingezogen werden, erklärt Landgerichtssprecher Dr. Wolfram Wormuth. Ursprünglich ging es sogar um eine Summe von 550.000 Euro, die der Angeklagte durch seine Drogengeschäfte umgesetzt haben soll. Bei zwei angeklagten Fällen erklärte der 29-Jährige allerdings, er habe zwar in den Chats von 50 und 35 Kilo geschrieben, so viel aber am Ende gar nicht besessen und somit auch nicht verkaufen können. Daher verringert sich die Summe im Vergleich zur Anklage. Da sich die Prozessbeteiligten zuvor in einem Rechtsgespräch auf einen Deal geeinigt hatten, stand der zu erwartende Strafrahmen zwischen dreieinhalb und vier Jahren schon fest. Die Staatsanwaltschaft Detmold orientierte sich mit ihrem Antrag am höchsten, die Verteidigung am niedrigsten Punkt. Die Kammer entschied sich für die Mitte. Ex-Dealer verkauft nun Gebrauchtwagen Laut Landgerichtssprecher soll der Angeklagte in seiner geständigen Einlassung angegeben haben, den Drogengeschäften schon lange den Rücken gekehrt zu haben. Mittels des durch den damaligen Verkauf gemachten Startkapitals habe der 29-Jährige einen Gebrauchtwagenhandel mit seinem Vater im Ausland aufmachen können. Dorthin wolle er auch gerne wieder zurück und den Betrieb weiterführen, wenn seine Haftstrafe verbüßt sei. Der Fall kam wie viele andere seiner Art durch die Encrochat-Enthüllungen 2020 ans Licht. Damals gelang es französischen Behörden, das verschlüsselte Kommunikationssystem vermeintlich abhörsicherer Handys zu knacken.