Blomberg. Sie wollten ein Zeichen setzen: Vor knapp zwei Jahren schmiedeten im Blomberger Becken Menschen ein Bündnis, um Haltung zu zeigen. „Wir wollen in einem Umfeld leben, in dem rechtsextreme und menschenfeindliche Ideologien keinen Platz haben“, sagten die Initiatoren im Sommer 2023, als sich der rechtsextreme Influencer Tim Kellner mit seinem Motorradclub in Tintrup niederlassen wollte. Auch wenn es um Kellner zumindest im Tintruper Vogtweg ruhiger geworden ist: In ihrem Einsatz für die Demokratie, für Toleranz, Respekt und Solidarität lassen sie nicht nach. Am Freitag, 18. Juli, starten sie eine Aktion auf dem Wochenmarkt, und die ist ebenso basisdemokratisch wie simpel: „Das wünsche ich mir von der Blomberger Politik:“ steht auf einem farbigen Zettel, und dann folgen leere Zeilen, die die Menschen gern füllen dürfen. Viel Gesprächsbedarf „Die Idee ist, dass wir die Wünsche und Anregungen sammeln und an die Politik weitergeben“, erläutert Henning Arnecke, Mann der ersten Stunde beim Blomberger Bündnis. „Den genauen Weg haben wir noch nicht festgelegt.“Was ist das Ziel? - „In den vergangenen zwei Jahren hat sich ja gezeigt, dass es immer wichtiger wird, sich für die Demokratie einzusetzen“, erklärt Conny Nass, die ebenfalls von Beginn an dabei ist. Das Blomberger Bündnis habe sich in den vergangenen Monaten schon einige Male - unter anderem mit dem Partnerverein Solawi Dalborn - auf dem Wochenmarkt an einem Stand präsentiert. „Und wir sind die ganze Zeit mit Leuten im Gespräch gewesen, der Bedarf ist offensichtlich da, darüber zu reden, wo der Schuh drückt.“ Das sei auch eine Chance, den Fokus auf das kommunalpolitische Geschehen zu richten, das in der gesellschaftlichen Diskussion oft zu kurz komme, etwas für die Menschen vor Ort zu erreichen. Sich als Gesprächspartner und ein Stück weit als Mittler anzubieten und damit auch an die Öffentlichkeit zu gehen, fällt den Initiatoren heute deutlich leichter als vor zwei Jahren. Kein Wunder: Immerhin sind mittlerweile 25 Partnervereine im Blomberger Bündnis zusammengeschlossen, dazu kommen noch mal etwa 45 Einzelpersonen. Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht Die Namen der Vereine sind auf der Homepage nachzulesen. Und jetzt erscheint dort ein Gruppenfoto: Etwa 60 Aktivisten des Bündnisses haben sich gemeinsam im Schweigegarten ablichten lassen. „Wir wollen Gesicht zeigen“, ist die Devise. Das hat mit der Erfahrung der vergangenen zwei Jahre zu tun: „Die Befürchtungen, die wir anfangs hatten, haben sich glücklicherweise so nicht bewahrheitet“, erzählt Conny Nass. Es habe durchaus verbale Versuche der Einschüchterung gegeben, einer der Aktiven sei konkret bedroht worden, nach dem Motto: „Ein schönes Fahrrad hast Du da vor Deiner Tür stehen“, um zu dokumentieren: „Wir wissen, wo Du wohnst.“ Der Ton hat sich verändert Nun war ja die Ansiedlung der sogenannten Männer-WG Tim Kellners der Anlass zur Gründung des Bündnisses gewesen, und damals war die Angst vor einer Spaltung des Dorfes groß. Wie nehmen die beiden das heute wahr? „Ich glaube, dieses Dorf ist so gespalten wie jedes andere. Egal, wo man hinkommt, es gibt immer Diskussionen“, schildert Conny Nass ihre Erfahrung. Um der Polarisierung entgegenzutreten, müsse man miteinander sprechen. „Dabei lernt man, andere Meinungen zu akzeptieren“ - auch wenn der Ton sich generell verändert habe. So nimmt das Petra Hölscher, die für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in der Steuerungsgruppe vertreten ist, es wahr: „Vieles, was sich manche früher nicht zu sagen trauten, ist heute salonfähiger geworden, aber ich glaube, dass die Mitte der Bevölkerung langsam aufwacht.“ Respektvoller Umgang mit Andersdenkenden Manche Themen würden heutzutage im gesellschaftlichen Umgang einfach ausgeklammert, ergänzt Henning Arnecke. „Ich würde mich freuen, wenn wir als Blomberger Bündnis dazu beitragen, einen guten Rahmen für Gespräche zu schaffen.“ So sieht es auch Conny Nass: „Es ist wichtig, ins Gespräch zu kommen und respektvoll miteinander umzugehen.“ Viel Freizeit und Kraft haben die Aktiven vom Blomberger Bündnis in den vergangenen zwei Jahren investiert, das ist manchmal anstrengend. „Aber bei mir überwiegt das Gefühl, wirklich etwas zu tun. Die Option, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen, gibt es nicht.“ Das bestätigt Henning Arnecke: Es habe etwas mit Selbstwirksamkeit zu tun, sich nicht ohnmächtig zu fühlen. „Und ich habe eine Menge gelernt: Zum ersten Mal eine Kundgebung angemeldet, zum ersten Mal vor dem Mikro eine Rede gehalten und Gespräche mit den Ordnungsbehörden geführt.“ Und am Ende sei es noch ein weiterer Punkt, der die Aktiven antreibt: „Der Mensch ist ein soziales Wesen, und gemeinsam etwas zu erreichen, macht Spaß.“