Blomberg. Das Gespräch mit dem Blomberger CDU-Bürgermeisterkandidaten Andreas Silge hat er sich im heimischen Garten gewünscht. Kein Wunder, da ist der Name Programm: Schließlich wohnt er im Bürgermeisterweg. Herr Silge, wie sind Sie in die Politik gekommen? Andreas Silge: Ich habe mich immer schon auch in Blomberg engagieren wollen, nachdem ich hierher gezogen bin. 2013 hat Ulrich Tappe, der sich schon damals für die CDU stark gemacht hat, zu mir gesagt: Du wärst jemand, der sich in der Politik engagieren könnte. Und die Leute, die mich kennen, wissen: Wenn ich irgendwas mache, dann mache ich es richtig. Zumindest keine halben Sachen. Das ist eine innere Einstellung. Zack, waren Sie 2016 Ratsmitglied. Aber warum das Interesse für Politik? Andreas Silge: Weil ich erstens durch meinen Job und zweitens durch meine Tätigkeit als IHK-Prüfer gemerkt habe, dass vieles auf politischem Wege geregelt wird. Wenn Du in Blomberg was mitgestalten möchtest, dann bleibt Dir eigentlich nur die Chance, in den Rat zu gehen und Dich politisch zu engagieren. Und warum die Christdemokraten? Andreas Silge: Das war eigentlich mehr Zufall als alles andere. Natürlich sehe ich meisten Schnittpunkte bei der CDU. Ich muss aber ehrlich gestehen, wenn die damalige SPD mich gefragt hätte, dann weiß ich nicht, ob ich nicht heute ein anderes Parteibuch hätte. Die demokratische Mitte ist heute so dicht beieinander, das merken wir ja immer im Rat. Da geht es nur um Nuancen. Mir fällt aus der jüngsten Wahlperiode nur eine einzige Kampfabstimmung im Rat ein: Die von der Verwaltung vorgeschlagene drastische Erhöhung der Friedhofsgebühren. Andreas Silge: Da haben wir klar nein gesagt. Wir haben uns damit sehr schwergetan, auch innerhalb der Fraktion. Der Fall ist ja auch noch nicht ausgestanden. Irgendwoher muss das Geld ja kommen. Andreas Silge: Im März gab es eine Veranstaltung mit der Verwaltung, wo es um die Umgestaltung des Friedhofs vor allem in Blomberg ging. Ich bin mal gespannt, ob das denn wirklich so aufgegriffen wird, wie es vorgestellt wurde - vielleicht kann ich das ja dann selbst auch steuern. Wir müssen auf der einen Seite sagen: Wir müssen auch andere Formen der Bestattung annehmen und neuzeitlicher werden. Das Alte, wie wir es vor 20 oder 30 Jahren gemacht haben, das funktioniert einfach nicht mehr. Sie haben eben gesagt, die politische Mitte ist sehr nah beieinander. Sie wussten, dass die AfD ins Rennen gehen wird. Warum hat die CDU nicht darauf verzichtet, einen eigenen Kandidaten aufzustellen? Andreas Silge: Wir sind durch die letzte Wahlperiode mit zehn Ratsmitgliedern gegangen. Wir haben vorher festgestellt: Wenn wir keinen eigenen Kandidaten stellen, müssen wir mit einem Verlust von acht bis zehn Prozent der Wählerstimmen rechnen. Wenn wir als CDU weiter Blomberg gestalten wollen, dann brauchen wir mindestens zwölf bis 13 Ratsmitglieder. Sie müssen damit rechnen, dass Mandate an die AfD fallen. Andreas Silge: Das ist das, womit wir mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse alle rechnen müssen. Da hat die SPD am meisten verloren und da schauen wir natürlich auch drauf. Wie sehen Sie persönlich die aktuelle Bundespolitik der CDU? Andreas Silge: Man darf nicht erwarten, dass man bei einer Wahl einen Politikwechsel wählt und innerhalb von sechs Monaten dreht sich die ganze Welt auf einmal. Das funktioniert nicht, auch nicht in Blomberg. Ich denke langfristig. Wenn ich mir heute was vorstelle, dann kann ich das vielleicht in zwei Jahren umsetzen. Damals, als ich in die Politik gegangen bin, habe ich als Erstes gesagt: Der Wohnmobilstellplatz in Blomberg ist absolut grottig. Sie meinen den hinter der Schießhalle? Andreas Silge: Genau, und wir haben damals beantragt, dass der modernisiert werden soll. Das stieß auf Zustimmung. Und dann hat die SPD den Antrag aufgenommen und Pläne mit ihrem Architekten vorgelegt. Mir wäre es damals egal, ob da steht „Andreas Silge hat das beantragt...“. Mir war es nur wichtig, dass Blomberg eine vernünftige Aussagekraft nach Außen bekommt. Und wenn man sich heute mal die Bewertungen im Netz anguckt, dann kriegt der Blomberger Platz fünf Sterne. In diesem Sinne würde ich gerne mehr tun. Ich glaube, das will der Amtsinhaber auch. Politik ist oft das Bohren dicker Bretter. Andreas Silge: Ja, aber wir haben die letzten Jahre hauptsächlich damit verbracht, Probleme zu lösen. Wir müssen aber mal von diesem Problemlösemanagement in eine zukunftsorientierte Version gehen. Das hat natürlich was mit den Finanzen zu tun. Andreas Silge: Na klar. Ich weiß, dass 95 Prozent des Haushaltes eigentlich fix sind. Bei jedem Prozess in der Industrie gibt es unrentable Beulen. Bei uns gehe ich mit meinen Mitarbeitern hin und versuche gemeinsam, eine Lösung zu finden, Prozesse zu verschlanken, zu vereinfachen, um damit vielleicht auch Kosten einzusparen. Und ich würde gern wegkommen von diesem Verwaltungsdeutsch. Was meinen Sie damit? Andreas Silge: Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir Dinge umschreiben, damit uns keiner an den Karren fahren kann. Die Fragen stellte LZ-Redakteurin Marianne Schwarzer Persönlich Andreas Silge ist 1965 in Ostercappeln geboren, hat ursprünglich Kunstschmiede- und Bauschlosser gelernt, und ist Industriemeister für Konstruktions- und Schiffsbau. Er ist in zweiter Ehe verheiratet, hat drei Kinder und fünf Enkelkinder und leitet bei einem Lemgoer Automobilzulieferer den Automationsbereich mit etwa 160 Mitarbeitern.