Blomberg. Erfrischend unprätentiös, sie wirkt in manchen Momenten etwas unbeholfen, geradezu unfertig. Ob das Teil ihres Programms oder vielleicht sogar Masche ist? Entzückend anders füllte Marie Diot den Comedy-Abend in der „Alten Meierei“ mit einer anderen Idee von Komik: Mit Musik wie in einem eleganten Chanson, aber mit mehr Spaß. Inhaltlich allerdings „unwahrscheinlich hitverdächtig“, ging es doch um Rahden oder Heizkörper. Die junge Frau mit der Turmfrisur, die kein Hut ist, spielte Klavier oder Mini-Keyboard, das sie als Orgel bezeichnete. Begleitet von einem Fabian, der allerdings einen zu langen Vornamen hat und daher nur „Fabi“ heißt. Marie Diot war im Programm mit Dagmar Schönleber und Info Börchers der Kontrapunkt. Viel weniger ging es um den Gag als solches; der oft einen anderen ablöst. Eine gelassene Präsenz - und eine Poesie, die genaues Hinhören provozierte. Heimspiel in Blomberg Eingeladen hatte erneut das Team um Andrea Plat. Die Kulturbeauftragte der Stadt lädt bekanntlich mindestens einmal im Jahr die beliebte Kabarretistin Dagmar Schönleber nach Blomberg ein, weil die dann mal ihre Heimat besuchen kann. Schönleber kommt aus der Nelkenstadt, lebt aber seit 20 Jahren im Rheinland. Und bei der Begrüßung dürfen sich die Stammgäste in der „Alten Meierei“ die Story meistens noch einmal anhören. Für Neulinge ist es - logisch - Neuland. Die Story geht auch immer gleich. Plat sagt auf der Bühne: „Ich konnte früher bei unseren Rollenspielen aus Hanni und Nanni nur die Französischlehrerin, Dagmar konnte immer alles“. Wenige Sekunden später kommt Dagmar Schönleber - immer von der linken Seite - auf die Bühne und stellt ihre Gitarre ab. Danach wird es allerdings immer etwas anders. An diesem Wochenende fragte Schönleber nämlich erst mal ins weite Rund von 170 Gästen: „Wer hat denn die längste Fahrt bis nach Blomberg hinter sich?“ Es meldeten sich zwei Frauen, die eine kommt aus Mainz, die andere aus Thüringen. Und Schönleber selbst erzählt en passant noch eine Anekdote, die es zu googeln lohnt. Es soll bundesweit eine abgefahrene Aktion geben, eine Art Flashmob. Schönleber war jüngst in Hannover selbst dabei, als mehrere Hundert junge Leute sich trafen, um Pudding mit der Gabel zu essen. Tja - was steckt hinter dem Social-Media-Trend? Der Ablauf ist nämlich immer der gleiche: Im Kreis auf den Boden setzen, Pudding rausholen, mit der Gabel draufklopfen und einen Countdown runterzählen. Kommt der Trend vielleicht nach Blomberg? Zurück zum Comedy-Abend: Wirklich abseits aller ausgetretenen Pfade musizierte also Marie Diot. Aber auch der aus Jöllenbeck - über Lemgo angereiste - Ingo Börchers überzeugte im karierten Anzug mit Einfällen zur Entwicklung der deutschen Sprache. Seine Tochter möchte übrigens Feuerwehrmannfrau werden; also einen Feuerwehrmann heiraten. Börchers gab zu bedenken, wenn denn schon überall gegendert werden solle, müsse man vielleicht auch Berufsbezeichnungen ändern: Ärztinnenhelferinnen. Fazit: Comedy kann Absurdität und Weltschmerz verbinden und achtet oft darauf, dass dabei der Spaß nicht zu kurz kommt.