Alte Ziegel bieten im Bio-Garten neuen Lebensraum

Alexandra Schaller

Alexandra Schaller

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Recycling mit Nutzwert: Eine Treppe aus alten Dachziegeln bietet Tieren Verstecke. - © Privat
Recycling mit Nutzwert: Eine Treppe aus alten Dachziegeln bietet Tieren Verstecke. (© Privat)

Detmold. Die Tage werden länger, die Sonnenstrahlen kräftiger. Jetzt beginnt sie wieder, die Gartensaison. Passend dazu hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Detmold (BUND) den Journalisten, Gärtner und Autor Wolfram Franke als Referenten gewonnen. Am Dienstag, 7. März, kommt er in die Volkshochschule Detmold, Krumme Straße 20, und spricht ab 19 Uhr zum biologischen Gärtnern. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt fünf Euro. Die LZ erreichte Franke vorab telefonisch.

Der Frühling steht vor der Tür. Spüren Sie schon das Kribbeln, jetzt, da die Gartensaison endlich wieder losgeht?

Wolfram Franke: (lacht) Ja, natürlich. Ich habe heute sogar schon im Garten gewerkelt und mich an erste Aufräumarbeiten gemacht.

Welche Arbeiten sind das denn, die man bereits angehen kann?

Franke: Ich schneide momentan das Staudenkraut ab. Dann kommt das Netz, das die Blätter über dem Teich abgefangen hat, weg. So finden Amphibien den Zugang zum Wasser. Zudem lichte ich Wild- und Ziergehölze. Später wird dann der Boden gelockert und der Kompost verteilt.

Ihr Vortrag steht unter dem Motto, „naturgemäß" oder „biologisch" zu gärtnern. Was heißt das genau?

Franke: Dazu gehört etwa die schonende Bodenpflege oder eine gute Kompostwirtschaft. Zudem sollten Sorten ausgesät werden, die sich im eigenen Garten und der Umgebung bewährt haben. Auch Recycling ist wichtig: Ich verwerte alte Dachpfannen, Paletten oder Kies. Auch Nisthilfen für Insekten und Vögel gehören in jeden naturnahen Garten. Was Gemüse angeht,vertraue ich auf Mischkultur.

Was ist mit Mischkultur gemeint?

Franke: Das meint etwa, dass Sorten, die viel Platz brauchen und lange wachsen, neben Sorten ausgesät werden, die man schnell ernten kann. Oder aber, dass sich Pflanzen gegenseitig Schutz vor Schädlingen oder Krankheiten bieten.

Und das funktioniert?

Franke: Ja – unter anderem bei Zwiebeln und Möhren, die sich gegenseitig schädliche Fliegen vom Leib halten.

Sie leben selbst in einem Reihenhaus mit kleinem Garten. Was entgegnen Sie Menschen, die meinen, man könne es dort sowieso nur bei Rasen belassen?

Franke: Prinzipiell geht alles – es kommt immer auf die Einteilung an. Mein Garten ist nur 115 Quadratmeter groß. Mit Trockenmauern und Erdaufschüttungen habe ich erhöhte Staudenbeete geschaffen. Die lassen den Garten größer erscheinen. Fußballspielen geht in einem Reihenhausgarten gar nicht. Da fiele der Ball immer wieder in Nachbars Garten. Als meine drei Söhne noch kleiner waren, habe ich einen Teich angelegt. Sie haben stundenlang auf dem Steg gesessen und Libellenlarven, Kröten und Molche im Wasser beobachtet. Das war so spannend, dass sie gar keine Lust auf Fußball bekamen.

Stichwort Gemüseanbau. Welche Arten sind für Anfänger geeignet?

Franke: Am besten startet man mit Salat, Radieschen oder Möhren. Generell ist aber keine Gemüsesorte schwer zu ziehen. Bei Tomaten oder Kohl sollte man als Anfänger nur eventuell mit vorgezogenen Pflanzen starten.

Und dann kommen die Schnecken und tun sich an meinem frisch gezogenen Salat gütlich...

Franke: Auch hierfür gibt es eine Lösung – und zwar sanfte Abwehrmethoden ohne Schneckenkorn & Co. Wer Igel oder Laufkäfer im Garten hat, wird Schnecken auf natürlichem Weg los. Oder aber man trägt die schleimigen Tiere einfach weg.

Kommen die Schnecken denn nicht wieder zurück?

Franke: Eine englische Studie hat gezeigt, dass es die Mehrheit tatsächlich nicht tut, wenn sie weiter als 20 Meter vom Garten entfernt ausgesetzt werden. Alternativ könnte man aber natürlich auch einen kleinen, gebogenen Zaun ziehen.

Und wie sieht es mit anderen Schädlingen aus?

Franke: Ich persönlich habe damit glücklicherweise nur wenig Probleme. Tatsächlich sind Blattläuse meine Lieblingsschädlinge, da sich Marienkäfer von ihnen ernähren. Schwieriger wird es bei Wühlmäusen, die eine echte Plage werden können. Da könnte man versuchen, Greifvögel anzulocken, was allerdings auch nur bei einer größeren Freifläche funktionieren kann.

Und wenn ich die Blattlaus doch loswerden möchte?

Franke: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Tiere nie lange bleiben. Und wenn doch, hilft es bereits, sie mit dem bloßen Finger abzustreifen oder sie mit einem Wasserschlauch abzuspritzen.

Zurück zum Ziergarten. Sind Rosen wirklich so empfindlich, wie oftmals angenommen wird?

Franke: Auf keinen Fall. Vor allem Wildrosen, wie etwa die Apothekerrose, sind nicht nur schön, sondern auch robust. Bei den Kulturrosen kommt es immer auf die Sorte an – da sollte man sich am besten vom Experten beraten lassen oder sich vorab einlesen. Generell gilt immer, einen luftigen, aber geschützten Standort zu wählen und nicht eine Hitze abstrahlende Südwand eines Hauses.

Sie bezeichnen sich als Gartenschreiber. Sind Sie denn nun mehr der Journalist oder mehr der Gärtner?

Franke: Eigentlich vereine ich beide Berufe. Jetzt, da ich Rentner bin, verbringe ich mehr Zeit im Garten. Beim Unkraut jäten kann man optimal die Gedanken kreisen lassen. Ein Notizbuch habe ich aber immer dabei – und wenn ich dann am Schreibtisch sitze, bin ich wieder voller Elan an meinem nächsten Artikel.

Information

Persönlich


Wolfram Franke wurde 1949 in Bad Saarow (Mark Brandenburg) geboren. Er ist verheiratet, hat drei Söhne und drei Enkelkinder und lebt in Vaterstetten. 1967 macht er in Siegen eine Gärtnerlehre, später arbeitet er unter anderem als Friedhofsgärtner. 1973 absolviert er ein Fernstudium am „Institut zur Förderung des Schriftstellernachwuchses" in Hamburg. Zwischen 1981 und 1989 ist Franke Redakteur bei „Mein schöner Garten". 

Im Anschluss ist er bis 2009 Chefredakteur von „kraut&rüben – Magazin für Biologisches Gärtnern und naturgemäßes Leben". Bis August 2016 gibt er die Zeitschrift heraus – aktuell arbeitet Franke als freiberuflicher Journalist. 
www.gartenschreiber.de

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