Grenzerfahrungen einer Familie: Detmolderin schreibt Buch über ihre letzten Monate in der DDR

Nadine Uphoff

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Autorin Sabine Penckwitt liest aus ihrem Buch „Was du tust, das tue bald". - © Nadine Uphoff
Autorin Sabine Penckwitt liest aus ihrem Buch „Was du tust, das tue bald". (© Nadine Uphoff)

Detmold. Sabine Penckwitt ist in Halle an der Saale aufgewachsen. Bis zu ihrem 39. Lebensjahr lebte die gelernte Radiologie-Assistentin in der DDR. Von ihren letzten Monaten dort handelt ihr neues Buch „Was du tust, das tue bald". 

Seit 30 Jahren lebt Penckwitt nun schon in Detmold. Sie erinnert sich aber noch gut an die Zeit in der DDR. Im Sommer dieses Jahres kam ihr die Idee, ihre Familiengeschichte anlässlich des runden Geburtstages „30 Jahre Mauerfall" zu schreiben. Ursprünglich sollte das Ergebnis privat bleiben, aber dann entschloss sich die 69-Jährige doch dazu, ihr Werk nach umfangreicher Recherche zu veröffentlichen.

Die Geschichte einer Flucht

Die Geschichte beginnt im Mai 1989, als Sabine Penckwitt und ihr Sohn beschlossen, aus der DDR fliehen zu wollen. Verschiedene Versuche scheiterten. Doch ihrem Sohn gelang es im Sommer über Ungarn nach Österreich zu kommen. „Wir hofften damals, auf ein Wiedersehen in Prag, weil man zu diesem Zeitpunkt als DDR-Bürger kein Visum für die Tschechoslowakei brauchte", erinnert sich die Autorin.

Doch ein neues Reisegesetz durchkreuzte die Pläne. Als Penckwitt am Abend des 5. Novembers erfuhr, dass die Grenze zur Tschechoslowakei wieder geöffnet wurde, beschloss sie auszureisen. Auch wenn der Titel des Kapitels „Time to say goodbye" anderes vermuten lässt, Zeit für Abschiede gab es nicht. „Ich hab das Nötigste in zwei Taschen gepackt und mich in den Zug nach Prag gesetzt", erzählt sie. Für die Überschriften hat die Autorin immer Zitate oder Sprichwörter gewählt.

"Wir wurden DDRler genannt"

Mehr als 1000 Menschen seien an diesem Tag in Prag angekommen, darunter zahlreiche Kleinkriminelle. Später ging es mit einem Sonderzug weiter über Bayern nach Gifhorn. In einer Bundeswehrkaserne kam Penckwitt schließlich mit den anderen ein paar Tage vor dem Mauerfall an. Aus der Tagesschau erfuhren sie die Sensation. Die Mutter machte sich auf zu ihrem Sohn nach München. Doch sie blieben nicht lange dort wohnen: „Wir wurden immer nur die DDRler genannt", sagt Penckwitt.

Lesung am 24. November

Zusätzlich zu ihrer Familiengeschichte hat Penckwitt stellvertretend die Schicksale von drei Ost-Flüchtlingen beschrieben, die alle beim Versuch ums Leben kamen. Auf ihrer Internetseite www.sabinepenckwitt.de möchte sie zur Diskussion über 30 Jahre Mauerfall einladen.

Am Sonntag, 24. November, liest Sabine Penckwitt aus ihrem aktuellen Buch ab 10.30 Uhr im Bergheim, Ostertalstraße 5 in Detmold. Der Eintritt ist frei.

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