69-Jährige muss aufs Revier: Video von Polizeieinsatz verbreitet sich im Internet

Silke Buhrmester

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- © Archivfoto: Sven Koch
Schloßplatz (© Archivfoto: Sven Koch)

Detmold. Ein Video, das die Verhaftung einer Seniorin am Rande des Detmolder Marktplatzes zeigt, kursiert derzeit im Internet. Zu sehen ist auf dem mehr als sieben Minuten langen Film, der der Redaktion vorliegt, wie Beamte die ältere Frau nach einem längeren Gespräch in Handschellen zum Streifenwagen führen, der auf dem Schloßplatz parkt.

Nach Angaben der Polizeipressestelle waren die Polizisten und das Ordnungsamt am Sonntagnachmittag in den Schlosspark gerufen worden, weil sich dort rund 20 Leute versammelt hatten, die nach Zeugenaussagen gegen die Coronaschutzverordnung verstießen.

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Videos von Einsätzen

Das Video vom im Polizeibericht  beschriebenen Einsatz kursiert derzeit in diversen Gruppen in den sozialen Netzwerken. Grundsätzlich ist das Filmen solcher Situationen erlaubt, bestätigt Polizeisprecher Lars Ridderbusch. Jedoch dürfen Aufnahmen nur ohne Ton gemacht und anschließend nicht veröffentlicht werden. Da dies in diesem Fall beides geschehen ist, prüfe die Polizei derzeit, ob hier Anzeige erstattet wird.




Nahe des Durchgangs zum Marktplatz trafen die Einsatzkräfte dann laut Polizeibericht auf eine Personengruppe, die den Mindestabstand unterschritt. Außerdem habe keiner eine Maske getragen. Als die Menschen den Streifenwagen erblickten, hätten sie sich in verschiedene Richtungen entfernt. „Doch damit war der Einsatz noch lange nicht beendet", schreibt die Polizei in ihrem Pressebericht.

Eine 69-jährige Frau und ein 72-jähriger Mann seien von einem Polizisten angehalten und aufgefordert worden, sich aufgrund des Verdachts eines Verstoßes gegen die Coronaschutzverordnung auszuweisen. Während der Mann sich nach einiger Diskussion auswies, habe sich die Frau unkooperativ verhalten und versucht, die Kontrolle lautstark gegenüber Passanten als Willkür darzustellen. Eine Frau begann zu filmen und verschickte das Video später über Messengerdienste.

Polizistinnen fordern die Frau auf dem Video mehrfach auf, den Einsatz nicht zu filmen. Diese ließ sich aber nicht davon abbringen und ruft immer wieder, sie habe ein Recht darauf, Video und Bildmaterial „zum Beweis" anzufertigen. Weiter ist zu sehen, wie die Seniorin mit den Beamten diskutiert, der Wortlaut ist nicht zu hören. Sie habe zunächst falsche Personalien angegeben und den Anfangsverdacht einer Ordnungswidrigkeit augenscheinlich nicht ernst genommen, schreibt die Pressestelle.

Auch bei der Durchsuchung ihrer Person und ihrer Handtasche, die auf Video zu sehen ist, seien keine Ausweispapiere gefunden worden. Nachdem sie sich weiterhin geweigert habe, sich auszuweisen, hätten die Beamten – insgesamt fünf sind in dem Video zu sehen – sie zum Polizeiwagen geführt.

Begleitet wird der Weg durch die Unterführung in Richtung Schloßplatz von lauten Unmutsäußerungen von Passanten, die auf dem Video zu hören sind. Sie echauffieren sich über den Umgang mit der alten Dame, und fragen, warum sie in Handschellen abgeführt werde. Zudem hört man eine Frauenstimme, mutmaßlich die Filmende, in provozierendem Ton auf einen jüngeren Polizeibeamten einreden, der sich aber nicht aus der Reserve locken lässt, sondern ruhig bleibt.

Auf der Polizeiwache habe die Frau ihre Identität schließlich preisgegeben, ein Angehöriger habe danach ein Ausweispapier vorbeigebracht, das ihre Angaben bestätigt habe. Daraufhin sei sie aus dem Gewahrsam entlassen worden.

Die Polizei werde nun Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen Verstoßes gegen die Coronaschutzverordnung anfertigen und gegen die Frau eine Anzeige wegen der Angabe von falschen Personalien schreiben, heißt es abschließend.

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