<div>Detmold. Im Alter von 102 Jahren ist der italienische Widerstandskämpfer und NS-Zeitzeuge Vittore Bocchetta verstorben. Die persönliche Biografie Bocchettas und die damit verbundene Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit über die deutsch-italienische Geschichte im Zweiten Weltkrieg bildeten die Grundlage für die im Mai 2006 gegründete Städtefreundschaft Detmolds mit der oberitalienischen Stadt Verona.</div><div><br /></div><div>Der 1918 auf Sardinien geborene Vittore Bocchetta lebte seit 1932 in Verona und schloss sich 1943 der Widerstandsgruppe „Tommasi" an. Im Juli 1944 wurde Bocchetta verhaftet und ins Konzentrationslager Flossenbürg-Hersbruck verschleppt. Er überlebte das KZ, konnte während eines Todesmarsches fliehen und wurde durch die Aufnahme in ein Lager für britische Kriegsgefangene durch amerikanische Alliierte im Mai 1945 befreit. </div><div><br /></div><div>Nach Kriegsende verließ er Italien und lebte mehrere Jahrzehnte lang in Südamerika und den USA. Als Maler und Bildhauer verarbeitete er seine Kriegstraumata, kehrte 1992 nach Verona zurück und engagierte sich seitdem als Zeitzeuge mit seinen Erlebnissen im Veroneser Widerstand und der Deportation nach Deutschland. Viele Detmolder lernten Vittore Bocchetta und seine bewegende Geschichte bei persönlichen Begegnungen in Detmold und Verona kennen.</div><h2>Ausstellung seiner Zeichnungen wird in Erinnerung bleiben</h2> <div>Auch ein besonderes europäisches Projekt aus dem Jahre 2012 wird allen Beteiligten in Erinnerung bleiben: die Ausstellung von Zeichnungen Vittore Bocchettas aus dem KZ Hersbruck in „La Coupole", dem Zentrum für Erinnerung und Geschichte bei Saint-Omer, der französischen Partnerstadt von Detmold. Auch finden sich zwei seiner Skulpturen in Detmold: In der Eingangshalle der Lippischen Landesbibliothek ist die Statuette „Lady Seduta" ausgestellt, und in der Stadtbibliothek steht die Miniatur eines Mahnmals mit dem Titel „Ohne Namen", das im Original vor dem ehemaligen KZ-Gelände in Hersbruck steht.</div>