Detmold-Berlebeck. Jede Maschine entsteht aus einer Idee. Ein „Ideenspezialist“ ist Ralf Neuschl. Der Detmolder Unternehmer hat sich auf die Entwicklung von Sondermaschinen spezialisiert. In Berlebeck nutzt er seine technischen, analytischen und kreativen Fähigkeiten, um ein Produkt zu konzipieren, das es in der Regel nur einmal geben wird. Ralf Neuschl, seit 2007 ein Beute-Lipper, baut die Maschinen am Ende allerdings nicht selbst. „Es gibt genug Maschinenbauer am Markt, die meine Pläne umsetzen können. Deshalb habe ich mich ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit bereits entschieden, die Produktion anderen zu überlassen“, sagt er. Die relevanten Maschinenbauer nimmt er oft genug gleich mit zum Kunden, damit das Problem, das es zu lösen gilt, von allen Seiten beleuchtet werden kann. Geld wird in der Branche also über den Faktor „Probleme lösen“ verdient.Mit Verpackungen kennt er sich aus „Einer meiner jüngsten Aufträge drehte sich um eine spezielle Verpackung für E-Bike-Motoren. Es gibt einen lippischen Reparaturservice, der im Jahr rund 30.000 Motoren repariert, die allerdings beim Transport sehr störanfällig waren. Die Achsen des kleinen Motors schlugen beim Transport immer wieder durch die Luftpolsterfolie in den Karton und zerstörten diesen. Mein Kunde wollte eine Lösung, bei der die unterschiedlich großen Motoren unbeschadet am Ziel ankommen und die Verpackung im Sinne des Recycling aus nur einem Material besteht“, erklärt Ralf Neuschl eine typische Ausgangslage für sein Business. Am Ende stellte ein Karton mit zwei ausgestanzten Formstücken die Lösung dar. Der rund drei Kilogramm schwere Motor steckte fest im Karton und konnte beim Transport auf der Palette nicht mehr entweichen. Die Verpackung wiederum fand ihren „Platz in der Nachhaltigkeitsdebatte“, weil sie keine Kunststoffe mehr enthielt. „Mein Job war es, eine Verpackung zu entwickeln, die diese Motoren beim Transport schützt und mehrfach verwendet werden kann. Und das alles aufgrund der überschaubaren Stückzahl noch in einem Finanzrahmen, der sich lohnt“, erklärt Ralf Neuschl. Corona erschwert den Job Angesprochen auf die Rahmenbedingungen im Sondermaschinenbau kann der Berlebecker auf zwei Ausbildungen – Maschinenbauer und Elektrotechniker – sowie die Vielzahl seiner Erfahrungen zurückblicken. Nicht zuletzt deshalb funktioniere die Nische der Sondermaschinen in der Regel über Mund-zu-Mund-Propaganda, also Empfehlungsmarketing. „Der eine Kunde gibt den Namen eines guten Produktentwicklers weiter an den nächsten“, stellt der „Erfinder“ aus Berlebeck fest. Trotzdem besucht er regelmäßig Messen, hält sich in Hannover oder bei einer speziellen Verpackungsmesse in Nürnberg auf dem Laufenden – wenn es denn möglich ist. Denn die Corona-Krise habe aufgrund der fehlenden Firmenbesuche auch seiner Branche geschadet. „In normalen Jahren fahre ich rund 60.000 Kilometer durch das Land, während der Pandemie waren es kaum 15.000 Kilometer“, sagt er rückblickend. Kreativ war der Detmolder trotz der Coronavirus-Krise. Seine neueste Idee: Es dreht sich alles um das Thema Trockeneis-Reinigung – eine Reinigung ohne scharfe Chemikalien, sondern mit niedrigen Temperaturen – und deren Maschinenentwicklung. Überlegungen einer Firmengründung stehen kurz vor dem Finale, einen möglichen Standort für einen Firmensitz hat Neuschl längst ins Auge gefasst: „Derzeit sieht es nach einer Halle in Lage-Heiden aus.“