Detmold. Die blauen Fensterläden sind ein echter Hingucker. Wer schon einmal am Haus von Ebba Wedegärtner vorbei gekommen ist, der erinnert sich daran. Nicht nur weil das denkmalgeschützte Gebäude aus den 1950ern ins Auge fällt, sondern auch weil es so viel Gemütlichkeit ausstrahlt. Das ist drei Sechstklässlerinnen des Leopoldinums, die im Rahmen eines nicht alltäglichen Projektes bei der Eigentümerin zu Gast waren, besonders aufgefallen. „Es gibt so viele schöne Sachen und Einzelheiten in dem Haus – die Fensterläden, eine ziegelrote Terrasse mit blauem Geländer, eine Fotowand... Offen gesagt, man fühlt sich sofort wohl", berichten Miriam Schulz, Irma Freitag und Hannah Wienke nach ihrem Besuch vor Ort. Sie gehören zu einem Neigungskurs, der sich in diesem Halbjahr unter der Überschrift „Geheimnisse hinter den Mauern Detmolds" mit besonderen Gebäuden in der eigenen Stadt beschäftigt hat. Dieser läuft im Rahmen des Regionale-Projektes „Smart, 3D und historisch", bei dem ein digitales Abbild der Innenstadt entstehen und Gebäude mit Informationen hinterlegt werden sollen (die LZ berichtet). Die Schüler forschen in ihrem direkten Umfeld „Es ist wichtig, dass Kinder ihre Stadt kennen lernen und sich fragen, was Detmold ausmacht und warum es schön ist", findet Catrin Will vom städtischen Denkmalamt, die das Projekt zusammen mit Lehrer Karsten Bleumer betreut. „Die Schüler forschen und recherchieren in ihrem direkten Umfeld und erforschen gleichzeitig, was ein digitaler Zwilling leisten kann", ergänzt der Pädagoge mit Blick auf das Regionale-Projekt. In kleinen Gruppen erstellten die Schüler zum Beispiel eine digitale Rallye zur Falkenburg, die man auf dem Handy machen kann, gestalteten in einer Smart-Phone-App Entwürfe für die Umgestaltung des Schloßplatzes oder machten einen Film über Häuser des Architekten Gustav Meßmann in Hiddesen. Ein weiteres Recherche-Objekt war das Siedlungshaus von Ebba Wedegärtner. „Mein Großvater, Heinrich Wedegärtner, hat es geplant", sagt die Eigentümerin. Das war im Jahr 1953. Später wuchs sie zusammen mit ihren zwei Geschwistern darin auf, bevor sie Detmold für eine Zeitlang verließ und schließlich doch wieder in das kleine gemütliche Haus mit den Fensterläden zurückzukehren. „Das Besondere daran ist, dass so wenig verändert wurde. Und das seit gut zwei Generationen", sagt Denkmalschützerin Catrin Will. Innen sei es modernisiert worden, von außen sei nahezu alles noch Original. Ein Dacheinschnitt mit Freisitz ist für die Bauzeit ungewöhnlich Das Siedlungshaus sei für eine fünfköpfige Familie geplant. Die Zimmer seien klein und kompakt, aber dennoch sehr individuell gehalten und mit viel Liebe zum Details hergerichtet. Außerdem gibt es nach hinten raus bereits eine Loggia, also einen Dacheinschnitt mit Freisitz – „für diese Zeit völlig außergewöhnlich", sagt die Fachfrau. Den Schülerinnen sind noch weitere Merkmale aufgefallen: Der große Garten und die kleine Terrasse, die Fenstergitter, die feste Treppe zum Dachboden, ein kompakter Eckschrank in der Küche, fast schon antike Lichtschalter zum Drehen und einiges mehr. All das haben sie bei ihrem Besuch vor Ort auf Fotos festgehalten, um die Merkmale des Hauses für das Projekt zu dokumentieren. „Ich habe mir gedacht, dass es die Mädchen interessiert, das Haus auch einmal von innen zu sehen", sagt Ebba Wedegärtner auf die Frage, warum sie die Schülerinnen zu sich eingeladen hat. „Es ist wichtig, dass sie Interessen entwickeln und sehen, was dahinter steckt." Denkmal Das Wohnhaus von Ebba Wedegärtner wurde 1953/54 erbaut und steht seit 2015 unter Denkmalschutz. Es ist Bestandteil eines Siedlungsgebietes aus Einfamilienhäusern und bildet den Abschluss einer Reihe, die aus sechs schräg gestellten, ähnlichen Gebäuden besteht. Nach Angaben des Denkmalamtes belegt es die Stadtbaugeschichte und die Entwicklung bürgerlicher Wohnkultur in Detmold. Die Wohnvorstellungen der Erbauerfamilie würden authentisch veranschaulicht. (jab)