Detmold. Zwei rot-weiße Absperrbaken flackern in der Sonne, ein roter Laster steht, wartend auf seinen nächsten Einsatz, auf der dahinter liegenden Schotterpiste. Ein Stück weiter liegt auch ein leerer Kundenparkplatz. Denn bis auf die Bauarbeiten zwischen Nordring und der Kreuzung Georgstraße/Sylbeckestraße tut sich derzeit nur wenig auf der Lemgoer Straße. Seit rund drei Wochen läuft auf diesem Abschnitt nun der Umbau der Hauptverkehrsstraße. Für Anlieger entlang der Strecke ist die derzeitige Situation nicht nur optisch ein Problem. Lesen Sie auch: Das sind die Pläne für die „neue“ Lemgoer Straße in Detmold Das sagen die Anlieger zum Umbau der Lemgoer Straße in Detmold Anwohner der Siegfriedstraße in Detmold fürchten Verkehrschaos wegen neuer Baustelle FDP sieht Ausbau der Lemgoer Straße in Detmold skeptisch In zwei Bauabschnitten wird die Lemgoer Straße grundlegend erneuert, vom Kanalnetz über die Versorgungsleitungen bis hin zur Straßenoberfläche. Die Stadt Detmold hat damit eines ihrer größten Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahre gestartet. Die Bauzeit, nur für den ersten Abschnitt, wird sich voraussichtlich über eineinhalb Jahre erstrecken. Währenddessen müssen sich Anwohner und Verkehrsteilnehmer auf mitunter erhebliche Einschränkungen einstellen. Besonders hart trifft es die wenigen Gewerbetreibenden, deren Geschäfte direkt an der Straße liegen. Etwa Karsten Steinmeier, der an der Lemgoer Straße das Küchenstudio „Konzept Küchen“ betreibt. Er sagt über die Baustelle vor der Tür: „Ich mag sie nicht.“ „Der Lkw bleibt wohl einfach auf der Straße stehen“ Seit dem Start der Arbeiten verzeichnet Steinmeier einen deutlich erkennbaren Kundenschwund. „Die Baustelle ist ein echter Auftragsverhinderer. Dass an einem Tag zwei Mal die Tür aufgeht, ist seitdem eine Seltenheit.“ Die meterlange Schaufenster-Fassade sei seit jeher die Visitenkarte seines Geschäfts. Steinmeier setzt darauf, dass Leute, die an seinem Laden vorbeigehen oder -fahren, durch den Blick ins Fenster auf das Angebot aufmerksam werden und daraufhin in den Laden kommen, um sich beraten zu lassen. Das sei nun schwieriger, da wegen der Baustelle deutlich weniger Publikumsverkehr auf der Lemgoer Straße herrscht. Dabei hat Steinmeier nicht zum ersten Mal eine Baustelle vor der Tür. „Ich hatte auch mal ein Küchenstudio in Spork-Eichholz. Da wurde auch mal eine Straße gesperrt - ich weiß also, wie das ist.“ Kritisch wird es laut dem Inhaber, wenn ihm erstmals seit Beginn der Bauarbeiten Küchenmöbel mit dem Lkw geliefert werden. „Die ersten zwei Wochen hatten wir keine Lieferungen, heute kommt der erste Lkw“, sagt Steinmeier am Mittwoch. Auf den Hof zu fahren, dürfte für den Lieferanten wegen all den Absperrungen schwierig werden. „Der Lkw bleibt wohl einfach auf der Straße stehen, was soll ich machen?“, fragt er. Was die Modernisierung der Lemgoer Straße als solches betrifft, blickt der Küchenhändler mit gemischten Gefühlen auf das Projekt: „Vielleicht müssen die Wasserrohre im Boden wirklich mal saniert werden, aber die Umgestaltung mit zweieinhalb Meter breiten Fahrradwegen ist nicht mein Fall.“ So viele Radfahrer seien auf der Strecke doch gar nicht unterwegs. Viele Kunden bleiben fern Auch an der schräg gegenüberliegenden Tankstelle sind die Auswirkungen der Bauarbeiten deutlich spürbar. „Das ist auf jeden Fall störend, auch für die Kunden“, sagt Mitarbeiterin Lena. Sie und ihre Kollegen spüren deutlich, dass weniger Menschen zum Tanken oder Einkaufen vorbeikommen, wie zuvor. „Wir haben noch keine offiziellen Zahlen, aber es sind auf jeden Fall weniger geworden. Gerade um die Mittagszeit war der Hof sonst immer voll.“ Stammkunden, die es selbstredend auch an Tankstellen gibt, kämen zwar noch zum Kaffeetrinken, Brötchenholen oder eben Tanken vorbei, viele scheuten inzwischen aber auch den Weg und würden ihren Erledigungen anderswo nachgehen. An den Öffnungszeiten oder anderen Stellschrauben habe die Tankstelle jedoch nicht gedreht. Man sei wie gewohnt für seine Kunden da. Nach Angaben der Stadt Detmold nutzten vor dem Umbau bis zu 14.000 Fahrzeuge täglich die Lemgoer Straße. In einer Pressemitteilung verwies die Stadtverwaltung jüngst noch einmal darauf, dass die Maßnahme langfristig allen zugutekommen werde. Der Straßenraum werde moderner, grüner, sicherer. Dafür müssten nun jedoch zunächst Umwege und Einschränkungen in Kauf genommen werden. Insgesamt 6,7 Millionen Euro werden in das Projekt investiert. Im zweiten Bauabschnitt sollen zwei neue Kreisverkehre entstehen, neue Bäume gepflanzt und Parkflächen neu organisiert werden. Bis es so weit ist, vergehen Monate. Für viele Geschäftsleute wird diese Zeit zur Bewährungsprobe.