Detmold. „Der Wettergott muss ein Schütze sein“, da ist sich Bürgermeister Frank Hilker am Sonntagmittag ganz sicher gewesen. Kaum anders hätte es sich erklären lassen, dass der kräftige Regen pünktlich zum Festumzug und zur vorherigen Inthronisierung des neuen Königs der Detmolder Schützengesellschaft nachließ und ab und zu sogar die Sonne hinter den Wolken hervorschaute. Nach einem umfangreichen Festprogramm zum 425-jährigen Vereinsjubiläum ist das Schützenfest am Sonntag im wahrsten Sinne des Wortes gekrönt worden. Der Baustelle auf dem Schloßplatz trotzend unternahm der scheidende Kaiser, Heinz Holey, mit seiner Königin Manuela Pohl einen letzten Grußmarsch entlang der angetretenen Schützen und fand sich dann auf der Rathaustreppe ein. Bürgermeister Frank Hilker wagte einen kurzen Rückblick in das Jahr der Vereinsgründung, besser gesagt auf den 16. Juli 1600, dem Gründungsdatum der Detmolder Schützengesellschaft. „Es war eine Zeit wirtschaftlicher Umbrüche und politischer Spannungen, die Zeiten waren unsicher – zumindest das hat sich in den 425 Jahren nicht verändert“, sagte er. Neuer König erhält seine Kette Trotzdem hätten die Detmolder schon damals ihren Bürgersinn und ihren Sinn für Gemeinschaft gezeigt und sich gemeinsam organisiert. Zwar hätten die Schützen heute nicht mehr die Aufgabe, die Stadtmauern zu verteidigen, dennoch aber die Gemeinschaft in der Stadt zu stärken und eine gewisse Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt hervorzurufen. Auch die besondere Verbindung der Schützengesellschaft zur Prinzenfamilie bestehe damals wie heute, wie sich am Freitag eindrucksvoll gezeigt habe. Lesen Sie auch: Mit Fahne, Stolz und Schießstand: Ein Blick auf 425 Jahre Detmolder Schützengeschichte Inzwischen geübt, verlieh Hilker auf der Rathaustreppe, unter der Augen der zahlreichen Gastvereine, die Jungschützenkette an Thies Hendsiek, der als seine Jungschützenkönigin Tabea Hoffmann gewählt hatte. Die Damen-Bestenkette ging an Ute Schmidt. Es folgte die Verleihung der Königskette an Hans-Jürgen Ahlgrimm und seine Königin Jutta Raeth. Den Hofstaat des neuen Königspaares bilden: Elke mit Horst Pohl und Samira Brinkmann mit Luca-Alan Pohl. Matthias Nebcke ist neuer Adjutant. Sichtlich erfreut richtete der neue König seine ersten Worte an die Festgesellschaft: „Mein Motto lautet „Wetter ist schön. Lasst uns feiern!““. Mit den Gästen der Schützengesellschaften aus Belle, Wehren, Horn, Schwalenberg, Meiersfeld, Augustdorf, Horn und Blomberg zog das Königspaar dann nach einem Vorbeimarsch im Schlosspark im großen Festumzug zum Schützenhaus. Zapfenstreich erstmals im Schlosshof Begonnen hatten die Feierlichkeiten bereits am Freitag mit einem Zapfenstreich, und zwar nicht wie gewohnt auf dem Marktplatz, sondern im Schlosshof. Dieses Privileg, den Zapfenstreich im Schloss abhalten zu können, wurde bis dato noch keinem Schützenkönig zuteil. Mit dem scheidenden Kaiser und Oberst Heinz Holey schrieb die Schützengesellschaft an diesem Abend Geschichte. Denn zu seinen Ehren und als Abschluss seiner dreijährigen Regentschaft hatte ihn der befreundete Stephan Prinz zur Lippe für dieses ohnehin immer besondere Ereignis in den Schlosshof eingeladen. Es war ein emotionaler Moment für Holey, der sich im Anschluss bei allen Beteiligten herzlich dafür bedankte. Auch die Bürger wollten sich diesen Zapfenstreich nicht entgehen lassen und kamen zahlreich zum Schloss. Im Anschluss feierten die Schützen und ihre Gäste wieder in ihrem Festzelt, das seit dem vergangenen Schützenfest nicht mehr an der Ameide, sondern am Schützenhaus stand. Dass Heinz Holey als Kaiser drei statt der gewöhnlichen zwei Jahre regierte, lag am 425-jährigen Jubiläum, das der Verein unbedingt mit einem Schützenfest feiern wollte – dementsprechend wurde ein Jahr ausgesetzt. Diesen Modus scheinen die Schützen nun aber beibehalten zu wollen, wurde der neue König Hans-Jürgen Ahlgrimm doch bis zum Jahr 2028 in sein Amt berufen.