Detmold. Seitdem die LZ über den neuen Namensvorschlag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) für das LWL-Freilichtmuseum Detmold berichtet hat, geht es hoch her: Über die Kommentarfunktion auf LZ.de, per E-Mail und auf den Social-Media-Kanälen der LZ drücken Leser Verwunderung und Empörung aus und machen ihrem Ärger Luft. An der angedachten Bezeichnung „LWL-Museum Hellerlecht - Westfälisches Landesmuseum für Kultur und Geschichte, Detmold“ wird kaum ein gutes Haar gelassen. Die allermeisten stoßen sich vor allem an dem plattdeutschen Begriff „Hellerlecht“, der so viel bedeutet wie „hell“ oder „hellicht“ und eine Anspielung auf die Zeit als reines Freilichtmuseum sein soll. Wie berichtet, soll das neue Eingangs- und Ausstellungsgebäude künftig ganzjährig geöffnet sein (im Unterschied zum weiterhin saisonal betriebenen Freigelände), weshalb die Verantwortlichen einen anderen, offeneren Namen finden wollen, der im Winter keine falschen Versprechen macht, weil die Besucher dann eben nicht ins Freigelände gehen können, und unter dem sich vor allem auch mehr vereinen lässt. Dazu gehören auch Sonderausstellungen mit teils hochkarätigen Exponaten, für die sie auf Leihgaben hoffen und wofür sie sich in der Fachwelt anders positionieren wollen. Und nicht zuletzt geht es auch um Fördermittel, die reinen Freilichtmuseen verwehrt bleiben. Dass der angedachte Name nicht gleich verstanden wird, kalkulieren die Ideengeber aus dem Museum und von der LWL-Kulturabteilung, die von einer Marketingagentur begleitet werden, dabei mit ein. Genau das, nämlich die mangelnde Verständlichkeit, wird von LZ-Lesern aber bemängelt. Lesen Sie auch: Neuer Vorschlag: So soll das Freilichtmuseum Detmold jetzt heißen Deshalb soll das Freilichtmuseum Detmold umbenannt werden Meinung: „Hellerlecht“ funktioniert als Museumsname nicht Neuer Name fürs Freilichtmuseum stößt in Detmold auf Ablehnung und Kritik - schon wieder Freilichtmuseum: Neuer Name ohne „Detmold“? - Stadtrat ist auf dem Baum „Der Namensvorschlag ,Hellerlecht’ erscheint mir höchst befremdlich. Auch wenn er das Ergebnis eines aufwändigen und vermutlich kostspieligen Workshop-Prozesses ist, wird der Begriff den meisten Menschen seltsam und unverständlich bleiben. (...) Es ist unrealistisch davon auszugehen, dass die Bezeichnung erst mal neugierig macht und dann zum Gespräch führt“, schreibt beispielsweise LZ-Leser Dr. Jörg Kühne in einer E-Mail an die Redaktion. Viele andere können mit dem Begriff „Hellerlecht“ ebenfalls nichts anfangen und denken dabei eher an einen Ort oder gar den früheren Bürgermeister Rainer Heller. Einer der Kommentatoren auf LZ.de erklärt: „Wenn eine ,Sprachformulierung’ für ein Produkt gesucht wird, sollte es allgemeinverständlich sein. Der Begriff aus der niederdeutschen Sprache ist nicht allgemeines Wissensgut der heutigen Zeit. Wissenschaftliche Begriffe sind etwas für Experten und nicht für die Allgemeinheit. Alles andere ist dem Touristen nicht zu vermitteln, gemäß dem alten Marketingspruch ,Der Wurm an der Angel muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler’. Grund erschließt sich nicht Auch der Grund für die angedachte Umbenennung erschließt sich vielen nicht, wird gar als „hanebüchen“ empfunden:„Warum muss man das ,auf Deubel komm raus’ umkrempeln?“, heißt es in einem Kommentar. „Und wenn Ihrer Meinung nach der Begriff ,Freilichtmuseum’ Ganzjahresbetrieb nicht umfasst, was ist dann mit „Hellerlecht“, fällt dann der Museumsadvent mangels Tageslicht künftig weg...? (...) Der ,aufwendige Workshop-Prozess’ klingt schon nach Flipchart und bunten Memos... wo sich Werbeagenturen für sechsstellige Beträge Slogans wie fürs Stadtmarketing zusammenreimen. Und dann kommt so etwas dabei raus wie ,Lage liegt mir’, ,Lohne lohnt sich’ oder eben ,Hellerlecht’.“ Ein anderer schreibt: „Was ein Unsinn. 1. Freilichtmuseum Detmold steht in vielen Reiseführern, Landkarten, Prospekten und vielen anderen Publikationen. Allein diese Änderungen kosten sehr viele Tausende Euro. 2. wer ändert einen Firmennamen, wenn er mit dem alten, bekannten Namen bekannt ist. Wer würde auf die Idee kommen, Firmen wie Oetker, Siemens oder Miele zu ändern. Wohl keiner!“ Investitionskosten sind ein Thema Auch die hohen Investitionskosten für den Neubau sind für die Leser ein Thema: „Herzlichen Glückwunsch, nachdem man 58 Millionen für einen Prunkbau rausgehauen hat, das Wichtigste, Parkplätze, aber vergessen hat, kommt nun ein Name, mit dem man absolut nichts anfangen kann. (...) Meine Jahreskarte läuft im August aus und dass war es dann mit dem Freilichtmuseum“, erklärt eine Leserin auf LZ.de Eine Reihe Kommentatoren plädiert dafür, den Ort stärker herauszustellen und nicht in den Untertitel zu verbannen: „Wir sind Lipper und stolz auf unser wunderschönes Fleckchen Erde. Fragen wir mal in Bielefeld, Hamburg, Berlin, München oder Düsseldorf usw. nach Hellerlecht, kann keiner beantworten, Detmold ja, da können fast alle etwas mit anfangen. Warum weigert sich der LWL das Freilichtmuseum nach dem Ort zu benennen, wo es zu Hause ist? In DETMOLD! Vielleicht gehen beim LWL ja doch noch einige Lichter an. Wäre zu wünschen.“ Vorschläge der Leser Wieder andere schlagen Kombinationen wie „Hellerlecht Detmold“ vor, oder die Abkürzung „FLM Lippe-Detmold“. Ein anderer Leser greift den ersten Vorschlag wieder auf, der von der Politik bereits abgelehnt worden war, und formuliert: „,LWL Museum Am Büchenberg, Westfälisches Landesmuseum für Kultur und Geschichte Detmold’ oder ,LWL Museum Am Büchenberg in Detmold, Westfälisches Landesmuseum für Kultur und Geschichte’.“ Nur ein einzelner Kommentator glaubt, dass ein neuer Name sich wenig auswirken würde, weil die Leute ohnehin weiterhin „Freilichtmuseum Detmold“ sagen würden. Und ein anderer sieht in der Umbenennung sogar eine Chance. Er schreibt: „Frage, sehen das Jugendliche auch so engstirnig? Es geht um die Zukunft und in zehn Jahren sind so einige nicht mehr.“