Kreis Lippe. Der Zivil- und Katastrophenschutz beim Kreis bereitet sich auf eine der größten Übungen vor, die es jemals in Lippe gegeben hat - sie heißt „Arminius“. Am Samstag, 30. August, wird geübt, wie gut der Rettungsdienst gewappnet ist, wenn er 80 Verletzen gleichzeitig helfen muss, Behandlungsplätze und Zelte aufzubauen sind oder zu entscheiden ist, wem zuerst geholfen wird - klappt die Koordination? Es ist also eine komplett andere Lage, als sie sich etwa bei einem Verkehrsunfall zeigt. Als Ort haben sich die Verantwortlichen den Parkplatz hinter dem Kreishaus in Detmold ausgeguckt, welches Szenario genau geübt wird, verraten sie noch nicht. Nur so viel: „Es wird Leicht- und Schwerverletzte geben, auch Menschen unter Schock, Bewusstlose, vielleicht Todesfälle“, sagt Marcus Saueressig, der Teamleiter. „Wir wollen gucken, wie der Rettungsdienst an seiner Belastungsgrenze funktioniert, wie die antrainierten Abläufe klappen.“ Diese Grenze ist bei 80 längst erreicht, weswegen überörtliche Hilfe aus dem Regierungsbezirk Detmold anrückt. Klingenbergstraße kurzfristig dicht Sie sammeln sich am Wortmann-Parkplatz, daher muss die Klingenbergstraße an dem Samstagvormittag kurzfristig gesperrt werden. Saueressig bedankt sich ausdrücklich für die gute Kooperation aller - von der Kreisverwaltung über die Krankenhäuser bis zu Wortmann oder Edeka Frühling. Ein Jahr Planung liegt hinter ihm und seinen Kollegen. Alle wissen vorher, dass es sich um eine Übung handelt. 300 Teilnehmer sind „im Einsatz“: Ärzte, Rettungsdienstler vom DRK, den Johannitern, den Maltesern. Dazu zahlreiche Mitarbeiter vom Zivil- und Katastrophenschutz, die die Abläufe überwachen und dokumentieren, der Support im Hintergrund, rund 100 Fachleute, die aus ganz NRW anreisen, um das Geschehen zu beobachten. Dazu kommen die 80 Darsteller - das sind Ehrenamtliche aus NRW vom Deutschen Roten Kreuz, der DLRG und anderen Organisationen, die „höchst professionell“, so Saueressig, in ihre Rollen schlüpfen, geschminkt werden, Bewusstlose mimen, ihre Rollen nicht verlassen. Auch Azubis aus dem Kreishaus, dem Rettungsdienst und dem Klinikum Lippe sind dabei, als unverletzt Betroffene für den Betreuungsplatz. Sie werden je nach Schwere der Verletzung in Krankenhäuser nach Detmold, Lemgo, Herford und Gütersloh gebracht oder vor Ort behandelt. Diese Entscheidungen müssen die Notärzte vor Ort klären. Die Übung endet erst an den Kliniktüren. In Detmold und Lemgo übernimmt das Klinikum Lippe, das an diesem Tag ebenfalls seinen Krankenhausalarmplan auf die Probe stellt, die „Verletzten“. Der an diesem Tag zuständige „echte“ Rettungsdienst in Lippe läuft in seinen normalen Bahnen; am Kreishaus vor Ort sind andere Kollegen - und diese kommen mit Ersatzfahrzeugen. Düsseldorf schaut genau hin Los geht es um 10 Uhr - zunächst rückt ein Rettungswagen an, dann der erste Notarzt, dann weitere RTW. Das Drehbuch steht genau fest, die Übungssteuerung im Hintergrund kennt es. Der Einsatz wird immer größer, nachmittags ist die Übung beendet. Einige Rettungswagen werden mit Blaulicht unterwegs sein, der Kreis will die Nachbarn im Vorfeld darüber informieren, was los ist. Nils Mehring vom Zivil- und Katastrophenschutz der Bezirksregierung ordnet die Übung ein: Sie ist landesweit die erste Großübung, in der die evaluierten Landeskatastrophenschutz-Konzepte im Bereich „Sanität und Betreuung“ geübt werden. Fachleute aus dem Land NRW werden in Detmold dabei sein, das Ganze wird im Anschluss akribisch ausgewertet. Reichen die Bemühungen? Das Personal? Sind die Konzepte ausgereift? Stimmen die Führungsverantwortlichkeiten? Wo müssen wir nachbessern? „Andere Bezirksregierungen werden auf die Erfahrungen zugreifen können. Auch das Klinikum übt Bei der Katastrophenschutzübung spielt das Klinikum Lippe mit den Standorten in Detmold und Lemgo eine wichtige Rolle. „Verletzte und Betroffene werden den Kliniken vom Übungsort mit Rettungsdienst- und Sanitätsfahrzeugen zugeführt und nach vorgeplanten Strukturen bei einem so genannten ,Massenanfall von Verletzten’ gemäß unserem Krankenhausalarm- und Einsatzplan registriert, gesichtet und in die Notfallstrukturen eingebunden“, erklärt Klinik-Sprecher Christian Ritterbach. Die Krankenhauseinsatzleitung koordiniert und steuert innerhalb der Kliniken die gesamte Führung und Leitung der Großübung inklusive aller Vorbereitungen - sie ist die umfangreichste Katastrophenschutzübung, in die das Klinikum Lippe bisher involviert wurde. Beübt werden alle Führungs- und Notfallstrukturen, insbesondere die Zufahrts- und Zuwegungen auf dem Gelände beider Standorte.