Wie gut kann man sich mit dem Bus im Stadtgebiet bewegen und zur Arbeit oder abends in Stadt und wieder nach Hause kommen? LZ-Mitarbeiter Jan Schillmann hat den Test gemacht. Ein Erfahrungsbericht. Detmold. Montagmorgen an der Haltestelle: Ich nehme mein Handy aus der Hosentasche und schaue auf die Uhr. Der Bus kommt – ein Glück. Erst vor Kurzem bin ich nach Bentrup gezogen und habe gerade kein eigenes Auto zur Verfügung. Zur Not teile ich mir ein Fahrzeug mit meiner Familie, die in der Nähe wohnt. Nun möchte ich testen, wie gut ich mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) von A nach B komme. Der ÖPNV ist auch bei der Umfrage „Lippe-Check“, die die LZ und das Meinungsforschungsunternehmen „Co-Mind“ kürzlich durchgeführt haben, eines von insgesamt 14 großen Themenfeldern gewesen. 3034 Menschen aus der Residenzstadt nahmen daran teil und stimmten ab. Das Ergebnis zeigt Luft nach oben: Der ÖPNV wurde mit 6,08 von 10 möglichen Punkten bewertet und landete auf dem drittletzten Platz. Aus den Kommentaren, die Teilnehmer hinterließen, wurde insbesondere über fehlende Busverbindungen in den Abendstunden in die Ortsteile geklagt. Ist es tatsächlich so schwierig? Oder gibt es Alternativen? Das will ich herausfinden. Beispiel 1: Der Arbeitsweg zur Redaktion Mein Arbeitstag in der LZ-Redaktion in der Grabbestraße beginnt zwischen 9.30 und 10 Uhr. Am Vorabend habe ich bereits mithilfe der DB-Navigator-App nach Busverbindungen gesucht, jetzt geht es los. Die nächste Bushaltestelle von meiner Wohnung aus ist „Bentrup Abzw. Heiden, Detmold“; von dort fährt der Bus 790 jede Stunde in Richtung Innenstadt, in 22 Minuten ist der Bahnhof erreicht. Den Rest gehe ich zu Fuß und bin um 9.40 Uhr in der Redaktion – das hat gut geklappt. Um nach Feierabend wieder nach Hause zu kommen, nutze ich erneut die Navigator-App. Die 790 fährt jede halbe Stunde vom Bahnhof in Richtung Lemgo. Mit dem Bus um 17.30 Uhr wäre ich um 17.49 Uhr in Bentrup. Eine halbe Stunde später käme schon der nächste Bus, der aber nicht über Bentrup, sondern über Wahmbeck fährt. Wer in diese beiden Orte möchte, sollte also darauf achten, zur richtigen Uhrzeit einzusteigen. Beispiel 2: Termin in Horn-Bad Meinberg Am Dienstagabend recherchiere ich nach Verbindungen für den nächsten Arbeitstag. Ich muss in die LZ-Zentrale an der Ohmstraße in Jerxen-Orbke und um 14 Uhr weiter zu einem Termin nach Horn - es wird knifflig. Die einfachste Lösung, um zur LZ zu kommen, wäre das Fahrrad. Damit brauche ich rund 20 Minuten. Das funktioniert aber nur, wenn das Wetter mitspielt, weil ich in meinem Rucksack einen Laptop transportiere. Busse fahren auch in die Nähe der Ohmstraße. Um zur Haltestelle „Westerfeldstraße“ zu kommen, ginge es zunächst um 8.08 Uhr mit der 790 von Bentrup zum Bahnhof und dann um 9.05 Uhr mit der 750 weiter nach Jerxen-Orbke. Mit Umstiegszeit wäre ich allerdings rund eine Stunde unterwegs. Eine Alternativroute führt mit der 790 bis zur Haltestelle „Pinneichen“und mit der 704 zum „Vereinshaus“. Von da sind es ungefähr 15 Minuten zu Fuß. Gesamtzeit: rund 38 Minuten. Aber wie komme ich ohne Auto pünktlich um 14 Uhr nach Horn? Laut Google-Maps bräuchte ich von der Ohmstraße mit dem Fahrrad rund 45 Minuten für den Hinweg, mit dem Bus wären es etwa 42 Minuten. Dafür könnte ich an der „Westerfeldstraße“ um 13.16 Uhr in die 750 einsteigen und am Bahnhof um 13.35 Uhr die 780 nach Horn-Bad Meinberg nehmen. Um 13.58 Uhr wäre der Bus an der Haltestelle „Horn Marktplatz“. Bei beiden Möglichkeiten kämen hin und zurück also 90 Minuten zusammen. Mit dem Auto wäre ich dagegen nur 45 Minuten für Hin- und Rückfahrt unterwegs. Deshalb entscheide ich mich dafür, denn der Zeitaufwand wäre sonst einfach zu groß. Beispiel 3: Abendunterhaltung in der City Die Stadtbusse fahren in der Regel bis etwa 22 Uhr. Wie komme ich also nach einem Besuch in Restaurant, Kneipe oder Theater wieder nach Hause? Die Stadtverkehrsgesellschaft gibt auf ihrer Internetseite Informationen zum Anrufsammeltaxi (AST). Dieses fährt montags bis freitags von 21.15 bis 1.15 Uhr stündlich in Richtung stadtauswärts – am Wochenende sogar bis 2.15 Uhr. Stadteinwärts ist es jeweils von 21.30 bis 1.30 Uhr unterwegs. Angefahren werden alle Haltestellen, die mit „AST“ gekennzeichnet sind. Vorher ist ein Anruf erforderlich: Das Anruf-Sammel-Taxi kann unter Tel. (05231) 977-377 gebucht werden - und zwar bis spätestens eine halbe Stunde vor der Abfahrt. Bei der Buchungshotline müssen die Haltestelle zum Ein- und Aussteigen und die Personenanzahl genannt werden. Wer beispielsweise um 23.30 Uhr aus dem Landestheater kommt und zur Haltestelle „Hiddesen - Freibad“ muss, ruft spätestens eine halbe Stunde vorher das Anruf-Sammel-Taxi an. Da es stündlich fährt, wäre das nächste um 0.15 Uhr am „Rosental“. Da das Taxi nur im Stundentakt fährt, muss man unter Umständen mit Wartezeit in der Dunkelheit rechnen. Wenn das Taxi kommt, zeigt man sein Ticket vor und zahlt den Aufpreis von 3,50 Euro. Mein Fazit In meinem Job fällt es mir schwer, auf ein Auto zu verzichten. Vor allem, wenn ich Termine außerhalb der Stadt habe. Würde ich nur mit dem Bus fahren, ginge viel wertvolle Zeit verloren. Für einfache Strecken, um beispielsweise die Familie oder Freunde zu besuchen, sind die Busverbindungen aber eine gute Alternative zum Auto. Ich persönlich nutze das Deutschlandticket, weil mir der Preis für ein Einzelticket von 3,10 Euro auf Dauer zu teuer ist. Weitere Informationen zu den Zeiten und Tarifen gibt es auf www.stadtverkehr-detmold.de.