Detmold. Mit dem möchte keiner streiten: Ein Kaffernbüffel hat einen kolossalen Schädel mit gewellten Hörnern. Im Lippischen Landesmuseum in Detmold findet sich zwar kein ganzer Büffel, wohl aber ein massiver Schädel. Der misst von Horn zu Horn beinahe einen Meter. Für einen Platz im Ausstellungsraum reicht das aber nicht. Der Kopf liegt sicher verstaut in einem Schrank. Eine Vielzahl von Tierpräparaten kann zurzeit nicht ausgestellt werden. Warum die meisten Exponate der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, erklärt Museumsleiter Dr. Michael Zelle. Zum einen fehle es an Fachpersonal und zum anderen herrscht in den Ausstellungsräumen regelrecht Platzmangel. Mit der verborgenen Naturkundesammlung gebe es genügend Potenzial, um weiteres auszustellen, meint Zelle. Denn er sieht in seiner Arbeit als Museumsleiter vor allem eine Aufgabe: „Unser Job ist es, zu bewahren, zu erforschen und zugänglich zu machen.“ Zurzeit sind aber eben nicht alle Exponate frei zugänglich. Viele liegen versteckt im Lager. Kein Naturkundler im Haus Das Museum habe einiges in petto, aber niemanden, der sich fachgerecht um die Ausstellungsstücke kümmern könnte. „Das Problem ist, dass wir eigentlich seit zehn Jahren diese Sammlung nicht richtig professionell betreuen können“, erklärt er. Denn: Es gibt keinen Naturhistoriker oder Naturkundler im Museum. Seit der ehemalige Museumsdirektor - und damit Zelles Vorgänger - Rainer Springhorn das Museum verließ, sei diese Stelle nicht besetzt gewesen. Doch die Aussichten seien gut: „Da können wir jetzt demnächst wieder besetzen. Das ist natürlich toll, weil wir diese Sammlung dann wieder stärker aktivieren können.“ Im ersten Stock des Naturkundemuseums befindet sich eins der Lager. Reihenweise Schränke, voll mit Tierpräparaten und Skeletten. Gewaltige Schädel von Nilpferden mit riesigen Hauern oder eben Kaffernbüffelschädel mit eindrucksvollen Hörnern. Auch Backenzähne von Mammuts und ein Elefantenschädel finden sich dort. Im nächsten Schrank weisen strahlende Insekten faszinierende Farbnuancen auf: blau-schimmernde Schmetterlings- oder gelb-orange-gefleckte Nachtfalter-Präparate. Ein paar Schritte weiter stehen Haigebisse und andere Fischarten. Einer reißt sein Maul so weit auf, dass man seine Zunge gut erkennen kann. Zelle: „Auch spannend, mal eine Fischzunge zu sehen. Die sieht ja aus wie ein Flokati-Teppich.“ Der Museumsleiter präsentiert den Inhalt der rund fünf Meter langen Schiebeschränke: Hier sind unter anderem heimische und exotische Tierpräparate platziert. Darunter Füchse, Rehe oder auch Reptilien. In einer Ecke steht eine Kobra, die ihr Nackenschild spreizt und sich aufrichtet. Exotische Vögel, wie Tukane oder Großparadiesvögel. Den imposantesten Eindruck aber macht der aufrecht stehende Hamster. Ein paar Lieblingsstücke habe der Museumsleiter auch: „Wir können ja gleich mal auf den Dachboden gehen, dort liegt noch ein Hai herum.“ Er öffnet die Luken und beim Erreichen der letzten Stufe sieht man ein großes Skelett: „Das ist ein Strauß, der ist aus dem Jahr 1837“, erklärt Zelle. Im hinteren Bereich sind noch andere Kaliber von Vogelpräparaten zu sehen: Ein Andenkondor etwa, der größte Greifvogel der Erde. „So etwas würde ich natürlich wahnsinnig gerne ausstellen“, sagte er. Für die Zukunft wünsche er sich, dass sie mehr mit solchen Sachen arbeiten können. Die Sammlung im Lager des Naturkundemuseums sei aber noch nicht alles: „Ganz große Präparate haben wir noch in Hohenloh. Da haben wir noch ein Skelett von einem jungen Elefanten oder von Sennerpferden.“ Platzmangel Viele der Exponate würden im Erdgeschoss des Museums so dargestellt werden, dass es ihrem natürlichen Habitat ähnelt. Doch für alle dieser Präparate gebe es nicht genügend Platz. Zelle: „Wir werden das Landesmuseum insgesamt neu strukturieren.“ Beim Architektur-Ensemble müsse viel saniert werden und man könne die Schausammlungen neu gruppieren. Dazu werde es konkrete Planungen für die Schwerpunktsetzung geben. Zelle möchte außerdem, dass Themen wie Artenvielfalt und Evolution erweitert werden. Er erklärt: „Artenschutz natürlich vor dem Hintergrund der Umweltkrisen, die wir haben.“ Denn die Diversität würde laut Zelle immer mehr zurückgehen. Zudem tue sich auf, dass Menschen, gegenüber der Evolution wissenschaftsfeindliche und skeptische Positionen einnehmen. Zelle: „Evolution ist aber keine Theorie mehr, sondern ein Faktum. Diese wird aber von interessierten Kreisen infrage gestellt.“