Detmold. Es ist ein starkes Signal, welches das Detmolder Unternehmen Weidmüller sendet. Rund 60 Millionen Euro hat das Familienunternehmen in den Bau eines neuen Elektronikwerks am Stammsitz im Kreis Lippe investiert. Ein klares Bekenntnis zur Region und zum Wirtschaftsstandort Deutschland, das in der aktuellen Zeit, die von wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt ist, Seltenheitswert hat. Weidmüller ist der Inbegriff eines Hidden Champions. Zum Portfolio gehören Reihenklemmen, Steckverbinder mit dem patentierten Snap-in-System und Automatisierungssysteme, die speziell auf industrielle Anwendungen zugeschnitten sind. Meist verschwinden sie jedoch in grauen Schaltschränken. Nur wenige wissen, dass Weidmüller-Produkte nicht nur in fast allen Fotovoltaik-Anlagen, Windrädern und ICE-Zügen unverzichtbar sind, sondern auch im Reichstag verbaut wurden oder einen großen Teil der Elektroinstallation des House of Opera in Sydney ausmachen und in der Lichtshow des Pariser Eiffelturms zum Einsatz kommen. Das Detmolder Unternehmen gehört in seiner Branche zu den Weltmarktführern. Die 1850 in Chemnitz als Textilfabrik gegründete Firma revolutionierte den herkömmlichen Druckknopf und wagte nach dem Krieg in Detmold einen Neustart als Entwickler für elektrische Verbindungstechnik. So wurde sie zu einem Global Player. In diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 175-jähriges Jubiläum. Zur Gruppe gehören weitere Standorte in Deutschland und in mehr als 30 Ländern weltweit mit rund 5700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Weidmüller-Stammsitz bleibt in Detmold Doch der Weidmüller-Stammsitz bleibt Detmold. „Wir fühlen uns hier wohl“, betont Sebastian Durst, der im Oktober des vergangenen Jahres den Posten des Vorstandsvorsitzenden im Unternehmen übernommen hat. Während andere Unternehmen derzeit öffentlich mit dem Industriestandort Deutschland hadern, sehe Weidmüller darin eine große Chance. „Wir werden in Deutschland nicht die günstigsten sein, darum müssen wir mit Innovation überzeugen“, lautet der Ansatz von Durst. Entgegen der allgemeinen Unternehmerkultur sei für ihn das Glas immer eher halb voll. Denn gerade in den Bereichen der Elektrifizierung und Automatisierung, den Weidmüller-Steckenpferden, biete der Markt aktuell gute Rahmenbedingungen. „Das sind unglaubliche Chancen, da dürfen wir uns nicht in Petitessen verheddern“, sagt Durst und betont dabei die gute Zusammenarbeit mit der Kommune und den Behörden vor Ort, mit der sich vieles auch unbürokratisch lösen lasse. Auch das trage zum Standort-Bekenntnis von Weidmüller bei. Bildungsangebote für die Menschen Zum Detmolder Standort von Weidmüller gehören neben dem Hauptgebäude in der Klingenbergstraße und drei weiteren Produktionsstandorten das 2019 eröffnete Customer und Technology Center, kurz CTC, in dem hauptsächlich die mehr als 200 Azubis des Familienunternehmens geschult werden sowie eine Betriebskita. Die hinter den Hauptgebäuden gelegene Peter-Gläsel-Grundschule wurde von der Peter-Gläsel-Stiftung, die mit einer Beteiligungs-GmbH 50 Prozent der Weidmüller-Gruppe hält, gegründet und orientiert sich an einem alternativen Bildungskonzept. Offen ist sie für alle Kinder aus Detmold, doch durch eine Zusammenarbeit wappnet sich das Unternehmen auch gegen den allgegenwärtigen Fachkräftemangel. Zentrale Produktion für Europa Die neueste Standorterweiterung ist das in der Detmolder Ohmstraße gebaute Elektronikwerk, in dem der Betrieb seit Anfang des Jahres hochgefahren wird. Am 5. September wird mit zahlreichen geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik offiziell die Eröffnung gefeiert. Mit dem CTC plant Weidmüller, die eigene Elektronikkompetenz auszubauen und die Deglobalisierungsstrategie voranzutreiben. „Wir verfolgen ein Local-for-Local-Konzept mit einer zentralen Produktion für unsere europäischen Kunden“, erklärt Durst, der dafür auch ausgelagerte Produktionen zurück nach Detmold geholt hat. „Gleichzeitig bleiben wir aber auch in den USA und in China, die weiterhin wichtige Märkte mit großem Potenzial für uns sind.“ Mit Blick auf die Zukunft hat sich das Familienunternehmen dazu entschieden, neben dem CTC Platz für eine Erweiterung des Standorts zu lassen. Denn nachdem Weidmüller während der Coronapandemie einen exponentiellen Umsatzsprung nach oben und in den vergangenen Jahren ein überraschend rückläufiges Umsatzergebnis vermeldet hat, ist Durst zuversichtlich, dass sich das Unternehmen jetzt wieder auf gesundem Wachstumskurs befindet. In den kommenden Jahren soll es also erneut eine Standorterweiterung in Detmold geben.