Bielefeld. „Alex hat Gemeinschaft, Freundschaft und Freiheit geliebt“, sagt seine Schwester Elora. Knapp zwei Wochen nach den tödlichen Silvesterunfällen in Bielefeld meldet sich die Familie des 18-Jährigen erstmals öffentlich zu Wort. In einem Spendenaufruf auf Instagram bittet Elora unter Tränen um Unterstützung für ein Jugendprojekt in Baumheide – und nimmt zugleich Stellung zum Umgang mit Feuerwerk. Ihr Bruder war in der Silvesternacht 2025 auf einem Spielplatz am Schlehenweg beim Zünden von Pyrotechnik tödlich verletzt worden. Nach Angaben der Polizei erlitt er schwerste Kopfverletzungen und starb trotz sofortiger Reanimationsversuche noch am Unfallort. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem Unglücksfall aus, Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen nicht vor. In derselben Nacht kam es in Bielefeld-Brake zu einem zweiten tödlichen Pyrotechnik-Unfall, hier starb ein 18-jähriger Schüler aus Hiddenhausen. In dem Video, das nun Alex’ Schwester Elora auf Instagram veröffentlicht hat, beschreibt sie, wie sehr die Familie das Geschehene noch immer erschüttere. Dabei versagt ihr zwischenzeitlich die Stimme. Man könne bis heute nicht begreifen, was passiert sei. Die Familie wolle verhindern, dass andere Familien Ähnliches erleben müssten. Weil sie überzeugt seien, so Elora, dass dies nur gelingen könne, „wenn wir Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft mehr Halt und Selbstbewusstsein schenken“, wolle die Familie dazu nun etwas beitragen. „Alex hatte es, wie viele Jugendliche, nicht leicht, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.“ Spenden für Bielefelder Abenteuerspielplatz erbeten Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von 𝙆𝙧𝙞𝙨𝙥𝙮 𝙆𝙚𝙗𝙖𝙗 ? (@krispykebab) Konkret ruft die Familie zu Spenden für den Abenteuerspielplatz am Schelpmilser Weg in Baumheide auf. Träger ist der Verein „Evangelische Offene + Mobile Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“. Der Verein weist darauf hin, dass die Offene Kinder- und Jugendarbeit zunehmend unter Druck stehe: Die Bedürfnisse junger Menschen wüchsen, während öffentliche Zuschüsse zurückgingen. Angeboten werden unter anderem kostenlose Musikprojekte, Konzerte, Budenbau auf dem Abenteuerspielplatz und Outdoor-Kochen in der Stadt. Kinder und Jugendliche bräuchten Orte, an denen sie sich entfalten könnten; ohne zusätzliche Unterstützung werde dies jedoch schwieriger. In der Caption ihres Beitrages und weiteren Kommentaren macht Elora deutlich, dass es der Familie auch um Erinnerung geht. Man trauere um Alex, schreibt sie. Er sei ein Bruder, ein Freund, ein Nachbar gewesen; sein Lachen und seine Art fehlten unendlich. Gleichzeitig wolle die Familie „etwas Positives schaffen“ – einen Ort, der an ihn erinnere und Kindern, Jugendlichen und Familien Raum zum Spielen und Zusammenkommen gebe. „Viele Menschen waren von dem Unfall sehr betroffen und haben uns gefragt, ob sie etwas spenden dürfen. Da wir als Familie privat aber kein Geld annehmen möchten, haben wir uns überlegt, welches sinnstiftende Projekt wir unterstützen könnten.“ Familie des getöteten 18-Jährigen spricht sich für Böllerverbot aus Zugleich positioniert sich die Familie klar in der Debatte um ein Böllerverbot. Man sei für ein Verbot und hoffe, dass sich viele Menschen an entsprechenden Petitionen beteiligten, heißt es. Zugleich glaube man jedoch nicht, dass ein Verbot allein ausreiche. Illegale Verbreitung und leichtfertiger Umgang ließen sich nur durch mehr Aufklärung, Verantwortung, konsequente Kontrollen und ein gesellschaftliches Umdenken eindämmen. Kinder und Jugendliche machten Fehler, probierten sich aus und überschritten Grenzen, schreibt Elora weiter. „So war es auch bei Alex.“ Umso wichtiger sei es, hinzuschauen, zuzuhören und zu begleiten – statt nur zu verbieten oder im Nachhinein zu belehren. Warum gerade der Abenteuerspielplatz unterstützt werden solle, begründet die Familie auch persönlich: Alex habe Gemeinschaft, Freundschaft und Freiheit geliebt. Ein Ort, an dem junge Menschen unbeschwert zusammenkommen und von Erwachsenen begleitet würden, hätte ihm gefallen. Die Spendenaktion soll nach Angaben der Familie dazu beitragen, den Spielplatz sicherer zu machen und langfristig Angebote für Kinder und Jugendliche in Baumheide zu sichern. Vielleicht, so die Hoffnung, könne man so dazu beitragen, junge Menschen besser aufzufangen – und ähnliche Ereignisse künftig seltener werden zu lassen.