Detmold. Zur Einweihung des Hermannsdenkmals 1875 gegründet, hat der Dachverband der lippischen Chöre eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. Wie feiert eine altehrwürdige Institution wie der Lippische Sängerbund sein 150-jähriges Bestehen? Klar sei gewesen, diesmal auch neue Wege gehen und neue Formate anbieten. „Das Ergebnis gibt dem Festivalteam rund um Norbert Arnold, dem Präsidenten des Lippischen Sängerbundes mehr als recht“, schreibt der Sängerbund in einer Mitteilung. Auch wenn das Abschlusskonzert für den 3. Oktober leider abgesagt werden musste - auch so sei „Töne pur“ ein Ereignis gewesen, das beeindruckt habe. 300 Akteure Zwei Wochenenden und zwei Wochen Musik, 12 Auftrittsorte, 28 Chöre, Solisten und Ensembles mit mehr als 300 beteiligten Akteuren, fast 30 Konzerte mit mehr als 1500 Besuchern – das sind die „nackten Zahlen“ des großen Chorevents. „So etwas funktioniert natürlich nur mit einem guten Team und ganz viel Unterstützung vor und hinter den Bühnen“, erklärt Norbert Arnold. Ausdrücklich bedankt er sich für die gute Zusammenarbeit bei dem Team der Stadthalle und dem Team des Sommertheaters in Detmold. Am 20. September fand in der ausverkauften Stadthalle anlässlich des Weltkindertages ein Konzert mit Kinder- und Erwachsenenchören statt - der Auftakt des Festivals. Am 26. September erfolgte die Premiere für das neue Format „Schwarmsingen & Zugabe“ im Detmolder Sommertheater, ein klassisches Mitsingevent, das mit einem Auftritt des Jazz-Chores JAM aus Lage endete. „Tolle Mischung, so habe ich das noch nie erlebt. Das mit dem Chor am Schluss war genial. Und bei Bohemian Rhapsody von Queen – das war Gänsehaut pur“, habe es eine Besucherin auf den Punkt gebracht, berichtet der Sängerbund. Neue Wege beschritten „Neue Wege zwischen Publikum und Chören zu bahnen, das war eines unserer Ziele“, wird Markus Wehrmann zitiert, der selber, wie auch die anderen Mitglieder des fünfköpfigen Festival-Teams im Chor singt. Das scheine gelungen zu sein, vor allem mit dem „Abend der Kirchen und Kneipen“. An acht verschiedenen Orten in der Detmolder Innenstadt fanden am Samstag von 17.30 bis 21 Uhr Konzerte und Auftritte statt. Den Auftakt machte unter anderem das Popkantorat Lippe im Saal der VHS, während das Ensemble eXtra im Café Herzstück startete und der Frauenchor Klangfarben, der aus Halle angereist war, im „Extrablatt“ sein Publikum begeisterte. Die Detmolder Schloßspatzen starteten in der Martin Luther Kirche, in der später auch GospelX, der Jugendchor Voice Camp und der Blomberger Dachkammerchor auftraten. Im „Paraplü“ sang der Junge Chor Soundtrack aus Lage, im Café Cup spielte passenderweise das Salonorchester „Zucker & Kaffee“. In der ehemaligen Synagoge, jetzt Michaels-Kapelle, trat die Künstlerin Monika Rey mit Stücken jüdischer Komponisten der 20-er Jahre auf. Drei Konzerte am Abend Der Abend endete mit drei Konzerten in der Martin-Luther-Kirche. Mit einem Auftritt des Detmolder Meisterchores nota bene, der nach dem Meisterchor Chorios aus Dörentrup auftrat und mit ganz unterschiedlichen Stücken wie dem Volkslied „In einem kühlen Grunde“ genauso begeisterte wie mit einer Interpretation der Rockhymen „Music“ von John Miles und „The show must go on“ von Queen, erzählt Sängerbund-Vorsitzender Norbert Arnold. Hier konnte dann auch das Festival-Teams einmal auf die Bühne, drei der fünf Teamer singen im Detmolder Meisterchor. Begleitet wurden die Veranstaltungen von zwei Filmteams. Der daraus entstehende Image-Kurzfilm wird später im Rahmen einer Werbekampagne vorgestellt. „Die Möglichkeiten, mit dem Festival Chöre, Ensembles und Solisten zu vernetzen, führten letztlich dazu, dass ein gemischter Chor, eine Solistin und ein Gesangsduo jeweils erfolgreich einen Antrag auf Mitgliedschaft im LSB gestellt haben“, freut sich der Verein. Auch wenn es sehr viel Arbeit gewesen sei – nach dem Festival sei vor dem Festival. Die ersten Überlegungen für das nächste „Töne pur reloaded“ stehen schon. Es soll wieder ein Event der besonderen Art werden: bunt, vielfältig und stimmungsvoll. „Wir haben mit dem Chor-Festival viel bewegt“, resümiert LSB-Präsident Norbert Arnold, „vor allem aber die Herzen der Menschen – und das zählt.“