Detmold. Wer derzeit versucht, die Stadtwerke zu erreichen, bekommt telefonisch nur einen Besetztton zu hören. E-Mails kommen nicht an. Auf der Homepage begrüßt Kunden die Nachricht: „Aufgrund eines großflächigen IT-Ausfalls sind die Stadtwerke Detmold derzeit nicht erreichbar.“ Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Die Stadtwerke sind Opfer eines Hackerangriffs geworden und haben deshalb ihre kompletten Telefon- und IT-Systeme heruntergefahren. Das Übel begann in der Nacht zu Montag. Einfalltor für die Hacker war nach bisherigen Erkenntnissen offenbar ein Systemupdate. Sie gelangten ins System und verschlüsselten alle Daten. Das typische Muster einer sogenannten Ransomware-Attacke. Üblichweise folgt nun eine Kontaktaufnahme mit der Forderung, eine bestimmte Summe nicht nachverfolgbar - meist in Bitcoins - zu überweisen, damit die Unternehmensdaten wieder entschlüsselt werden. Noch haben sich die Hacker nicht gemeldet „Noch haben uns die Hacker aber nicht kontaktiert“, sagt Stadtwerke-Pressesprecherin Eva Ellminger. Üblicherweise raten Polizei und Sicherheitsbehörden auch davon ab, auf die Erpressung einzugehen. Das bedeutet dann allerdings meist, dass das komplette IT-System auf Null zurückgesetzt und komplett neu installiert werden muss, bevor hoffentlich vorhandene Backup-Daten wieder eingespielt werden können. „Unser Geschäftsführer Jörg Karlikowski hat das Vorgehen mit dem Hackerangriff auf das Klinikum Lippe verglichen“, sagt Ellminger. Dort hatten die Erpresser nach intensiven Verhandlungen rund einen Monat später den Schlüssel zum Decodieren der Daten herausgerückt - ohne das Geld geflossen war. „Die Versorgung unserer Kunden mit Strom, Fernwärme und Erdgas ist weiterhin sichergestellt“, betont Ellminger. „Unser Kundenzentrum, das Aqualip und auch den Zentrale am Gelskamp sind derzeit aber nicht erreichbar.“ Beim Aqualip funktioniere das Kassensystem autark. Wie weit andere Systeme betroffen seien, werde derzeit geklärt. „Für Notfälle - wenn jemand beispielsweise ein Gasleck hat - ist unser externer Dienstleister, der die Hotline abends und am Wochenende abdeckt, weiterhin unter Tel. (0800) 607 0201 erreichbar.“