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Geschichte

Wo starb Varus? Wirklich Neues zu einem alten Thema soll ein Vortrag in Detmold liefern

Ausschnitt einer symbolisch aufgeladene Darstellung der Varusschlacht von Otto Albert Koch (1909). © Lippisches Landesmuseum

Detmold. Die Varusschlacht gilt als eines der bekanntesten Ereignisse der Antike auf deutschem Boden – und als eines der rätselhaftesten. Im Jahr 9 nach Christus wurde ein römisches Heer unter dem Statthalter Publius Quinctilius Varus in Germanien vernichtend geschlagen. Drei Legionen gingen verloren, der Feldherr nahm sich das Leben. Der Mythos von der „Befreiung Germaniens“ war geboren – und mit ihm eine bis heute andauernde Suche: Wo genau fand diese Schlacht statt?

Unter dem Titel „Wo starb Varus? Wirklich Neues zu einem alten Thema“ geht Dr. Stephan Berke dieser Frage mit einem kritischen Blick nach. „Er wirft einen fundierten Blick auf die Geschichte der Deutungen, auf alte Quellen und neue archäologische Erkenntnisse. Der Vortrag beleuchtet die These von Kalkriese als Ort der Varusschlacht, stellt dieser jedoch gleichwertig die Theorie zur Seite, dass sich das Geschehen im Raum Bielefeld-Sennestadt, bei Haus Neuland, zugetragen haben könnte“, schreibt das Landesmuseum in einer Ankündigung.

Denn auch mehr als zwei Jahrtausende nach dem Geschehen sei die Forschung keineswegs zu einem abschließenden Ergebnis gekommen. Vielmehr zeige sich: „Die überlieferten antiken Berichte, allen voran die von Tacitus, Cassius Dio oder Velleius Paterculus, sind fragmentarisch, literarisch geprägt – und voller Interpretationsspielräume.“ Gleichzeitig würfen neue Grabungsfunde und topografische Überlegungen Zweifel an bisherigen Gewissheiten auf.

Dr. Stephan Berke wirft einen fundierten Blick auf die Geschichte der Deutungen, auf alte Quellen und neue archäologische Erkenntnisse. - © Lippisches Landesmuseum
Dr. Stephan Berke wirft einen fundierten Blick auf die Geschichte der Deutungen, auf alte Quellen und neue archäologische Erkenntnisse. (© Lippisches Landesmuseum)

Dr. Berke verfolgt die Spuren des Varus nicht nur über das Schlachtfeld, sondern auch durch die Jahrhunderte der Geschichtsschreibung. Wie wurde das Geschehen im 19. Jahrhundert politisch aufgeladen? Warum steht das Hermannsdenkmal bei Detmold? Und welche Rolle spielt Erinnerungskultur in der Bewertung archäologischer Funde? Der Vortrag richtet sich an ein historisch interessiertes Publikum – ob mit Vorwissen oder ohne – und biete neue Denkanstöße zu einem Thema, das vermeintlich längst geklärt schien. „Ein spannender Abend zwischen Archäologie, Textkritik und der Frage: Wie rekonstruieren wir Geschichte?“

Der Vortrag findet am Donnerstag, 29. Januar, ab 19 Uhr, statt. Der Eintritt ist frei. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird eine Anmeldung empfohlen: Tel. (05231) 99250 oder shop@lippisches-landesmuseum.de

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