Leben jenseits der Moderne

Detmolder auf Spurensuche: Wie sich das Plautdietsch der Mennoniten in der Karibik konserviert hat

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Detmold (sk). Platt als Mundart in der Karibik - ja, gibts denn das? "Klar", weiß Peter Wiens. Der 41-jährige Gründer des in Detmold ansässigen Vereins der Plautdietsch-Freunde kehrt gerade zurück von einer Reise, die er für 40 Personen nach Belize organisiert hat. In Belize, erklärt Wiens, leben zahlreiche Mennoniten, die sozusagen die russlanddeutsche Variante des Platt sprechen. Im Rahmen regelmäßiger Studienreisen, erklärt er, baue der Verein Plautdietsch-Freunde sein internationales Netzwerk immer weiter aus. Mitglieder und Interessierte, meist russlanddeutsche Mennoniten, besuchen dabei laut Wiens ferne Länder, in denen ebenfalls ihre Muttersprache gesprochen wird. Was Belize angeht, so wird die Inselmundart Plautdietsch, das Niederdeutsch aus Westpreußen mit einer über 200 Jahre alten Migrationsgeschichte, die über Südrussland auch nach Kanada und Mexiko geführt hat, seit 1958 in dem kleinen karibischen Staat gesprochen. "Mitten im tropischen Regenwald und in direkter Nachbarschaft zu den mystischen Mayaruinen haben die Mennoniten große Acker- und Weideflächen geschaffen und versorgen inzwischen das gesamte Land mit Reis, Milch, Fleisch und mit anderen wichtigen Nahrungsmitteln", erklärt Wiens. Kein Wunder, dass die Plattsprecher aus Deutschland in der Karibik immer wieder nach gemeinsamen Verwandtschaftslinien suchen. Die Wurzeln spiegeln sich schon in den gemeinsamen Familiennamen wider, die hier und dort dieselben sind: Friesen, Wiebe, Klassen, Penner, Plett, Reimer, Wiens oder Rempel. Mehrsprachigkeit ist für die Plautdietsch-Freunde eine Selbstverständlichkeit. Tauchen bei den Plautdietschen aus der ehemaligen Sowjetunion hin und wieder russische Wörter oder Satzelemente auf, sind es auf der anderen Seite entsprechende englische oder spanische Wortschatzerweiterungen. Neben dem Hochdeutschen, das immer noch in den Gottesdiensten verwendet wird, beherrschen laut Wiens viele Mennoniten in Belize auch die Kreolsprache der einheimischen Bevölkerung. Als begehrte Arbeitgeber, so erfuhr die Reisegruppe, haben die mennonitischen bzw. plautdietschen Bauernfamilien immer mehr Kontakt zu ihrer multiethnischen Nachbarschaft. Je fortschrittlicher eine Mennonitenkolonie sei - wie zum Beispiel die Kolonie Blue Creek mit rund 700 Einwohnern -, um so eher passten sich die Menschen in kultureller und sprachlicher Hinsicht an die Umgebung an. Je konservativer der Lebensstil sei wie in der Kolonie Shipyard mit 3000 Einwohnern, um so mehr werde alles Fremde und Moderne ausgegrenzt - wodurch die Sprache Plautdietsch im Nebeneffekt konserviert bleibt. "Wir konnten auch diesmal wieder viele Interviews und Sprachaufnahmen machen. Die Universität Bielefeld hat uns dabei unterstützt", so Peter Wiens. Die Forschungsbedingungen klingen angenehm: "Zu dieser Jahreszeit ist das Wetter in Belize am angenehmsten - nicht mehr so viel Regen und noch nicht zu heiß."

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