Dörentrup. Ungewohntes Bild: Der Außenbereich der Kita Himmelszelt der Stiftung Eben-Ezer in Humfeld ist am Montag leer. Die Kinder sind alle drin. Das hat nicht etwa mit dem regnerischen Wetter zu tun, sondern mit dem Großbrand einer Halle des Entsorgungsunternehmens Remondis am späten Freitagabend im Industriegebiet nebenan. Seither sind Spiel- und Sportplätze von der Gemeinde Dörentrup vorsichtshalber gesperrt. Nun steht fest: In der betroffenen Halle war Asbest verbaut. Asbest wurde bis in die 1990er-Jahre verbaut, gilt heute als hochgiftig. Die winzigen Asbestfasern können tief in die Lunge eindringen und dort Entzündungen sowie Tumore verursachen. Ob von den Brandrückständen in Humfeld eine Gefahr ausgeht und wenn ja, wie hoch diese ist, können die Experten aber noch nicht sagen, sagt Birgit Kaiser de Garcia, Pressesprecherin beim Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK). Laborergebnisse im Laufe der Woche „Wir wurden am Freitagabend hauptsächlich angefordert, weil der Verdacht bestand, dass Asbest in der brennenden Halle verbaut ist. Das hat sich auch bestätigt“, weiß de Garcia. Die Kollegen hätten Proben genommen, was gar nicht so einfach gewesen wäre, weil es keinen Brandstaub gegeben habe. Denn durch den einsetzenden Regen seien die Fasern und Partikel aus der Luft gewaschen worden. Das sei natürlich zunächst einmal gut. Ob trotzdem noch ein Risiko von den Rückständen ausgehe, werde sich im Laufe der Woche zeigen, so die Sprecherin. Die Analysen seien aufwendig. Dörentrups Bürgermeister Friso Veldink bestätigt die Sperrung der öffentlichen Spiel- und Sportplätze. Er spricht von einer reinen Vorsichtsmaßnahme. Der Bauhof inspiziere die betroffenen Areale nach und nach. Bürger wurden zudem über die Warn-Apps Katwarn und Nina aufgefordert, Gartenmöbel, Spielgeräte und Fahrzeuge im Außenbereich gründlich zu reinigen und die oberste Schicht in Sandkästen zu entfernen. Die Gemeinde und der Kreis Lippe stünden im stetigen Austausch mit dem LANUK, ob weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen. „Wir beschäftigen uns jetzt mit Bastelarbeiten“ Für Nina Hansch, Leiterin der Kindertageseinrichtung Himmelszelt in Humfeld, bedeutet das weitere Tage, in denen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen kreativ werden müssen, um die Kleinen zu beschäftigen. „Wir dürfen die Außenbereiche derzeit nicht nutzen und wissen nicht, wie lange noch. Das ist ungewohnt für die Kinder, weil wir eigentlich jeden Tag rausgehen. Wir beschäftigen uns jetzt mit Bastelarbeiten und gehen in die Turnhalle“, sagt sie. Müllabfuhr fährt normal Michael Schneider, Pressesprecher bei Remondis, versichert auf Nachfrage zunächst, dass die Müllabfuhr ganz normal weiterlaufe: „Wir müssen auf andere Lagerplätze ausweichen, aber für den Verbraucher ändert sich nichts.“ Wie es in Dörentrup langfristig weitergeht und ob die Halle wieder aufgebaut wird, könne er aber noch nicht mit Sicherheit sagen: „Wir brauchen erst ein Gutachten, dass die genaue Schadenshöhe zeigt. Aber der Standort ist für die Region von Bedeutung.“ Das Unternehmen geht grob von einem Schaden im unteren siebenstelligen Bereich aus. Die Feuerwehr war am Freitag gegen 21 Uhr zu dem Brand ausgerückt. In einer der Hallen an der Industriestraße war Kunststoffmüll aus der Gelben Tonne in Brand geraten. Zwischenzeitlich waren bis zu 180 Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreisgebiet sowie THW-Ortsverbände aus Lemgo, Detmold, Bielefeld und Paderborn vor Ort. Verletzt wurde niemand. Erst Anfang Mai hatte es bei Remondis in Humfeld gebrannt. Damals waren offenbar unsachgemäß entsorgte Produkte mit Lithium-Ionen-Akkus für das Feuer verantwortlich. Auch jetzt vermutet der Entsorger die Stromspeicher als Ursache. Diese gehören nicht in eine Mülltonne, sondern müssen zum Wertstoffhof oder in den Fachhandel gebracht werden.