Extertal. Früher hatte Extertal viele Kneipen, 24 zählt Hobby-Historiker Friedhelm Nolting. Unvergessen die Heiratsmärkte in Linderhofe oder die legendäre „Napoli-Bar“, von der heute noch erzählt wird. Und genau darum soll es bei der Erzählwerkstatt „Kneipenkultur in Nordlippe“ gehen. Nach bisher sechs Abenden – jeweils drei in Dörentrup und Barntrup - wandert die Veranstaltungsreihe nun weiter nach Extertal. Am Dienstag, 29. Juli, um 18 Uhr öffnet dafür Wirt Dragan Milanovic die Türen des Restaurants Adria in Asmissen, Barntruper Straße 38. Dieses Mal werden die Erinnerungen an das Kneipenleben in Bösingfeld, Asmissen und Linderhofe im Fokus stehen, berichtet Jürgen Scheffler, der für das Kulturstellwerk Nordlippe durch das Programm führen wird. Friedo Petig wird laut Mitteilung einige seiner Geschichten und Erlebnisse auf humorvolle Weise zum Besten geben. Dank des sehr umfassenden Archivs von Friedhelm Nolting aus Asmissen können sich die Besucherinnen und Besucher zudem auf so manche Fotorarität gefasst machen. „Ich kenne sie alle“, sagt er. „Brausebude“ und „Napoli-Bar“ Es gibt historische Aufnahmen von der „Brausebude“ am Senkenberg und von der „Napoli-Bar“ im damaligen Hotel Ritter in Linderhofe. Nolting weiß: „Früher lief alles über die alte Poststraße in Linderhofe. Vor der Kneipe wurden die Pferde umgespannt. Einmal hat dort sogar Prinzessin Victoria von Großbritannien und Irland übernachtet.“ Als ehemaliger Löschgruppenführer von Linderhofe erinnert sich Nolting auch noch gut an die Nacht auf Heiligabend im Jahr 1962: „Damals ist die Gaststätte bei einem Großfeuer abgebrannt - und das bei -24 Grad. Das Löschwasser fror uns ein.“ Erst zu Christi Himmelfahrt 1963 sei das Hotel zusammen mit der „Napoli-Bar“ wieder eröffnet worden. Eis am Stil für zehn Pfennig Ebenso hat der Hobby-Historiker Bilder vom Gasthaus „Zum grünen Tal“ in Asmissen (heute Restaurant „Adria“). Natürlich dürfe ein Blick auf das Hotel „Stadt Hannover“ der Familie Kreitz wie auch die Gaststätte von Karl Krüger auf der Burg Sternberg nicht fehlen – ebenso wie der Verkaufsstand seiner Frau Johanna vor den Burgmauern, der vielen noch in Erinnerung sei: „Dort habe ich mir immer zusammen mit einem Freund ein Eis am Stiel für zehn Pfennig geholt“, erinnert sich Nolting. Dann ist da noch das heutige Hotel „Zur Burg Sternberg“, die ehemalige Gaststätte „Zur Linde“, die 1909 gebaut wurde. „Immer zu Himmelfahrt gab es dort in den 50ern einen großen Heiratsmarkt. Dafür wurden zwei große Zelte aufgebaut - eins zum Tanzen, eins fürs Essen. Es gab Karussells und Schießbuden. Hunderte Gäste kamen. Wegen des Massenandrangs kam aber kaum mehr Verkehr durch den Ort und sie mussten die Veranstaltung absagen“, weiß der Hobby-Historiker noch. All das und noch viel mehr hat Nolting an diesem Abend im Gepäck. Anmeldung nicht vergessen Eingeladen sind Interessierte, die mehr über die Ortsgeschichte erfahren möchten, wie auch ehemalige Besucher oder auch Betreiber von Gaststätten, die über das damalige Kneipen- und Gastronomieleben berichten möchten. Gesucht werden zudem noch Fotos der Gaststätten, beispielsweise auch von Familienfeiern. Diese können mitgebracht oder per E-Mail an info@kulturstellwerk-nordlippe.de geschickt werden. Die Erzählwerkstatt zur Kneipenkultur in Nordlippe wird veranstaltet vom Kulturstellwerk Nordlippe, einem Projekt des Landesverbandes Lippe in Kooperation mit Marketing Extertal und der Volkshochschule Lippe-Ost, bei der auch Anmeldungen für die Veranstaltung möglich sind. Weiter Termine sind am Dienstag, 26. August, für die „Bergdörfer“ in Extertal-Rott in der Stallscheune, Rottstraße 10/11; und am Dienstag, 30. September, im Dorfgemeinschaftshaus Almena. Informationen zum Projekt gibt es auf www.kulturstellwerk-nordlippe.de