Horn-Bad Meinberg. 2023 steht die Rezertifizierung Bad Meinbergs als Heilbad an. Derzeit wird daran gearbeitet, dass dieser Status erhalten bleibt. Doch es sind noch offene Baustellen abzuarbeiten. Kurdirektor Thorsten Brand, Geschäftsführer der „GesUndTourismus Horn-Bad Meinberg GmbH" (GUT) gab jetzt im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Gesundheit einen Überblick über den Stand der Dinge.Zunächst werde man sich auf die Rezertifizierung Bad Meinbergs im Juli 2023 konzentrieren, danach stehe die Rezertifizierung des Luftkurortes Holzhausen-Externsteine im Mai 2024 an, so Brandt.Ohne Bad kein Heibad-Status Ein Mediziner qualifiziere sich derzeit zum Badearzt, im Oktober werde der Deutsche Wetterdienst Messstationen in Bad Meinberg und Holzhausen-Externsteine aufstellen, um die Luftqualität zu untersuchen. Stolperfallen auf dem Weg zur Rezertifizierung können aber darin liegen, dass der Landesverband die Kurimmobilien 2020 größtenteils an die Stadt, den Moorstich Stinkebrink aber an Dietmar Kluge, Betreiber des Bad Meinberger Badehauses, verkauft hat. Brandt zitierte aus dem Kurortegesetz, das in § 3 die Voraussetzungen für eine Anerkennung als Kurort definiert. Demnach müssen unter anderem Sportanlagen vorhanden sein, ein Hallen- oder Freizeitbad beziehungsweise ein Badehaus. „Ohne Bad kein Heilbad-Status", stellte Brandt auf Nachfrage klar. Stadt, GUT und Badehaus-Betreiber Dietmar Kluge müssen also einen Weg finden, die Existenz dieser Einrichtung langfristig zu sichern.Brandt zitierte weiter § 4 des Kurortegesetzes, in dem die Bedingungen für eine Anerkennung als Heilbad aufgelistet sind. Es müssen ortsgebundene Heilmittel vorhanden sein. Brandt zählte Heilwasser, Kohlensäure, Moor und Sole auf. Letztere ist nicht verfügbar, Moor würde die Rose-Klinik laut Brandt durchaus wieder anbieten wollen, es fehle aber an Moorwannen und der zugehörigen Aufbereitungstechnik. Dafür gebe es in Deutschland nur noch einen Hersteller in Bad Schussenried, die Kosten beliefen sich auf 10.000 Euro je Moorwanne und 30.000 Euro für eine mobile Aufbereitungsanlage. Kostenfrage noch zu klären Abgesehen von der Frage, wer welchen Teil der Kosten trägt, müsse man also mit Kluge über die Nutzung des Schwefelmoores handelseinig werden. Prinzipiell habe die Stadt aber Zugriff auf das Moor, sagte Celil Celik (SPD): „Das ist vertraglich geregelt." Jetzt müsse man schnellstmöglich Gespräche mit Kluge führen.Es gebe zwar die Aussage, dass das Moortretbecken als Heilmittelnachweis für die Rezertifizierung ausreiche – „aber wir wollen ja künftig auch wieder mehr anbieten." Eine enorme Nachfrage nach Mooranwendungen, wie sie Dr. Hans-Jörg Rippe im Juli vor dem Ausschuss prognostizierte (die LZ berichtete), sah Brandt aber nicht. „Das ist nur ein kleiner Baustein, die Nachfrage wird wohl nicht mehr das Niveau des vorigen Jahrhunderts erreichen", schätzte er. Wolfgang Diekmann (SPD), ehemaliger Kurdirektor, machte darauf aufmerksam, dass das Vorhandensein von Heilmitteln allein nicht die Rezertifizierung sichere: „Es muss entsprechende therapeutische Angebote geben, von einem Badearzt verordnet und durch einen Fachtherapeuten verabreicht." Und das scheine ihm noch unsicher. Man solle die Heilmittel auch im Wellnessbereich anbieten, um zusätzliche Nachfrage unter Nicht-Kurgästen zu generieren, schlug Diekmann vor. Man könne ja klein anfangen und das Angebot später ausbauen. Einig war man sich im Ausschuss, dass man nicht länger darüber sprechen darf, was zur Rezertifizierung unbedingt nötig ist, sondern darüber hinaus gehende Perspektiven für das Staatsbad entwickeln muss. Und da konnte der Kurdirektor mit positiv stimmenden Zahlen und Ideen aufwarten. Nicht unbedingt für das Kurtheater, das dieses Jahr erst ein Fünftel des Umsatzes von 2019 eingespielt hast, aber für die Besucherzahlen. Zwar habe man weniger Ankünfte gezählt als 2019, dafür habe sich die Verweildauer am Ort mit fast zehn Tagen mehr als verdoppelt. Die Zahl der Prospektanforderungen sei enorm gestiegen: von 489 in 2019 und 292 in 2020 auf jetzt bereits 1114 seit Januar. Thorsten Brandt sieht Möglichkeiten, das Staatsbad weiter aufzuwerten. So möchte er Bad Meinberg auch aks Kneipp-Kurort zertifizieren. Kneippen liege im Trend, ein Konzept sei in Arbeit, die Umsetzung können 2023 oder 2024 erfolgen. Er sprach sich auch für die Ausweisung eines Heilwaldes aus. Es gebe ein Konzept für Holzhausen-Externsteine, das auf Bad Meinberg umgeschrieben werden könne. Und schließlich möchte er den Kurpark am Abend illuminieren und in Szene setzen. Erfahrung hat Brandt damit – er hat bereits eine Seebrücke eines Ostseebades effektvoll beleuchtet.