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Lesung

Autorin bringt Bad Meinberger ins Grübeln: Wie umgehen mit Menschen aus der Vergangenheit?

Horn-Bad Meinberg. Eine berührende und bewegende Zeit schenkt die Autorin Dr. Stefanie Gregg am Donnerstagabend ihrem Publikum im Bad Meinberger Kurtheater. Denn die Lesung aus ihrem Roman „Koffer voller Briefe“ ist keineswegs ein Herunterlesen einiger Kapitel oder Passagen, sie ist ein lebendiger Wechsel zwischen Realität und Roman, zwischen Emotionen und Linguistik.

Nach einer kurzen Konzentrationsphase legt die Schriftstellerin los, beschreibt, wie Bücher entstehen, was ein „schönes“ Buch ausmacht und wie sie zu ihrer Verlegerin auf der Frankfurter Buchmesse Kontakt aufnahm. Sie sagt, dass man als Autorin Talkshows und Partys als schlimm empfinde, wenn immer wieder die gleichen Sätze fielen wie „Oh, muss man Sie kennen?“, „Schreiben Sie Liebesromane?“ oder „Kann man davon leben?“.

Mit einem Mann, den sie getroffen hatte, kommt sie ihrem Buch näher. Der habe ihr über Jahre geschrieben, an ihrem Leben Anteil genommen und das als seine „Lebensaufgabe“ bezeichnet. Sein Hintergrund, und damit auch der des Romans, beruht auf einer wahren Geschichte.

Briefe aus der Vergangenheit suchen Protagonisten heim

Im Polizeipräsidium wird ein Mann, den sie Elias nennt, eindringlich zum Tod einer Frau befragt, obwohl er sich den Grund für die Befragung eigentlich gar nicht vorstellen kann. Sie sei tot aufgefunden worden und eines unnatürlichen Todes gestorben, wird ihm mitgeteilt. Dass es sich um eine Isabella handelt, die er vor 30 Jahren einmal gekannt hat, wird ihm erst sukzessive bewusst, bis ihn anhand von drei Bildern schließlich eine Erinnerung überschwemmt.

Für ihn war es damals eine kurze Bettgeschichte. „Ich war achtzehn, ich habe Schluss gemacht.“ Doch das Mädchen Isabella baut sich daraus eine Traumwelt auf. Bis zu ihrem Tod schreibt sie ihm täglich einen Brief, frankiert ihn mit einer Sondermarke und schickt ihn dennoch nicht ab. So wurden nun nicht viele Briefe gefunden, es waren Koffer voller Briefe. Elias, alleinerziehend mit zwei Kindern, verzweifelt an dieser Erkenntnis und öffnet sich seiner Tochter. „Ich habe einen Fehler gemacht, ich war jemandem wichtig, aber ich habe es ignoriert.“

Falltüren im Kopf

In der Konsequenz schreibt er die Namen vieler Menschen auf, die er fragen will, wie es ihnen geht. Und da öffnen sich für das Publikum verborgene Falltüren im Kopf. Denn wohl jeder hat einmal jemanden verletzt, indem Kontakte abgebrochen wurden, sich nicht gekümmert wurde, Gleichgültigkeit eingetreten war.

Und das Fazit, das Stefanie Gregg zieht und als Frage an ihre Zuhörerinnen und Zuhörer richtet, kommt sehr eindringlich herüber: „Sollte man nicht überlegen, ob man anderen Menschen helfen kann, verbunden mit der Frage, ob man sich selbst helfen kann?“

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