Horn-Bad Meinberg. Spätestens seit der Tötung von Thorsten D. durch drei Schüler ist klar, dass Gewaltprävention für Kinder und Jugendliche sehr wichtig ist. Ratsfrau Diana Ammer (Die Linke) hat deshalb schon im Februar den Antrag gestellt, im kommunalen Haushalt Gelder für die Umsetzung eines einheitlichen Gewaltpräventionsprojektes an den Kindergärten und Grundschulen und ein Demokratie-Lernen-Projekt an den weiterführenden Schulen sowie in Jugendhilfeeinrichtungen vorzusehen. Das umfassende Konzept war in Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe entstanden. In der aktuellen Sitzung des Sozialausschusses am Mittwochabend wird Ammer der Lokalpolitik als ersten Teil das Projekt „Faustlos“ vorstellen. Eine Entscheidung über dessen Einführung soll dann aber voraussichtlich beim nächsten Treffen des Sozialausschusses im Juli fallen. Im April war das Projekt dem Haus der Jugend „Alte Post“ und den Kitas im Stadtgebiet vorgestellt worden. „Die Rückmeldungen waren durchweg positiv“, schreibt Jasmin Filla, stellvertretende Fachbereichsleitung Soziales für die Stadtverwaltung. „Im nächsten Schritt wird ein solcher Termin auch für die Schulen, insbesondere die Grundschulen, im Stadtgebiet stattfinden.“ Dieser sei für den 4. Juni angesetzt. Aufwind für neun Jahre alte Idee Schon bei der zweiten Sozialraumkonferenz in der Burgscheune im Dezember 2024 waren sich alle Beteiligten einig gewesen, Projekte gegen Gewalt und für Demokratie zu fördern. „Die Idee ist eigentlich schon neun Jahre alt und stammt noch aus dem Elternnetzwerk“, erinnert sich Diana Ammer. Dieses Netzwerk habe es unter Bürgermeister Eberhard Block gegeben. Es habe sich mit dem Konzept „Gute und gesunde Schule“ befasst - sei dann aber irgendwann eingeschlafen. „Faustlos“ befasst sich mit der Prävention von aggressivem Verhalten und fördert bei den Kindern sozial-emotionale Kompetenzen. Ein Augenmerk liegt dabei auch auf der Impulskontrolle. Ein Vorteil ist, dass es im Projekt Material für verschiedene Altersstufen gibt und auch die Integration von Kindern mit Förderbedarf und mit Migrationshintergrund unproblematisch ist. „So könnte unsere Kommune aktiv zivilgesellschaftliches Engagement für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander fördern und Radikalisierung und Polarisierungen in unserer Stadtgesellschaft aktiv von Anfang an in allen Altersgruppen vorbeugen“, schreibt Ammer in ihrem Antrag. Schulungen für Lehrkräfte und Erzieher Das Präventionsprogramm „Faustlos“ wird bundesweit in Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen eingesetzt und ist wissenschaftlich evaluiert. In den Lektionen lernen Kinder, Gefühle bei sich und anderen wahrzunehmen, Handlungsalternativen zu entwickeln und Spannungen gewaltfrei zu lösen. Rollenspiele, Bildmaterialien und sogar Handpuppen kommen dabei zum Einsatz. Entwickelt wurde das Programm am Universitätsklinikum Heidelberg. Lehrkräfte und Erzieher müssen vorab eine Schulung absolvieren. Zwei geschulte Kräfte pro Einrichtung wären laut Ammer ideal. Ziel des Programms ist, dass die Kinder bei Konflikten miteinander reden, anstatt gleich zuzuschlagen. „,Faustlos’ wäre nur ein Teil eines Gesamtkonzepts für Kinder ab drei Jahren bis in die 5. und 6. Klasse“, erklärt Ammer. „Es geht darum, Empathie zu vermitteln und in den weiterführenden Schulen das Verständnis für demokratische Werte zu vermitteln. Da sollen dann auch die örtlichen Vereine einbezogen werden. Und das Schöne ist: Es wirkt auch zurück in die Elternhäuser.“ Für die Kosten des Programms, die im Antrag mit 15.000 Euro beziffert werden, gibt es laut Ammer Fördermöglichkeiten von bis zu 70 Prozent. Außerdem seien Investitionen in Prävention sinnvoller für die Kommune, als im Nachgang eine steigende Jugendamtsumlage zahlen zu müssen.