Horn-Bad Meinberg. 442 Jahre wäre die Horner Kläschen-Kirmes dieses Jahr alt geworden. 1583 hatte die Stadt Horn von Graf Simon VI. die Erlaubnis erhalten, den Kram- und Viehmarkt am dritten Tag nach Nicolai abzuhalten. Doch damit ist jetzt offenbar Schluss: Wie es aussieht, wird Kläschen - wie auch die Frühjahrskirmes - in Horn nicht wieder stattfinden. Schon im November 2024 hatte Kläschen ohne Kirmes stattgefunden. Die Werbegemeinschaft „In Horn gemeinsam“ (IHG), die den Jahrmarkt regelmäßig mit ihrem Mittelaltermarkt „Brimborium“ begleitet, hatte erst wenige Tage vorher erfahren, dass diesmal keine Schausteller kommen würden. Auf die Schnelle konnte IHG den Flohmarkt auf die gesamte Mittelstraße ausweiten und mit einem Imbissstand und selbst organisierten Schausteller-Buden die Lücken füllen. „Die Bürger fragten schon nach, warum es diesmal keine Kirmes gab“, berichtet Vereinsvorsitzender Manfred Hütte. Stadt: Schwierige Kommunikation mit Kirmesbetreiber Es gebe zwar noch einen Vertrag mit einem Betreiber, die Kommunikation mit diesem gestalte sich jedoch schwierig, hatte die Stadtverwaltung während der jüngsten Ratssitzung auf die Frage eines Bürgers nach den beiden Kirmes-Veranstaltungen geantwortet. Zudem sei der wirtschaftliche Betrieb einer Kirmes kaum darstellbar; im Haushalt seien hierfür auch keine Mittel zur Subventionierung vorgesehen. Genau die wünscht sich aber Kirmes-Beschicker Mike-Erwin Ahrend, der Kläschen und Frühjahrskirmes bislang organisiert hat. Den Marktplatz habe man zwar umsonst von der Stadt bekommen, „aber die Werbung haben wir bezahlt“. Für die Schausteller lohnten sich solche kleinen Märkte mit nur zehn bis zwölf Buden einfach nicht. Schausteller benötigen Elektriker für Stromanschlüsse Ein weiterer Streitpunkt ist der Strom: „Den müsste die Werbegemeinschaft oder die Stadt bezahlen. Oder einen Elektriker vor Ort beauftragen, der die Verteilerkästen anklemmen und abrechnen kann“, erklärt Ahrend auf LZ-Nachfrage. Die benötigten zwei Verteilerkästen hätten die Schausteller besorgen können, sagt Ahrend, „aber wir haben keinen Elektriker, der den Strom machen könnte“. Eine Abhilfe sei vonseiten der Stadt und der Werbegemeinschaft nicht möglich gewesen. „Natürlich ist es für uns Schausteller auch immer doof, wenn eine Kirmes flachfällt, aber wir machen das ja zum Geld verdienen und wollen nicht Geld drauflegen müssen“, sagt Ahrend. „Nach aktuellem Stand gehen wir eher nicht davon aus, dass der Betreiber die Kirmes in diesem Jahr und im Frühjahr durchführen wird“, antwortet nun folgerichtig Stadt-Pressesprecher Sebastian Vogt auf eine LZ-Anfrage. „Nur eine Kirmes ist zu wenig. Mit dem Mittelaltermarkt hat das für Horn funktioniert“, ist IHG-Vorsitzender Manfred Hütte überzeugt. Er weist aber auch darauf hin, dass sich zuletzt durch die Sanierung des Kotzenbergschen Hofs die auf dem Marktplatz zur Verfügung stehende Fläche verkleinert habe. „Deshalb waren keine großen Karussells mehr möglich.“ Und natürlich änderten sich die finanziellen Rahmenbedingungen auch für Kirmesbetreiber. „Wir haben an die Stadt appelliert, alles dafür zu tun, die Kirmes nicht sterben zu lassen. Denn auch sie ist ein Stück Kultur und strahlt über Horn hinaus“, sagt Hütte. Seiner Wahrnehmung nach habe Marktbetreiber Mike-Erwin Ahrend aber auch wenig Interesse daran gehabt, die Kirmes weiterzuentwickeln. „In Horn gemeinsam“ schreibt Brief an den Bürgermeister „In Horn gemeinsam“ thematisierte die gesamte Problematik schon im Januar in einem Brief an die Stadtverwaltung. Die Stadt habe in der Vergangenheit immer wieder den Wert der Kirmes betont, es aber nicht in Handeln münden lassen, heißt es in dem Brief an Bürgermeister Heinz-Dieter Krüger. „Nach dem ausgefallenen Frühjahrsmarkt dieses Jahr haben wir dann schon geahnt, dass es wohl schwierig werden wird, die Märkte nach Horn zurückzuholen“, sagt Hütte heute. Mit jedem verstrichenen Jahr sinke diese Möglichkeit, weil sich die Schausteller natürlich umorientierten, wenn ein Markt wegfalle. Weil der bisher Kläschen begleitende Mittelaltermarkt im November als Außenveranstaltung im Herbst sowieso nie so richtig glücklich gewesen sei, habe man sich deshalb entschieden, dessen Termin in den Mai zu verlegen. So habe man mit „Brimborium“ vom 8. bis zum 10. Mai nun wenigstens eine gesicherte Frühjahrsveranstaltung - möglicherweise angereichert mit einem großen Flohmarkt. Trotzdem hofft IHG weiterhin auf konstruktive Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Kirmesbetreiber, damit Kläschen nach 442 Jahren weiter bestehen kann.Transparenzhinweis: Auf Hinweis eines Lesers haben wir Folgendes korrigiert: Simon VI. war Graf. Die Erhebung in den Fürstenstand erfolgte erst 1789.