Ein Lebensweg in die Isolation und Armut

Horn-Bad Meinbergerin leidet an Chemikalienunverträglichkeit

Von Cordula Gröne

Chemikalien- 

unverträglichkeit - © Horn
Chemikalien- unverträglichkeit (© Horn)

Horn-Bad Meinberg. Karin M. leidet seit vielen Jahren an der schweren Umwelt­erkrankung MCS, die immer mehr Menschen betrifft. Hervorgerufen wird sie durch verschiedenste Schadstoffe - auch in niedriger Konzentration.

Erst seit einigen Jahren ist die Multiple Chemical Sensitivity (Vielfache Chemikalienunverträglichkeit) bekannt, ausgelöst durch Gifte in Lebensmitteln, Bekleidung und Räumen. Äußerlich sieht man Karin M. die schwere Krankheit nicht an - typisch bei MCS-Kranken. Sehstörungen, Gangunsicherheit, Bauchschmerzen, Lähmungserscheinungen im Gesicht und eine Dauererschöpfung machen ihr zu schaffen.

Ein erster körperlicher Zusammenbruch im Jahr 1975 wird bei ihr auf eine Amalgam-Belastung durch Zahnfüllungen zurückgeführt. "Ich konnte nicht mehr essen und aufstehen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass ich eine Quecksilber-Vergiftung hatte", erzählt sie im LZ-Gespräch. "Für mich begann da ein entwürdigender Lebensweg, der in Isolation und Armut führte."

Fühlt sich allein gelassen: Die Bad Meinbergerin Karin M. steht zwar zu ihrer Krankheit, befürchtet jedoch Nachteile bei der Wohnungssuche, wenn ihr Name bekannt wäre. - © Foto: gröne
Fühlt sich allein gelassen: Die Bad Meinbergerin Karin M. steht zwar zu ihrer Krankheit, befürchtet jedoch Nachteile bei der Wohnungssuche, wenn ihr Name bekannt wäre. (© Foto: gröne)

Die meisten Ärzte und Psychologen, die Karin M. aufsuchte, hätten sich mit der Krankheit nicht ausgekannt, ihr nicht geglaubt und sie als Fall für den Psychiater angesehen, anstatt sich kundig zu machen. So bekommt sie keine richtige Behandlung. "Das ist für mich unterlassene Hilfeleistung", resümiert die 61-Jährige.

Erst vor zehn Jahren erfährt sie nach einer Blutuntersuchung durch einen Umweltmediziner in Bayern, dass ihr Körper schwer mit Quecksilber, Holzschutzmitteln und Blei vergiftet ist. Sie wird als schwerkrank eingestuft - und ist es heute noch. Allergien, Unverträglichkeiten von vielen Nahrungsmitteln und eine Fibromyalgie mit Faser-Muskel-Schmerzen machen ihr das Leben schwer.

Gesunden kann Karin M. nur durch ein gesundes Umfeld, und das ist für sie das größte Problem. Denn auch ihre derzeitige Wohnung ist belastet. "Ich reagiere darauf sensibler als andere." In ihrer Not und Verzweiflung flüchtet sie vor Tochter und Exmann. Sie sucht dringend nach einer schadstoffarmen Wohnung. "Ich komme aus der Erschöpfung seit Jahrzehnten nicht mehr heraus", sagt Karin M, "ich brauche einen Ort, wo ich mich ausruhen kann."

Sie hält sich mit einer schmalen Rente über Wasser. Dabei ist sie eine Kämpfernatur und ein positiv denkender Mensch. Doch Entgiftungsmittel für den Darmaufbau erstattet die Krankenkasse nicht, weil sie nicht als Medikamente anerkannt sind. Nach Auskunft der Barmer Ersatzkasse gibt es in NRW auch keine geeigneten (Kur-)Kliniken. Ärzte mit einer Qualifikation als Umweltmediziner sind rar.

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