Überfüllung und aggressive Besucher: Bade-Aus am Stemmer See

Carolin Brokmann-Förster

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Der Campingpark Kalletal am Stemmer See. Für Tagesgäste ist das Baden hier ab sofort tabu. - © Campingpark Kalletal
Der Campingpark Kalletal am Stemmer See. Für Tagesgäste ist das Baden hier ab sofort tabu. (© Campingpark Kalletal)

Kalletal-Varenholz/Stemmen. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad: perfektes Badeseewetter. Doch am Stemmer See ist diese Herrlichkeit nun vorbei.

Der Campingpark Kalletal als Betreiber der Anlage stellt ab sofort den öffentlichen Badebetrieb ein. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", sagt Campingpark-Geschäftsführer Lars Kristian Behn, denn die Anlage sei seit Jahren beliebt. Doch der große Ansturm an Badegästen, insbesondere an den heißen Tagen im Juni, lasse ihm keine andere Wahl.

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Schwimmen im Freien


Das Freibad in Hohenhausen hat täglich von 15 bis 19.30 Uhr geöffnet, am Wochenende und an Feiertagen ab 11 Uhr. Frühschwimmer können von Montag bis Freitag zwischen 6.30 und 9 Uhr ihre Bahnen ziehen. Der Eintritt liegt bei 2,50 Euro für Erwachsene und bei einem Euro für Kinder ab sechs Jahren. Für kleinere Kinder ist der Eintritt frei.

Der stetig wachsende Campingbetrieb – bis zu 1500 Übernachtungsgäste habe der Campingpark in Spitzenzeiten – dazu noch einmal 500 reine Badegäste an warmen Tagen sei eine Doppelbelastung, die für die Mitarbeiter schlicht nicht mehr zu bewältigen sei. Das habe auch das vergangene heiße Wochenende gezeigt, an dem dann auch die Entscheidung fiel, den öffentlichen Badebetrieb endgültig einzustellen.

Ein weiteres Problem, mit dem sich Behn und seine Mitarbeiter immer häufiger konfrontiert sahen: „Der Grundton in der Gesellschaft ändert sich." Streitereien, Beleidigungen, immer öfter seien seine Leute von Tagesgästen angegangen worden. Und das bereits wegen Kleinigkeiten. „Zum Beispiel gab es Streit darum, wo ein Gast sein Motorrad parken soll", sagt er nachdenklich. Dabei gebe es einen großen Parkplatz. Solche Situationen wolle er seinen Mitarbeitern nicht weiter zumuten. Dazu der Müll, der sich häufe. „Es ist immer nur ein kleiner Teil an Leuten, die sich nicht benehmen können und der Rest muss dann darunter leiden". Sein Appell: Ein respektvollerer Umgang mit Menschen in Gastronomie- und Tourismusbetrieben. „Sie kümmern sich schließlich um uns, wenn wir am Sonntag Brötchen brauchen, in den Urlaub fahren oder ins Freibad wollen."

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Park eine Obergrenze für Tagesgäste eingeführt. Doch auch das traf auf Unverständnis einiger Besucher und führte immer wieder zu Konfrontationen. „Einige Jahre zuvor hatten wir versucht, über eine Regionalgrenze zu regulieren, dann über die Preispolitik", sagt Behn. Doch das alles habe nicht den nötigen Erfolg gebracht.

Viele der Camper, mit denen er gesprochen hat, hätten Verständnis für die Entscheidung. Aber auch Tagesgäste können laut Behn die Gründe nachvollziehen, „auch, wenn es natürlich auch viele unzufriedene Leute gibt". Besonders leid tue es ihm für die Anlieger, die den Badesee seit vielen Jahren kennen.

Kalletals Bürgermeister Mario Hecker findet es bedauerlich, dass der Badebetrieb am Stemmer See nicht möglich ist. Eine Alternative zum Badesee ist das Kalletaler Freibad, das von der Gemeinde betrieben wird. „Das Freibad bietet ausreichend Kapazitäten", teilt Hecker mit. Eine Alternative werde von Seiten der Gemeinde derzeit nicht diskutiert.

Viele leiden unter wenigen

Ein Kommentar von Carolin Brokmann-Förster.

Schade, dass ein paar Chaoten mal wieder für Ärger sorgen und alle darunter leiden müssen. Da gibt es schon mal einen öffentlichen Badesee, idyllisch im Grünen gelegen, mit Infrastruktur und allem drum und dran – und dann: Schluss, aus, vorbei. Zu viel Müll, zu viele Streitigkeiten mit dem Personal. Dem Betreiber kann man es nicht verdenken, das er davon irgendwann die Nase voll hat. Beim Baden am See geht es doch schließlich um Freizeit, um Erholung und darum, eine gute Zeit zu haben.

Klar muss ich da auch ein paar Regeln einhalten und mich daran halten, was das Personal sagt. Aber was bitte ist so schlimm daran? Die Leute machen schließlich nur ihren Job – wohlgemerkt zu einer Zeit, in der andere in er Sonne brutzeln und die Seele baumeln lassen. Im Freibad muss ich mich doch auch an Regeln halten. Und Eintritt zahl ich da auch. Aber auch dort scheinen einige Besucher ihre erhitzten Gemüter nicht immer im Griff zu haben, gingen doch jüngst in Düsseldorf gleich mehrere hundert Leute im Freibad aufeinander los. Polizeieinsatz inklusive.

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