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LZ-Aktion

150 Besucher bei „Gesundheit im Dialog“ zum Thema Demenz

Experten: Die Neurologen Dr. Eckhard Petter und Prof. Dr. P. Vieregge. - © Foto: Mausch
Experten: Die Neurologen Dr. Eckhard Petter und Prof. Dr. P. Vieregge. (© Foto: Mausch)

Lemgo (jm). Rund 1,5 Millionen Deutsche leiden unter Demenz – Tendenz steigend. Wie Demenz entsteht und was nach der Diagnose passiert, haben die Neurologen Prof. Dr. Peter Vieregge und Dr. Eckhard Petter bei „Gesundheit im Dialog“, einer Veranstaltung der LZ, AOK, Ärztekammer Westfalen-Lippe und Klinikum Lippe, erklärt.

Die Prognosen der Mediziner sind niederschmetternd. Jeder Dritte soll im Jahre 2050 an einer Form der Demenz erkranken. „50 Prozent der Bürger sind dann über 65 Jahre alt“, informierte Prof. Dr. Vieregge, Chefarzt der Neurologie am Klinikum Lemgo, den rund 150 Gästen in der Sparkasse Lemgo. Moderiert wurde die Veranstaltung von LZ-Redakteur Erol Kamisli.

Demenz habe ihren Ursprung im Gehirn. Dort sterben Nervenzellen nach und nach ab, die Verbindungen zwischen den Zellen gehen dauerhaft verloren. Diese sind aber wichtig, so Prof. Vieregge, weil sie Fähigkeiten wie das kombinatorische Denken, die Orientierung, das Sprachvermögen, das Auffassungsvermögen und die Lernfähigkeit steuern.

Als Ursachen für die Gedächtnisstörung nannte Prof. Vieregge langjährigen Alkoholkonsum, eine Schädel-Hirn-Verletzungen, Stress oder Demenz-Erkrankungen in der Familie. Laut dem Detmolder Neurologen Dr. Eckhard Petter sind erhöhte Cholesterin-Werte und wenig sportliche Betätigung gefährlich.
Auch die Schulausbildung könnte ausschlaggebend sein.

„Jemand, der eine längere Bildungszeit genossen hat, hat im Gehirn kognitive Reserven. Die Demenz tritt also erst später auf.“ Bei Menschen mit diesem Hintergrund würden die Mediziner andere Fragen stellen, um herauszufinden, ob die Person an der Krankheit leidet. „Einen Oberstudienrat würde ich nicht fragen, was er studiert hat, daran wird er sich auch noch mit 90 Jahren erinnern“, erklärte der Mediziner.

Ausschlaggebend sei, ob sich der Betroffene an die Geburtstage seine Verwandten, an Tagesereignisse oder seine Biografie erinnere und flüssig sprechen könne.

Während eine verminderte Sprachfähigkeit im Verlauf der Demenz erst an dritter Stelle auftauche, stehe ganz vorne die Unaufmerksamkeit, gefolgt von der Gedächtnisstörung. Im späteren Stadium folgten Orientierungslosigkeit und eine Störung des Körperschemas. So könnten Tag und Nacht nicht mehr unterschieden werden und Socken würden beispielsweise statt über die Füße über die Hände gezogen, so Prof. Vieregge.

Wenn die Demenzerkrankung so weit fortgeschritten sei, müssten sich Angehörige und Betroffene professionellen Beistand holen. Vor allem wegen der Vorsorgevollmacht oder einer Patientenverfügung, betonte der Neurologe Dr. Eckhard Petter. Als Beispiel nannte er die Fragwürdigkeit einer Magensonde, die Patienten mit Demenz aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen künstlich ernährt.

Der Gesundheitszustand sei auch ausschlaggebend, das Haus oder die Wohnung der Betroffenen umzubauen. Um die Kosten stemmen zu können, müssten Maßnahmen ergriffen werden, wie die Beantragung einer Pflegestufe oder eines Behindertenausweises.

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