Wistinghauser Senne: Nur die Rinder machen sich rar

Till Brand

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Die Wistinghauser Senne führt durch den tiefen Wald. - © Till Brand
Die Wistinghauser Senne führt durch den tiefen Wald. (© Till Brand)

Oerlinghausen. Zwei abwechslungsreiche Stunden auf der Sonnenseite des Teutoburger Waldes: Die können Familien auf einem Rundweg mit Abstecher in die Wistinghauser Senne verbringen. Ohne Nachwuchs geht’s noch schneller voran.

Vom großen Wanderparkplatz am Ende des Oerlinghauser Welschenwegs geht’s im oder gegen den Uhrzeigersinn immer der Markierung „A3" nach. Die acht Kilometer mit leichtem Auf und Ab über die dicht bewaldeten Südhänge des „Teuto" sowie durch das lichte, ebene Gelände in der Wistinghauser Senne erfreuen zwar kaum mit Fernblicken. Dafür gibt es an den Wegesrändern immer etwas Neues zu sehen – der Charakter der Landschaft ändert sich fast mit jedem Schritt. Derart abwechslungsreich kann die Tour auch mit kleinen Kindern gelingen, zumal ein tierischer Höhepunkt lockt: schottische Hochlandrinder und englische Ponys in der Senne.

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Wir entscheiden uns für den Uhrzeigersinn, wollen erst mal „Strecke machen". Die Joker („Rind" und „Pferd") lassen wir für die zweite Weghälfte stecken, wenn vermutlich die Laune schwindet. Anfangs entspricht unser „A3" dem Hermannsweg – landschaftlich der schönste Part des Rundweges, mit reichlich Gelegenheit zu kleinen Abstechern, etwa auf den Tönsberg. Immer wieder deuten Wegweiser auf verlockend nahe Höhenlagen. Doch wir bleiben standhaft und in der Spur – hat doch der in Trage und Kraxe bequem mitschaukelnde Nachwuchs den Proviant bereits halb vernichten. Da halten wir uns doch lieber ran – noch sechs Kilometer.

Trotz starken Regens in der Nacht zuvor, gibt’s kaum matschige Passagen oder tiefe Pfützen. Der Weg ist gut präpariert und lässt sich laufen, ohne Stolperfallen viel Aufmerksamkeit widmen zu müssen. Die wollen allenfalls Jogger oder heranrasende Mountainbiker, die mit einem lauten „Radfahrer" kurz warnen, um sich in die nächste rasante Abfahrt zu stürzen. Die Nähe zur Oerlinghauser City – hier ist sie zu spüren: Zahlreiche Wanderer und Spaziergänger mit Hunden begegnen uns auf den ersten Kilometern.

Nach einem guten Drittel der Strecke bietet sich eine große Waldhütte an einer Lichtung fürs Picknick an. Wem Rucksackkost zu wenig ist, der kann noch einen Kilometer bis zum beliebten Ausflugslokal „Bienenschmidt" (dienstags Ruhetag) weiter marschieren. Unsere Strohsemmel sind inzwischen aufgefuttert. So wenden wir uns – elf Kilometer vorm „Hermann" um fast 360 Grad, um nun leicht bergab auf die Senne zuzumarschieren. Dort dürften sich die Schottland-Rinder bei den Regengüssen der Nacht ja wie zu Hause gefühlt haben und nur darauf warten, sich den neugierigen Kinderaugen zu zeigen.

Der Wald lichtet sich, Wanderer kommen uns keine mehr entgegen. Ein Gatter gerät in den Blick, große Metalltore und Infotafeln, mit denen wir unseren Jungs die Tiere schmackhaft machen. Gespannt flüsternd betreten wir das Gehege, folgen einer Spur eingetrockneter Kuhfladen. Doch Rinder? Fehlanzeige. Sind seit der Einbürgerung wahrscheinlich „aus Zucker" und haben sich doch irgendwo verkrochen...

Fotostrecke: Wandern in Lippe (7): Wistinghauser Senne


Ohne Tiere brauchen Kinder auf dieser Passage eine gute Portion Durchhaltevermögen – der Weg zieht sich fast schnurgerade auf den Segelflugplatz zu. Außer Zaun ist nicht viel zu sehen. Kurz vor dem Flugplatz lockert eine kuriose Begegnung die Stimmung auf: Ein Vierertrupp Flüchtlinge aus dem nahen Wohnheim fragt uns mit Händen, Füßen und wenigen Vokabeln nach dem nächsten Supermarkt. Shoppen in der Senne? Wir schicken das Quartett Richtung Südstadt.

Die richtige Entscheidung, bestätigen kurz darauf Helmut und Margret Rückborn. Das Ehepaar hat seit Jahrzehnten einen Wohnwagen auf dem FKK-Campingplatz stehen und kennt die Senne wie seine Westentasche. Wir wollten wiederkommen, nehmen sie uns die Enttäuschung ob der untergetauchten Rinder. „Wir sind fast jeden Tag hier – und fast jedes Mal bekommen wir die Tiere zu Gesicht", verbreitet Helmut Rückborn Optimismus, der uns die letzte Viertelstunde bergan zum Wanderparkplatz trägt.

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