Frau stürzt auf dem Hauptweg der Externsteine und fordert Schmerzensgeld

Nun soll der Landesverband 8.000 Euro zahlen

Astrid Sewing

  • 14
- © Archivfoto: Vera Gerstendorf-Welle
Touristenattraktion Externsteine (© Archivfoto: Vera Gerstendorf-Welle)

Kreis Lippe. Den 19. Januar wird eine Horn-Bad Meinbergerin in schmerzhafter Erinnerung behalten. An dem Tag hat sie einen Spaziergang zu den Externsteinen unternommen. Am Felsen stürzte sie und brach sich das Handgelenk. Jetzt fordert sie Schadenersatz vom Landesverband.

Die Horn-Bad Meinbergerin wird durch Rechtsanwalt Hans-Joachim Kirchhof vertreten. Er fordert für sie 8.000 Euro Schmerzensgeld, außerdem soll der Landesverband als Eigentümer der Naturdenkmäler die Kosten der Folgeschäden übernehmen. Der Landesverband will sich zu der Sache nicht äußern, weil es sich um ein laufendes Verfahren handele. Allerdings verweist er darauf, dass alle Wege um die Externsteine instand gehalten und gepflegt werden. Regelmäßig gehe ein Experte für Arbeitsschutz die Strecken mit ab. Sehe er Mängel, würden sie beseitigt.

Information

Blick zur Sparrenburg

Die Nachbarstadt Bielefeld handhabt den Winterdienst anders. Die Wege zur Sparrenburg hin werden laut Auskunft des Grünflächenamtes mit einem Salz-Splitt-Gemisch gestreut. Der Parkplatz werde auch gestreut, wenn es eisig ist, nur rund um die Burg entfällt das Streuen.

Muss der Landesverband alle oder nur bestimmte Wege im Winter streuen? „Keiner würde sagen, dass das für alle Wanderwege gilt – das wäre gar nicht zu leisten", sagt Kirchhof. Allerdings findet er, dass zumindest Schilder darauf hinweisen müssten, dass nicht geräumt oder gestreut wird. An den Externsteinen sei die Situation auch speziell. Seine Mandantin sei von dem kostenpflichtigen Parkplatz auf dem Hauptweg zu den Externsteinen spaziert, zwischen den Felsen sei sie gestürzt. Das, was als Wanderweg ausgeschrieben ist, war 1813 als Straße ausgebaut worden. Von 1912 bis 1935 verkehrte auf der Fernstraße eine Straßenbahn der PESAG. Später ist die Straße verlegt worden.

Die Gefahr sei für die Horn-Bad Meinbergerin und ihre Begleiterin nicht erkennbar gewesen. „Unter dem Schnee war eine Eisplatte, das hat die Zeugin bestätigt", sagt Kirchhof. Ein Schild mit dem Hinweis, dass kein Winterdienst geleistet werde , habe es nicht gegeben.  „Dafür ist am Infozentrum zu lesen, dass der Weg neu gemacht wurde und es für Rollstuhlfahrer und Senioren mit Rollator schwerer ist, ihn zu nutzen."

In einem Urteil sei der Bundesgerichtshof zwar zu dem Schluss gekommen, dass waldtypische Gefahren hinzunehmen sind. „Der Landesverband kann nicht alle Bäume kontrollieren und garantieren, dass nicht irgendwo ein Ast morsch ist", sagt der Anwalt. Aber Eis und Schnee seien keine waldtypischen Gefahren. „Auch in den Städten fällt Schnee. Wo die Kommunen nicht räumen, stellen sie Hinweisschilder auf." Die Externsteine seien eine Touristenattraktion, es gebe eine besondere Sorgfaltspflicht des Eigentümers.

„Da sollen ja viele Leute hinkommen, sie zahlen dafür – eine Parkgebühr und auch, wenn sie im Sommer auf die Steine klettern." Wie der Landesverband erklärt, weisen Schilder auf den eingeschränkten Winterdienst hin. Außerdem dürfe in einem Naturschutzgebiet kein Salz gestreut werden, die Schotterwege könnten nicht geräumt werden.
Unterdessen hat der Landeverband gestern aktuelle Zahlen zum Tourismus-Jahr an den Externsteinen und dem Hermannsdenkmal herausgegeben.

Kommentar: Mit Glätte ist zu rechnen

von Astrid Sewing

Der Ärger der Horn-Bad Meinbergerin ist verständlich. Wer rechnet schon damit, dass ein schöner Winterspaziergang so böse endet? Doch es ist schwierig, eine Grenze zu ziehen. Die Kommunen können längst nicht alle Flächen streuen, und das umfasst auch die, die täglich von viel mehr Menschen genutzt werden müssen. Es werden einfach Schilder aufgestellt, und die Kommunen sind aus dem Schneider.

Das wünschte man sich als Privatmensch auch. Doch die Rechtsprechung hat längst erkannt, dass auch Hauseigentümer oder Mieter nicht automatisch haften, wenn jemand im Winter auf dem Bürgersteig stürzt. Es ist einfach nicht zu leisten, die Wege den ganzen Tag über zu kontrollieren. Wer sieht, dass es verschneit ist, muss entsprechend vorsichtig sein. Das gilt erst recht, wenn man in der freien Natur unterwegs ist.

Wird man allerdings quasi zu einer Touristenattraktion hingeführt, dann müssen die Ansprüche an die Sorgfaltspflicht höher angesetzt werden. Da reicht ein Schild an einer Stelle mit einem Hinweis auf einen eingeschränkten Winterdienst nicht. Da muss es direkt vor Ort heißen: Hier wird gar nicht gestreut oder geräumt. Und wer dann losläuft, der hat eben Pech, wenn etwas passiert.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2020
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

14 Kommentare
14 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!