Hier wird in Lippe der Opfer des Nationalsozialismus gedacht

Yvonne Glandien

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Die Erinnerung muss wachbleiben: Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde bringen die Bad Salzufler Stolpersteine auf Hochglanz. - © Kirchengemeinde Bad Salzuflen
Die Erinnerung muss wachbleiben: Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde bringen die Bad Salzufler Stolpersteine auf Hochglanz. (© Kirchengemeinde Bad Salzuflen)
Kreis Lippe. 80 Jahre ist es her, dass am 9. November 1938 jüdische Geschäfte brannten, Tausende Menschen misshandelt und ihre Existenzen zerstört wurden. In mehreren Orten in Lippe gedenken die Menschen der Opfer dieser Nacht und des Holocaust. Eine Übersicht der Stolpersteine, die im Gedenken in Lippe verlegt wurden, gibt es weiter unten im Artikel.

Detmold

In der Lortzingstraße, an dem Gedenkstein am Platz der Neuen Synagoge, wird um 17 Uhr von der evangelischen und katholischen Jugend ein Kranz niedergelegt. Die Gedenkfeier am Platz der Alten Synagoge beginnt um 18 Uhr. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Rainer Heller werden in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler der Israel-AG am Grabbe-Gymnasium die örtliche Gedenkveranstaltung mit Wortbeiträgen gestalten.

Im Anschluss an die Gedenkfeierlichkeiten veranstaltet die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Kooperation mit der Stadt Detmold in der Martin-Luther-Kirche ein Orgelkonzert. Die Organistin Oona Maria Bran spielt Musik jüdischer Komponisten. Der Eintritt ist frei.

Erstmalig in diesem Jahr komplettieren drei weitere Veranstaltungen eine kleine Reihe rund um den 9. November im Rahmen der Detmolder Erinnerungskultur. Am 14. November referiert Detmolds Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink um 19.30 Uhr zu dem Thema „Felix Fechenbach und der lange Schatten der Revolution" im Detmolder Rathaus. Am 23. November hat die Deutsch-Italienische Gesellschaft Lippe Detmold die Zeitzeugin Esther Bejarano zu einem Konzert mit Lesung in die Geschwister-Scholl-Gesamtschule eingeladen. Ab 19 Uhr liest die KZ-Überlebende aus ihrem Buch „Erinnerung" und steht mit der Microphone Mafia auf der Bühne. Die Ausstellung „Grenzen des Vergessens" mit Fotos von Bernd Lange wird am Dienstag, 27.November, um 17 Uhr im Detmolder Rathaus eröffnet.

Lage

In Lage sind die Bürger zu einer Gedenkfeier zur Reichspogromnacht für Donnerstag, 9. November, um 18 Uhr auf den jüdischen Friedhof an der Flurstraße eingeladen. Die Kranzniederlegung wird von den Posaunenchören der evangelisch-lutherischen, der evangelisch-reformierten und der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Lage (SELK) umrahmt.

Lemgo

In Lemgo findet am Freitag, 9. November, ab 17.30 Uhr die jährliche Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust statt. Der Arbeitskreis „9. November Lemgo" lädt zur Teilnahme ein.

Los geht es im Hof des Frenkel-Hauses, Echternstraße 70, wo der erste Teil des Programms stattfinden wird. Anschließend gehen die Teilnehmer schweigend vom Frenkel-Haus zur Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge, Neue Straße, wo die Veranstaltung um 18 Uhr fortgesetzt wird.

Die Teilnehmer sind eingeladen, Kerzen oder Windlichter mitzubringen. Am Frenkel-Haus werden zusätzlich Kerzen von Schülern der Heinrich-Drake-Schule verteilt. Die Dauerausstellung im Frenkel-Haus ist an diesem Tag bereits ab 16.30 Uhr geöffnet.

Zur Erinnerung an die 2017 verstorbene Karla Raveh errichtet die Alte Hansestadt Lemgo für ihre ehemalige Ehrenbürgerin einen Gedenkstein. Der Stein wurde vor dem alten jüdischen Friedhof am Ostertorwall in Sichtweite des Lieblingsbaums und in der Nähe des Elternhauses von Karla Raveh platziert. Die Alte Hansestadt Lemgo lädt zu der feierlichen Einweihung und gleichzeitigen Übergabe des Gedenksteins an die Öffentlichkeit für Samstag, 10. November, ein. Beginn ist um 10.30 Uhr.

Schieder-Schwalenberg

In Schieder-Schwalenberg erinnern Jugendliche des Jugendzentrums Schieder an das Schicksal der Familie Bachrach. Sie haben eine Ausstellung im Gedenken an die Opfer der Shoa aus Schwalenberg erarbeitet.

Sie wird am Freitag, 9. November, um 17 Uhr im Haus Bachrach, Marktstraße 5 in Schwalenberg, eröffnet. Bereits um 16 Uhr beginnen Führungen zu den jüdischen Orten in der Malerstadt.

Bad Salzuflen

Zum Jahrestag erinnert der „Bad Salzufler Ratschlag für Toleranz, Vielfalt und Respekt" mit weiteren Akteuren an die Gräueltaten jener Nacht und die gnadenlose Vernichtung, die ihnen folgte.

Als die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 jüdische Gotteshäuser, Wohnungen und Geschäfte verwüsteten, wurden auch die Synagogen in Bad Salzuflen und Schötmar vollständig zerstört. Auf den Umrissen der alten Salzufler Synagoge entstand ein Mahnmal, an dem üblicherweise die Gedenkfeier zum 9. November stattfindet. Nur nicht in diesem Jahr: Da in diesem Jahr der 9. November auf den Sabbat, den heiligsten Festtag im jüdischen Glauben, fällt, findet die Gedenkfeier am Mahnmal erst am Sonntag, 11. November, um 11.30 Uhr statt. Sie schließt sich an einen ökumenischen Gottesdienst an, der bereits um 10 Uhr in der katholischen Liebfrauenkirche beginnt und an dem neben Salzufler Gemeinden auch der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, Matitjahu Kellig, beteiligt ist. Frank Crüsemann, langjähriger Professor an der Kirchlichen Hochschule Bethel, hält die Predigt.

Am 9. November selbst findet ab 19 Uhr ein Konzert jiddischer Lieder und Lieder jüdischer Komponisten des 20. Jahrhunderts mit Sandra Botor (Gesang) und Waltraud Huizing (Klavier) in der Gelben Schule statt.

In vier lippischen Kommunen erinnern Stolpersteine an die Opfer.


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