Missbrauchsverdacht: Eltern aus Horn-Bad Meinberg in U-Haft

Janet König und Erol Kamisli

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Die Detmolder Staatsanwaltschaft ermittelt. - © Bernhard Preuss
Die Detmolder Staatsanwaltschaft ermittelt. (© Bernhard Preuss)

Horn-Bad Meinberg. Ein erneuter Fall von Kindesmissbrauch erschüttert Lippe. In Horn-Bad Meinberg sollen Eltern ihre Tochter knapp zwei Jahre sexuell missbraucht haben. Das Mädchen und dessen jüngere Schwester sind vom Jugendamt Lippe in Obhut genommen worden. Die Eltern sitzen seit dem 15. März in Untersuchungshaft, das bestätigt die Staatsanwaltschaft Detmold. Der Fall stehe in keinem Zusammenhang mit dem Missbrauchskandal in Lügde.

Der mutmaßliche Missbrauch sei aufgeflogen, da die Mutter einem Bekannten gegenüber Anspielungen gemacht haben soll. Der Mann habe den Verdacht direkt an die Polizei in Detmold weitergegeben. Nur wenige Stunden später seien der Stiefvater und die leibliche Mutter der heute 14-jährigen Geschädigten getrennt voneinander vernommen worden. Der Verdacht erhärtete sich, einen Tag später sei das Paar dem Haftrichter vorgeführt worden. Seitdem sitzen die Eltern in U-Haft. Beide sollen Täter sein, so lautet der Vorwurf. Der 51-jährige Stiefvater muss sich wegen 60-fachen sexuellen Missbrauchs verantworten – an 20 dieser Übergriffe soll die 38-jährige Mutter beteiligt gewesen sein. „Beide haben gegenüber dem Haftrichter umfangreiche Angaben zu den Vorwürfen gemacht", sagen ihre Anwälte Christian Thüner und Deborah Weinert aus Herford.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei das Paar sogar teilweise geständig. Weitere Einzelheiten müssten die Ermittlungen zeigen. "Wir stehen noch am Anfang", sagt die zuständige Staatsanwältin Johanna Dämmig. Ob auch die kleine Schwester im Grundschulalter missbraucht wurde, stehe demnach noch nicht fest. Der Bekannte habe nur auf die 14-Jährige hingewiesen. Die Kinder sind inzwischen in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung untergebracht, bestätigte der Kreis Lippe.

Die schnelle Reaktion der Polizei sei laut Staatsanwaltschaft keine Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal Lügde. "Es ist keine Ausnahme, dass die Behörden bei einem dringenden Verdacht innerhalb weniger Stunden reagieren", sagt Dämmig. Der Fall wäre jedoch ohne die große Aufmerksamkeit durch Lügde womöglich nie öffentlich geworden - allein um die Kinder zu schützen.

Rechtsanwalt Thüner sieht das anders: „Ich glaube, dass durch Lügde sehr schnell reagiert wurde." Das Haus der Beschuldigten sei auf den Kopf gestellt worden. „Alle Datenträger, auf denen sich Fotos oder Videos befinden könnten, wurden mitgenommen", sagt er. Dieses Vorgehen sei bei Missbrauch durchaus üblich, heißt es dazu von der Staatsanwaltschaft. In diesem konkreten Fall bestehe sogar der Verdacht, dass die Ermittler bei der Auswertung fündig werden könnten, so Dämmig.

Zahlen zum Missbrauch

In Lippe waren im Jahr 2018 laut Kriminalitätsstatistik des Kreises 63 Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden, zwei Mal nach Anzeigen aus der eigenen Familie. Darin sind die Fälle des Missbrauchsfalls Lügde nicht eingerechnet. Ein Jahr zuvor waren es noch 38 Fälle.

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