Unternehmer müssen umdenken: "Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen"

Marianne Schwarzer

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Wie sie als Chefs die Arbeitswelt sehen und was sie in ihren Unternehmen verändert haben, erzählen Lasse Rheingans (links) und Carsten Roth (rechts) LZ-Chefredakteur Dirk Baldus. Foto: Marianne Schwarzer - © Marianne Schwarzer
Wie sie als Chefs die Arbeitswelt sehen und was sie in ihren Unternehmen verändert haben, erzählen Lasse Rheingans (links) und Carsten Roth (rechts) LZ-Chefredakteur Dirk Baldus. Foto: Marianne Schwarzer (© Marianne Schwarzer)

Kreis Lippe. Neue Wege in der Arbeitswelt: Carsten Roth hat das Familienunternehmen für Kommunikationstechnik mit 100 Mitarbeitern auf den Kopf gestellt und eine vollkommen neue Firmenkultur etabliert. Agenturchef Lasse Rheingans lebt mit seinem 15-köpfigen Team den Fünf-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich. Beide haben am Dienstagabend Moderator und LZ-Chefredakteur Dirk Baldus sowie etwa 140 Zuhörern im Hangar von ihren Erfahrungen berichtet.

So unterschiedlich ihre Wege auch sein mögen, eines haben beide erkannt: Menschen müssen sich bei der Arbeit wohlfühlen, und sie brauchen Raum, um sich zu entfalten. Carsten Roth drückt das so aus: „Wir brauchen mehr Selbstbestimmung, der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Ich will Spaß bei der Arbeit haben." Weg mit dem System von Prämie, Lob und Tadel, weg mit der Befehlskette von Anweisung über Ermahnung bis hin zur Abmahnung: „Da leidet nur die Stimmung." Angstfreies Arbeiten sei es, was gute Leistung und damit wirtschaftlichen Erfolg bringe. Allerdings: „Konsequenz und Klarheit in der Kommunikation sind unabdingbar." Sein Rat an Chefs: „Fangen Sie bei sich an, überprüfen Sie Ihre Haltung."

Das hat Lasse Rheingans längst gemacht, als er 2017 als neuer Chef mit seinem Team das Experiment des Fünf-Stunden-Tages gewagt hat. „Ich glaube einfach nicht, dass jemand morgens aufsteht und sagt: Heute mache ich einen richtig beschissenen Job." Doch herauszukitzeln, wo die Stärken liegen, und Mitarbeitern Raum für Entwicklung und damit auch Kreativität zu geben, sei die Herausforderung. Denn kurz zu arbeiten, bedeute in seiner Agentur nicht automatisch Hektik, wenn man konsequent Zeitfresser vom Smalltalk bis zum Nachrichtenchecken oder ständigen Unterbrechungen eliminiere. „Unterm Strich arbeiten wir gar nicht so viel weniger."

Aber lässt sich das Konzept einer kleinere Denkfabrik auch in anderen Branchen denken? Das wollte Moderator Dirk Baldus wissen: „Wie soll das in der Pflege gehen oder in der Industrie, wenn es um die Auslastung von Maschinen geht?"

Rheingans glaubt, dass es funktionieren könnte in einer Arbeitswelt, in der immer mehr Maschinen eintönige, wiederkehrende Arbeiten übernehmen: „Es kann doch nicht sein, dass ein Klinikum Menschen benötigt, um Pillen zu sortieren, wenn das ein Roboter viel schneller und fehlerfrei machen kann." Jetzt sei noch Zeit, solche Neuerungen auch in der Pflege zu testen: „In zehn Jahren kriegen wir das nicht mehr hin. Kein Beruf ist davor gefeit, ersetzt zu werden."

Egal, in welcher Branche: In der Berufswelt sei wichtig, wie man als Mensch gesehen werde, ergänzt Carsten Roth. „Wenn Leute sich wohlfühlen, sind sie einfach gesünder." Es lässt sich auch mit dem Aristoteles-Satz sagen, den Dirk Baldus am Beginn des spannenden Abends zitiert hatte: „Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten."

Zukunftsperspektiven

Gemeinsam präsentieren die Lippische Landes-Zeitung und die Akademie Denkflügel mit Weidmüller und der Detmolder Gilde am Dienstag, 18. Februar, eine weitere Folge der Reihe „Zukunftsperspektiven". „Durchstarten statt ausbremsen" ist dann ab 19 Uhr das Thema. Dr. Mario Herger arbeitet als Trendforscher und Unternehmensberater im Silicon Valley und spricht über Mobilität und darüber, wie die neuesten Errungenschaften Unternehmen, Umwelt und Verkehrsplanung beeinflussen. Karten gibt es schon jetzt im Vorverkauf für 39,90 Euro inklusive Catering in den LZ-Geschäftsstellen.

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