Weniger Tote, aber mehr Unfälle: Polizei stellt Verkehrsunfallstatistik vor

Astrid Sewing

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Zwei Menschen waren im Mai 2019 bei einem Unfall auf der B1 bei Schlangen ums Leben gekommen. - © Archiv: Niklas Böhmer
Zwei Menschen waren im Mai 2019 bei einem Unfall auf der B1 bei Schlangen ums Leben gekommen. (© Archiv: Niklas Böhmer)

Kreis Lippe. Eine Seniorin stolperte an der Bordsteinkante, fiel vor einen Lastwagen und starb, zwei Jugendliche verunglückten in zeitlichem Abstand an fast der gleichen Stelle tödlich – hinter den Zahlen der Verkehrsunfallstatistik stehen Schicksale. Im Kreis Lippe verloren 2019 acht Menschen ihr Leben bei einem Unfall. Das sind drei weniger als 2018, und kein Kind war unter den Opfern. Insgesamt stieg die Zahl der Unglücke, aber weniger Menschen wurden verletzt.

Die Übersicht zeigt, dass es in Detmold die meisten Unfälle mit Personenschäden gibt. Acht Menschen sind 2019 im Kreis Lippe ums Leben gekommen, darunter sind zwei Jugendliche und vier Senioren. - © Polizei NRW/CI. Sussiek
Die Übersicht zeigt, dass es in Detmold die meisten Unfälle mit Personenschäden gibt. Acht Menschen sind 2019 im Kreis Lippe ums Leben gekommen, darunter sind zwei Jugendliche und vier Senioren. (© Polizei NRW/CI. Sussiek)

Die der Kreispolizeibehörde wurde am Dienstag vorgestellt. Das Gros der 9.574 Unfälle endete mit Blechschäden, 932 Mal mussten Verletzte ins Krankenhaus eingeliefert werden. Obwohl die Unfallzahlen insgesamt um 343 gestiegen sind, gab es 186 Verletzte weniger. „Das liegt sicher zu einem Teil auch an der Technik, die in den Fahrzeugen verbaut ist, aber auch an den Präventionsprojekten und den verschärften Kontrollen", stellte Landrat Dr. Axel Lehmann fest.

Aufklärungsquote bei Unfallfluchten deutlich schlechter

Auffällig ist, dass die Aufklärungsquote bei Unfallfluchten deutlich schlechter ist als 2018. 1.800 Fälle wurden gemeldet, bei 86 kamen Menschen zu Schaden – fast zwei Drittel der flüchtigen Verkehrsteilnehmer wurde 2019 ermittelt. „2018 hatten wir hier eine Quote von 78 Prozent und lagen landesweit ganz vorne", sagte Thomas Bartelt (Direktion Verkehr).

Die deutliche Verschlechterung sei auf die personelle Situation zurückzuführen. „Wir haben drei Beamte an die Abteilung Kriminalität abgegeben, denn der Missbrauchsskandal Lügde hatte Priorität." Insgesamt 17 Ermittler habe die Direktion Verkehr, „wenn Sie da drei abziehen und auch noch einen für eine dringend erforderliche IT-Fortbildung abstellen müssen, dann macht sich das bemerkbar", sagte Bartelt.

Im landesweiten Vergleich sehen die Zahlen gut aus. Setzt man die Zahl der Verunglückten in das Verhältnis zu den Einwohnerzahlen, liegt Lippe mit 340 unter dem Landeswert von 401. In NRW gibt es 29 Landratsbehörden, vergleicht man die Verkehrshäufigkeitszahl, liegt Lippe auf Platz 3.

Bei den Unfallursachen bleibt alles beim Alten

„Wir werden uns sicher zu einigen Punkten etwas überlegen, um besser zu werden. Insbesondere beobachten wir, dass mehr Pedelec-Fahrer verunglücken." 263 Unfälle weist die Statistik für 2019 aus, 66 davon endeten mit schweren Verletzungen. Die Frage, ob es nicht sinnvoll sei, eine Helmpflicht einzuführen, beantwortet Bartelt nicht mit einem klaren Ja. „Man muss das kontrollieren, um das durchzusetzen, und der Aufwand wäre sehr groß." Angesichts der personellen Ausstattung der Polizei sei das kaum zu leisten.

Bei den Unfallursachen bleibt alles beim Alten: Überhöhte Geschwindigkeit, zu wenig Abstand, riskantes Überholen und Alkohol-und Drogenkonsum stehen ganz oben auf der Liste. Allerdings räumt Thomas Bartelt auch der Handy-Nutzung einen Platz ganz vorne ein. „Es ist ein Blindflug, wenn man tippt und fährt. Wir können das aber nicht immer als Unfallursache festmachen – auch wenn es sicher oft so ist", sagte Bartelt.

Die Kontrollen in diesem Bereich seien massiv verschärft worden, in 2018 seien um die 2000 Verstöße geahndet worden, 2019 um die 1600. Die Methoden habe man angepasst. Die Polizei setze Beamte in Zivil ein, die von erhöhten Standorten aus in die Fahrzeuge schauen. „Wenn wir das einige Tage sehr intensiv kontrollieren, dann stellen wir fest, dass es deutlich weniger Verstöße gibt. Es spricht sich einfach rum", sagt Bartelt.

Die Unfallschwerpunkte im Kreis Lippe

Die Polizei wertet die Unfalldaten und das Unfallgeschehen aus. Ziel ist es, den Verkehrsraum so sicher wie möglich zu machen. Die Daten werden deshalb an die Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörden weitergegeben.

Detmold: Hornsche Straße/Willi-Hofmann-Str., Bielefelder Str./Orbker Str./Niedernfeldstraße (alle L758), Barntruper-/Braker-/Richthofenstraße, Hornsche Str/Knickweg (beide B239); Heidenoldendorfer Str./Wittekindstraße, Lagesche Str./Georgstraße/Wittekindstraße

Bad Salzuflen: Ostwestfalenstr/Höhe Mesezentrum, Oerlinghauser Str. (beide L712n)

Lage: Breite Str./Pivitsheider Straße (B239)

Leopoldshöhe: Detmolder Str./Tunnelstraße/Hauptstraße

Lemgo: Richard-Wagner-Str./Leopoldstr. (B66), Bielefelder Str./Dorfstr., Hauptstraße (K88)

Horn-Bad Meinberg: Detmolder Str./Höhe Broker Krug (B239), B1 - Abfahrt Waldschlösschen

Extertal: Sternberger Straße

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