Kreis Lippe. So hatten sich die 53 Schüler und ihre Lehrer des Lemgoer Lüttfeld-Berufskollegs ihre Rückkehr aus dem Skiurlaub sicher nicht vorgestellt: Sie gehörten Freitagabend zu den ersten, bei denen am Hangar 21 in Detmold im „Drive-in-Diagnose-Zentrum" des Kreises Lippe ein Abstrich genommen wurde, um sie auf das Coronavirus zu testen. Einige von ihnen zeigten nach Auskunft des Kreises bereits während der Busfahrt grippeartige Symptome.
Die Schüler haben die vergangene Woche in der Region um Meransen verbracht, in der auch die erste infizierte Lipperin Skiurlaub gemacht hat. Am Donnerstag hatte der Kreis Lippe einen Test noch nicht für notwendig gehalten, weil das Robert-Koch-Institut (RKI) Südtirol noch nicht zur Risikoregion erklärt hatte. Doch genau das holte das RKI am Freitagmorgen nach, und sofort reagierte das Gesundheitsamt: Noch ehe die Schüler nach Hause durften, machte der Bus einen Stopp am Hangar 21. „Jeder Schüler erhält noch im Bus einen Auskunftsbogen, auf dem er seine Symptome und Angaben zu eventuellen Vorerkrankungen beschreiben soll", kündigte der Kreis am späten Nachmittag an.
Eltern wurden informiert
Die Eltern der Reisenden seien gebeten worden, sich eine halbe Stunde vor der voraussichtlichen Ankunft am Hangar 21 einzufinden, um sich zum Umgang mit ihren Kindern aufklären zu lassen. Anschließend müssen sämtliche Schüler zumindest bis zum Mittwoch zu Hause in Quarantäne bleiben, dann sollen die Ergebnisse der Tests vorliegen. Die Eltern sollen bis zu diesem Zeitpunkt mit ihren Kindern in Quarantäne bleiben. Sie sollen auch daheim Abstand halten und die üblichen Hygienetipps befolgen.
Manfred Kreisel, Schulleiter am Lüttfeld, ist froh, dass nun alles geregelt wird: „So bekommt man die Schüler doch nie wieder zusammen", sagte er am Nachmittag der LZ. Er habe den ganzen Tag über mit der Reisegruppe in Kontakt gestanden. Aber nicht nur: „Bei mir in der Schule steht das Telefon nicht still, ich erhalte permanent Anrufe von Eltern." Vornehmlich übrigens nicht etwa von denen der Heimkehrer, sondern den Eltern der Hiergebliebenen: „Die haben die größte Panik geschoben. Da gab es sogar Forderungen, die Schule zu schließen" – eine Maßnahme, die er für vollkommen unangemessen hielte.
Am Sonntag vor einer Woche war die Gruppe in den knapp 900 Kilometer entfernten kleinen südtiroler Ort Meransen aufgebrochen, der bei Skigruppen sehr beliebt ist. Die Bezirksregierung hatte der Schulleitung im Vorfeld freigestellt, die Fahrt in Rücksprache mit den Betroffenen abzusagen, im Fall der Venedig-Fahrt sei das auch geschehen. „Aber die Südtirol-Fahrer haben sich einstimmig und vollkommen ohne Druck entschlossen, zu fahren. Sonst wären sie auch auf den Kosten hängengeblieben." Nur eine Lehrerin hatte Abstand von der Reise genommen. „Das habe ich auch so akzeptiert", sagte Kreisel.
Warnung vor Panikmache
„Wir werden nun die Ergebnisse der Tests abwarten", erklärte am Freitag Landrat Dr. Axel Lehmann. „Aber selbst wenn sich Schüler des Lüttfeld-Berufskollegs mit dem Coronavirus infiziert haben sollten, rufe ich alle Bürger weiterhin zu Besonnenheit auf. Panikmache und Anfeindungen, wie sie leider nach dem ersten bestätigten Fall in Lippe gegenüber der Familie und dem Freundeskreis vorgekommen sind, sind hier fehl am Platz."
Rückkehrer aus Risikogebieten sollen bei grippeartigen Symptomen zunächst ihren Hausarzt anrufen oder – außerhalb der Sprechstunden – die 116117. Zudem hat das Gesundheitsamt eine Infohotline unter Tel. 05231-621100 geschaltet. Wer sich nicht über eine dieser beiden Nummern angemeldet hat, wird nicht im Diagnosezentrum untersucht. Zusätzlich zu der Reisegruppe wurden Freitag rund 20 Menschen getestet.