Prozess startet in Detmold: Mordversuch nach Vergewaltigung in Somalia

Silke Buhrmester

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- © Bernhard Preuss
Landgericht Detmold (© Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. Eine Frau, die in ihrer Heimat Somalia versucht haben soll, ihren Vergewaltiger umzubringen und dann aus Angst vor der Todesstrafe nach Deutschland geflüchtet ist, steht ab Montag in Detmold vor Gericht. Die Anklage lautet auf versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Das Ungewöhnliche: Die Frau hat die Ermittler selbst auf die Tat aufmerksam gemacht – mehr noch, sie begründete gegenüber der Ausländerbehörde damit ihren Asylantrag.

Laut Anklageschrift ereignete sich die Tat im Juli 2013 in Afgoye in Somalia. Offenbar aus Rache soll die heute 27-Jährige versucht haben, ihren Landsmann mit einem Messer hinterrücks zu ermorden. Der Mittdreißiger, so gab die Frau gegenüber der Ausländerbehörde an, habe sie zwei Monate zuvor gemeinsam mit einem Komplizen brutal vergewaltigt – und so zum Gespött des Ortes gemacht. Sie habe daraufhin ihrem Peiniger aufgelauert, ihm zweimal ein Messer in den Rücken gerammt und sei dann weggerannt. Das Opfer habe den Angriff aber überlebt.

Um den Todesstrafe in ihrer Heimat zu umgehen, sei sie nach Deutschland geflüchtet. Dort beantragte sie 2017 Asyl und berichtete den Mitarbeitern der Ausländerbehörde von der Tat. Die schalteten die Polizei ein, es kam zum Ermittlungsverfahren. Dabei soll die Frau ihr Geständnis wiederholt haben.

Heute lebt sie in Bad Salzuflen, in Untersuchungshaft sitzt sie nicht. Weil die Tat sowohl in Somalia als auch in Deutschland strafbar ist, kann die 27-Jährige laut Gerichtssprecherin Dr. Melanie Rüter auch von einem deutschen Gericht verurteilt und in einem deutschen Gefängnis eine mögliche Strafe absitzen.

Der Prozess beginnt vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Detmold am Montag, 16. März, um 9 Uhr.

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