Diese Kandidaten wollen Lippes Landrat werden

Astrid Sewing

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Das Kreishaus in Detmold. Der neue (oder der alte?) Landrat ist auch Chef von 1900 Mitarbeitern. - © Sven Koch
Das Kreishaus in Detmold. Der neue (oder der alte?) Landrat ist auch Chef von 1900 Mitarbeitern. (© Sven Koch)

Kreis Lippe. Fünf Lipper wollen Landrat werden. Ein erstes Kennenlernen mit den Kandidaten, die das Amt übernehmen wollen, gibt es hier.

Robin Wagener (Grüne)
Robin Wagener (Grüne)
(© Martin Hostert)
Das Ehrenamt und die Politik verbinden sich für Robin Wagener seit vielen Jahren. Der 39-Jährige ist Richter am Sozialgericht in Detmold, er hat 13 Jahre die Kommunalpolitik im Bad Salzufler Rat mitgestaltet, er ist Kreisvorsitzender und Mitglied im Landesvorstand der Grünen NRW und sachkundiger Bürger im Kreis Lippe. Für das Rote Kreuz hat er sich unter anderem auf Bundesebene engagiert und auch bei der Feuerwehr. Der Prädikant der Kirchengemeinde Bergkirchen ist Trainer im Shotokan Karate Dojo Bad Salzuflen.
Wagener lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Wüsten. Seine Hauptziele sind der Klimaschutz und eine Verkehrswende „mit stress- und emissionsarmer Mobilität für alle und kostenlosem ÖPNV". Die Förderung der Wirtschaft und der regionalen Vermarktung ist ihm wichtig. Das Ziel: „Ein Kreis der schützt, auch sozial – mit einer Polizei, die nah dran ist, einem gut aufgestellten Jugendamt und einem Jobcenter, das in den Arbeitsmarkt der Zukunft begleitet." „Ich möchte kein Landrat sein, der so tut, als würde er alles alleine machen. Ich möchte Lippe gemeinsam mit Vereinen, Unternehmen, Lipperinnen und Lippern gestalten."
Dr. Axel Lehmann (SPD)
Dr. Axel Lehmann (SPD)
(© Bernhard Preuss)
Es war 2015 eine Überraschung, als Dr. Axel Lehmann die Stichwahl knapp gegen den langjährigen Amtsinhaber Friedel Heuwinkel gewann. Der Journalist gab seine Medienagentur auf und bezog ein Büro im Kreishaus. Als Landrat ist er Chef einer Verwaltung mit rund 1900 Mitarbeitern, außerdem führt er die Polizei. An Herausforderungen und Krisen gab es einiges. Kaum war er Landrat, mussten die Kreisseniorenheime, die in einer wirtschaftlichen Krise steckten, saniert werden; der Missbrauchsskandal in Lügde wirkt bis heute nach. Unter anderem setzte sich Lehmann für eine Verstärkung des Kinderschutzes ein.
Der Sozialdemokrat hat drei Ziele, die er nach seiner Wiederwahl als vorrangig ansieht: Flächendeckende, preiswerte Mobilität, leistungsfähige Glasfaser- und Mobilfunktechnik und eine sichere gesundheitliche Versorgung für alle Lipper – vom Arzt bis zur Pflege und Gesundheitsberatung. Der 53-Jährige ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt mit seiner Familie in Detmold-Berlebeck. Ein Hobby hat er, das er in Lippe höchst selten genießen könnte: Er fährt leidenschaftlich gerne Ski.
Ursula Jacob-Reisinger (Die Linke)
Ursula Jacob-Reisinger (Die Linke)
(© Die Linke)
Das soziale Engagement liegt Ursula Jacob-Reisinger im Blut. Die gelernte Einzelhandelsverkäuferin ist seit 40 Jahren in der Gewerkschaft, seit zehn Jahren ist sie Gewerkschaftssekretärin. Mit ihrem Mann lebt sie in Lage, ihr Sohn studiert Politikwissenschaften. Für die Partei Die Linke will die 62-Jährige den Fokus auf Lohngerechtigkeit, Armutsbekämpfung und den Naturschutz legen. In der Kreispolitik kämpft sie dafür, dass der Konzernbetriebsrat anerkannt wird. Der Rechtsstreit darum läuft seit Jahren.
„Der Kreis muss hier eine Vorbildfunktion haben, es müssen überall Tariflöhne gezahlt werden", ist sie überzeugt. Auch das Thema Kinderarmut treibt sie um. In der Corona-Krise sei sehr deutlich geworden, dass es eine große Ungleichheit gebe. „Die technische Ausstattung muss für alle zur Verfügung gestellt werden. Es kann nicht sein, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien benachteiligt werden." Ein heißes Eisen, das vor Jahren ad acta gelegt wurde, möchte sie auch gerne neu schmieden: „Wir müssen mehr für den Naturschutz tun, und das Thema Nationalpark sollten wir wieder anpacken."
Jens Gnisa (CDU)
Jens Gnisa (CDU)
(© Bernhard Preuss)
Sich selbst beschreibt Jens Gnisa als ehrgeizig. Der Direktor des Amtsgerichtes Bielefeld, der für die CDU antritt, hat Prinzipien: Er hat sich keinen Sonderurlaub genommen, „weil ich nicht möchte, dass der Steuerzahler für meinen Wahlkampf aufkommt." Der 57-Jährige hat seinen regulären Urlaub aufgespart und sich bis zum 27. September frei genommen – das wäre das Datum der Stichwahl. Der Horn-Bad Meinberger weiß seine Familie, seine Frau und seine drei erwachsenen Kinder, hinter sich. Auf den großen Wahlwänden, den „Wesselmännern", ist er auch mit seinem Enkelkind zu sehen. Gnisa will Landrat werden, weil er die Zukunft gestalten will.

Seine Kernthemen sind eine wirtschaftsfreundliche Politik, „weil wir durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie große Probleme bekommen werden." Als Jurist ist ihm die Innere Sicherheit ein Anliegen – und die Familienpolitik. Hier hat er bereits in Paderborn ein Projekt umgesetzt, Familien wurden bei der Erziehung begleitet. Seine Hobbys sind breit gefächert. Gnisa segelt gerne, angelt – aber auch das Wandern, Walken, eben „alles, was in der Natur ist", macht ihm Spaß. Und er ist begeisterter Standardtänzer.
Carsten Moeller (FDP)
Carsten Moeller (FDP)
(© FDP Lippe)
Die Kreispolitik liegt Carsten Möller besonders am Herzen. 2009 zog er zum ersten Mal für die FDP in den Kreistag ein, seit 2017 ist er Vorsitzender der FDP-Kreistagsfraktion und der FDP Lippe. Der 47-Jährige ist selbstständiger Berufsbetreuer und nicht nur beruflich, sondern auch politisch sind ihm die Themen solide Finanzen und freie Entfaltungsmöglichkeiten des Einzelnen sehr wichtig. Würde er gewählt, würde Möller, der mit seiner Frau und seiner Tochter in Bad Salzuflen lebt, Prioritäten setzen: „Die Wirtschaft braucht einen Anstoß, um wieder zu wachsen. Wir müssen Bürokratie abbauen, wo es geht, und mehr Gewerbeflächen veräußern", ist er überzeugt. Außerdem brauche es in der Digitalisierung „endlich eine Offensive."
Der Salzufler, der in seiner Freizeit gerne läuft und schwimmt, findet, dass die Verwaltung umfassend digitalisiert werden muss, „damit Behördengänge auch digital machbar sind." Im Bereich Bildung müsse der Kreis die Kommunen mehr unterstützen, wenn es um die digitale Ausstattung geht. „Viele Schulen sind hier immer noch im letzten Jahrhundert. Das muss geändert werden."

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