Lippischer Impf-Chef appelliert ans Gewissen der über 60-Jährigen

Nadine Uphoff

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Die Verteilung des Corona-Impfstoffs ist nach wie vor eine Herausforderung. - © Symbolbild: Pixabay
Die Verteilung des Corona-Impfstoffs ist nach wie vor eine Herausforderung. (© Symbolbild: Pixabay)

Kreis Lippe. Der Umgang mit dem Impstoff Astrazeneca ändert sich ständig: Erst gab es Fälle von gefährlichen Hirnvenenthrombosen. Daraufhin wurde das Mittel für Menschen unter 60 Jahren nicht mehr empfohlen. Jetzt kann der Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung von zwölf auf vier Wochen verkürzt werden – gegen die Empfehlung der ständigen Impfkommission (Stiko).

Dr. Ludger Böhlen, medizinischer Leiter des Impfzentrums Lippe, hält das für eine „populistische Entscheidung": „Nur damit die Leute shoppen und reisen können, hat man den Abstand reduziert. Das ist ethisch und medizinisch nicht korrekt." Zudem könnte die Wirksamkeit des Vakzins reduziert sein, wenn das Zeitintervall zwischen den Impfungen verkürzt wird.

Termine im Impfzentrum bleiben trotz Abstandsverkürzung bestehen

Laut Mitteilung bleibt für Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine Impfung mit Astrazeneca im Impfzentrum hatten, der Abstand von zwölf Wochen erhalten: „Alle Termine, die bereits vereinbart wurden, bleiben zu den genannten Zeiten bestehen und werden nicht geändert", heißt es. Das habe logistische Gründe. Das Impfzentrum bittet daher, von Anfragen zu diesen Optionen abzusehen.

Mittlerweile bekommen nur noch die Praxen Astrazeneca. Hier können sich alle Personen ab 18 Jahren um einen Impftermin bemühen. Im Impfzentrum werden Biontech und seit dieser Woche auch Moderna verimpft. An der Reihe für die Erstimpfung sind unter anderem über 70-Jährige, Kontaktpersonen von Schwangeren und chronisch Kranke, die unter Paragraf 3 der Impfverordnung fallen und ein Attest vorlegen.

Lob für die Mitarbeiter des Impfzentrums

Böhlen appelliert ans Gewissen der über 60-Jährigen, über einen Impftermin beim Arzt statt im Impfzentrum nachzudenken: „Jeder, der älter als 60 Jahre ist, bekommt im Impfzentrum Biontech. Er nimmt damit aber den Jüngeren ihre Impfdosis weg, die nicht mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft werden können."

Landrat Dr. Axel Lehmann kritisiert zudem die neue Priorisierung. Er habe gehofft, dass nun alle chronisch Kranken dran seien. „Ich appelliere daher, Impfstoff möglichst bald auch für diese Personen freizugeben", so Lehmann. Er rechnet damit, dass wenn die Betriebsärzte im Juni mit einsteigen, sich die Prioritäten sowieso erledigt hätten. „Aus meiner Sicht müssen wir die Prioritäten daher schnellstens aufheben."

Beide loben aber die gute Arbeit der Mitarbeiter der Kreisverwaltung und der Kassenärztlichen Vereinigung sowie der Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen von Hilfsorganisationen im Impfzentrum. „Der ungebrochene Teamgeist, die Freundlichkeit aller Mitarbeiter und die angenehme Arbeitsatmosphäre sind unser Erfolgsrezept", sagt Dr. Böhlen.

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