Gewitter über dem Kreis - Feuerwehr muss 25 Mal ausrücken

Karolina Schmidt und Till Brand

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In Lemgo standen zahlreiche Straßen unter Wasser. - © Freitag Medien Gruppe
In Lemgo standen zahlreiche Straßen unter Wasser. (© Freitag Medien Gruppe)

Kreis Lippe. Schien in den vergangenen Tagen noch verlockend die Sonne, so ziehen seit dem Feiertag dunkle Wolken über den Kreis. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte am Donnerstagnachmittag vor schwerem Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel in einigen lippischen Kommunen. Und so ganz scheint der Spuk noch nicht beendet. Auch am Freitag sieht es nach möglichen Unwettern aus.

In Detmold-Pivitsheide ist am Donnerstagnachmittag ein Blitz in ein Reihenhaus eingeschlagen. Das teilt die Feuerwehr Detmold mit. Das hauptamtliche Personal, der Löschzug Mitte, die Löschgruppe Pivitsheide und ein Rettungswagen rückten zu einem gemeldeten Dachstuhlbrand aus. Vor Ort haben die Einsatzkräfte aber kein Feuer vorgefunden. Der Blitz sei wahrscheinlich in die Dachrinne eingeschlagen und über das Fallrohr abgeleitet worden.

Blitzeinschlag in Pivitsheider Reihenhaus. - © Feuerwehr Detmold
Blitzeinschlag in Pivitsheider Reihenhaus. (© Feuerwehr Detmold)

Die Bewohner des Hauses saßen zu diesem Zeitpunkt auf der Terrasse und konnten einen kurzen Feuerschein wahrnehmen. Beide Haushälfte seien kontrolliert und mit einer Wärmebildkamera auf Wärmeentwicklung überprüft worden.

Grundstücke in Lemgo überschwemmt

In Lemgo war einmal mehr der Detmolder Weg von Überschwemmungen betroffen. Dort hat die Stadt zwar erst vor gut einem Jahr einen Deich anlegen lassen, der die Wassermassen vom Biesterberg stoppen und geregelt in die Lehmkuhle ableiten soll. Doch gegen die Sturzfluten von Donnerstagnachmittag konnte das Bauwerk ganz offensichtlich zu wenig ausrichten.

Fotos zeigen, wie sich die von den Feldern braun gefärbte Brühe trotzdem ihren Weg über Hofeinfahrten und Grundstücke sucht und über die Einfallstraße schwappt. Die Anwohner mussten einmal mehr um das Hab und Gut in ihren Kellern zittern. Einige griffen direkt zu Sandsäcken und Steinen, um ihre Grundstücke zu schützen. Auch Einsatzkräfte der Feuerwehr waren vor Ort, kam als Bestätigung von der Wache. Die LZ hat sich am nächsten Tag vor Ort umgesehen und auch mit den Anwohnern gesprochen.

Eine braune Suppe fließt Richtung Grundstücke. - © Philip Marx
Eine braune Suppe fließt Richtung Grundstücke. (© Philip Marx)

"Wir reinigen aktuell noch die Abläufe im Detmolder Weg", sagte Lars Becker, zuständig für die Straßen in Lemgo. Zwar habe der Damm einen Teil der Schlamm und Wassermassen aufgehalten, "aber irgendwann hilft das nicht mehr und es läuft drum herum", so Becker. Das habe auch zu Problemen für die Anwohner geführt. Auch der Eichtelger Weg sei voller Schlamm gewesen. "Wir fegen die Straßen dann am Montag, wenn alles hoffentlich getrocknet ist, um sie wieder völlig sauber zu machen. Dann nehmen wir auch Kontakt zu den Anwohnern auf." Die Stadt Lemgo wolle das Problem weiter analysieren, um bei kommenden Regenmassen noch besser vorbereitet zu sein.

"Wir haben gerade noch ein verstärktes Aufkommen im Bereich von Lemgo", hieß es am frühen Abend von der Leitstelle der Feuerwehr. Hier seien mehrere Straßen verschmutzt, die die Feuerwehr nun reinige. "Ein paar Bewohner haben sich schon selbst geholfen. Das war ein starker Sturzregen", so die Leitstelle.

Besonders schlimme Folgen hatte der Starkregen erneut in Leese. "Von der Straße Auf dem Tipp liefen Sturzfluten herunter. So viel, dass die Kanäle es nicht mehr fassen konnten", sagt Julien Thiede von der SPD, Wahlkreisvertreter in Leese. Er selbst war nachmittags vor Ort und hat versucht, mit anzupacken. Die Feuerwehr rückte aus, um vor Ort vollgelaufene Keller von Anwohnern auszupumpen.Auch den Leeser Krug hat es mal wieder stark getroffen: "Der ganze Keller war voll. Mein Dank geht an die vielen Nachbarn, die mir geholfen haben, den Schlamm wieder raus zu schaffen", sagt Inhaberin Anja Limberg.

Bei der Reinigung der Straßen, habe laut Axel Krüger, Leiter der Kläranlage in Lemgo, auch ein Spülwagen geholfen. Am Nachmittag laufen noch ein paar Einsätze. Insgesamt sei die Feuerwehr am Donnerstag 24 Mal im Kreis Lippe ausgerückt: 18 Mal in Lemgo, 5 Mal in Lage und ein Mal in Detmold.

Am frühen Abend habe sich die Lage wieder beruhigt, teilt die Leitstelle auf erneute Nachfrage mit. Noch ein oder zwei Feuerwehren seien im Einsatz. Es sei nichts dramatisches passiert. Punktuell habe es "Kleckereinsätze" gegeben, wie Gullideckel, bei denen das Wasser nicht sofort abgelaufen ist.

Regen und Gewitter bleiben

In der Nacht zu Freitag haben die Schauer allmählich nachgelassen. Doch das nasse Wetter bleibt Richtung Wochenende bestehen.

Für Freitag meldet der DWD: "Anfangs nur vereinzelt Schauer, im Tagesverlauf von Südwesten erneut zunehmende Schauer- und Gewitteraktivität. Dabei örtlich Starkregen, teils auch unwetterartig, sowie Sturmböen und Hagel. Im äußersten Norden, vom  Münsterland bis ins nördliche Ostwestfalen etwas geringere Gewitterneigung". Es gilt die Vorwarnung vor möglichem Gewitter. Am Samstag und Sonntag soll es ähnlich weitergehen.

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