Kreis Lippe. Man hat es geschafft: Die Ausbildung liegt hinter einem, man hat in seinem Job Fuß gefasst, man fühlt sich gut eingearbeitet und zufrieden. Ist dies das Ende der Fahnenstange? Nein, denn natürlich bleibt immer noch der Weg der Weiterbildung.
Im Industriebereich ist in Deutschland sowie in Lippe die am häufigsten gewählte nächste Sprosse auf der Karriereleiter der Industriemeister oder der Wirtschaftsfachwirt. Auf der einen Seite winken mehr Verdienst und mehr Verantwortung in einem erweiterten Aufgabenfeld, auf der anderen Seite ist mit der Weiterbildung einiger Aufwand verbunden. Da wäre zunächst mal die Zeit, denn oftmals muss der nötige Besuch der Schulungen nach Feierabend oder am Wochenende stattfinden. Und die Weiterbildung muss auch bezahlt werden.
Das Wagnis Weiterbildung lohnt sich
Lohnt sich also der Schritt? Oder wäre es besser, noch etwas zu warten? Was ist, wenn man die Schulungen und die Abschlussprüfung nicht schafft?
Diese Fragen mögen einige beschäftigen, ehe sie die Herausforderung eingehen. Doch für die meisten scheint sich das Wagnis zu lohnen, wie eine gerade erschienene Erfolgsstudie der Industrie- und Handelskammern in Deutschland zeigt. „Alle fünf Jahre wird die Erfolgsstudie Weiterbildung bundesweit erhoben, um einfach herauszufinden: Was hat es den Absolventen gebracht?", berichtet André Reinisch, Referent im Geschäftsbereich Weiterbildung der IHK Lippe zu Detmold.
Fragenkatalog Anfang des Jahres verteilt
Dazu ist Anfang des Jahres ein großer Fragenkatalog an alle Kandidaten verteilt worden, die in den vergangenen fünf Jahren eine Prüfung zum Industriemeister oder zum Fachwirt absolviert haben. Bei den einzelnen Fragen waren dabei auch Mehrfachantworten möglich. Aus Lippe kamen 120 Antworten zurück.
Dabei wird eines klar: Die Gründe, warum sich Menschen in Lippe für eine Weiterbildung entscheiden, sind die gleichen wie im Rest von Deutschland. An erster Stelle rangieren hier die Aussicht auf ein besseres Einkommen (Grund für 81 Prozent, eine Weiterbildung zu absolvieren), gefolgt von der Aussicht auf einen Karriereaufstieg (75 Prozent).
Mehr Verantwortung durch Aufstieg
„Andere Antworten liegen weit dahinter, wie zum Beispiel seine beruflichen Kenntnisse zu erweitern, weswegen sich die Hälfte für eine Weiterbildung entscheidet. Sogar nur zwei Prozent wählen diesen Weg aus der Not heraus, weil sie beispielsweise arbeitssuchend sind", berichtet André Reinisch. Und noch eines wird schnell klar: Die Absolventen haben sich zum großen Teil deutlich verbessert. So gaben 65 Prozent der lippischen Teilnehmer an, dass sie sich finanziell verbessert hätten, ebenso viele berichteten davon, in höhere Positionen mit mehr Verantwortung aufgestiegen zu sein.
Finanzielle Verbesserungen um mindestens 500 Euro
„Wir wollten es aber genau wissen und fragten auch noch, wie stark die Verbesserungen ausfielen", fährt André Reinisch fort. Betrachtet man das finanzielle Plus, so ist die Verbesserung offensichtlich. Rund 70 Prozent der lippischen Befragten haben sich mindestens um 500 Euro verbessert, davon allein 23 Prozent sogar mehr als 1000 Euro. „Bei diesen Werten sind noch nicht mal die eingerechnet, die sich nur um etwas weniger als 500 Euro verbessert haben", berichtet Reinisch.
Aufstiegs-BAföG wird umfangreich genutzt
Und apropos Geld, auch nach der Finanzierung ihrer Weiterbildung fragte die IHK die Absolventen. 70 Prozent der lippischen Kandidaten entschieden sich hierbei für das Aufstiegs-BAföG; 22 Prozent erhalten in irgendeiner Form eine Unterstützung ihres Unternehmens, wie zum Beispiel durch eine bezahlte Freistellung.Die Umfrage zeige also einmal mehr, wie wertvoll eine Weiterbildung für die eigene Berufskarriere sein kann, erklärt der Referent. Damit bröckelt die nach wie vor zu findende Behauptung, nur ein Studium könne eine erfolgreiche berufliche Zukunft krönen.
Dabei muss unterschieden werden: Nicht jedem liegt ein Studium mit seinem theoretisch-wissenschaftlichen Ansatz, eine Weiterbildung ist hingegen deutlich praxis- und handlungsorientierter. Aber das ist kein Problem: „Viele wissen nicht, dass ein Weiterbildungszertifikat nicht weniger wert ist als ein Uni- oder Hochschulabschluss. Es ist vielmehr so, dass eine akademische sowie eine berufliche Bildung gleichwertig sind", erläutert Reinisch. „Oder einfach gesagt: Eine Weiterbildung bietet die Möglichkeiten, genau dasselbe zu erreichen wie mit Uni- oder Hochschulabschluss."